Es war die Woche der Diplomfeiern am BWZT. Nach zwei Corona-Jahren durften 270 junge Berufsleute aus sieben verschiedenen gewerblich-industriellen Berufsgruppen ihren Erfolg endlich wieder gebührend feiern. Sie hatten dazu 1170 Gäste in die festlich geschmückte Turnhalle ihrer Berufsfachschule eingeladen. Berufsbildner:innen, Verbandsvertreter:innen, Lehrpersonen, Eltern, Verwandte und Freunde schufen einen würdigen, unvergesslichen Rahmen.

Rektor Matthias Unseld nannte in seiner Ansprache die grössten «Unruhestifter» im aktuellen Umfeld der Berufsbildung. Da ist einmal die zunehmende Digitalisierung, die durch die Corona-Pandemie mit Lockdown und Fernunterricht deutlich beschleunigt wurde. Daneben steigt der Druck aus Wirtschaft und Industrie, die Maturitätsquote zu erhöhen, was vielleicht Berufsmaturand:innen, KV-Lernenden und generell IT-affinen Berufen zugutekommt, sich aber schwierig für gewerblich-industrielle Basisberufe gestaltet, die vornehmlich körperlich und mit den Händen arbeiten.

Man solle sich selbst treu bleiben, meinte Unseld, sich regelmässig reflektieren, sich seiner Stärken und Schwächen bewusst werden und sich bietende Chancen für Weiterbildungen nutzen. So sollte der Mensch auch in Zukunft Vorrang vor der Maschine haben.

Die Durchfallquote in den einzelnen Berufsgruppen schwankte zwischen 0% bei den Coiffeuren und Fachangestellten Gesundheit und fast 20% bei Gastrolernenden oder den Zimmerleuten, wo von 46 Prüflingen leider 9 die gesteckten Anforderungen nicht erfüllen konnten. Fairerweise muss auf die ganz spezielle Situation in den Gastrobetrieben hingewiesen werden, denn diese waren während der letzten 2 Jahre weitgehend geschlossen, so dass die Lernenden ihren Berufsalltag kaum hatten trainieren können. Bei den Besten gab es einzelne, die mit Noten um 5.5 brillierten, während die Spanne von 5.0 bis 5.5 dieses Jahr deutlich spärlicher vertreten war als in früheren Jahren.

Mittlerweile ist bekannt, dass sich für das Schuljahr 2022/2023 im Kanton St. Gallen 73% der Schulabgänger:innen für eine Berufsbildung entschieden haben. Eine markante Erhöhung der Maturitätsquote wird also noch eine Weile auf sich warten lassen.