«In der heutigen Zeit muss alles individuell sein. Auch das Lernen.» Das sagt Marco Frauchiger, Rektor am Berufs- und Weiterbildungszentrum Wil Uzwil (BZWU). Die Zeiten des Frontalunterrichts, als der Lehrer vor der Klasse stand, Lerninhalte vermittelte und die Schüler so viel wie möglich davon aufnehmen hatten, gehören für Frauchiger ja länger je mehr der Vergangenheit an. «Beim herkömmlichen Unterricht ist rund ein Drittel der Klasse unterfordert, ein Drittel überfordert und für ein weiteres Drittel passt es einigermassen. Die Effizienz bei dieser Lernform kann deutlich höher sein», sagt Frauchiger.

Freies Lernen mit Selbstverantwortung ist im Jahr 2020 angesagt. Zwar gilt für alle Schüler oder Kursteilnehmer das gleiche Lernziel. Der Weg dorthin ist aber frei wählbar. Und genau bei diesem Aspekt setzt die Lernlandschaft an, welche im BZWU in Wil die einstige Werkstatt ersetzt, dieser Tage fertiggestellt und ab dem neuen Schuljahr im August geöffnet sein wird. Die Rede ist von einem 350 Quadratmeter grossen, modern ausgestatteten Raum, der in verschiedene Bereiche unterteilt ist und 50 Lernenden Platz bietet. Dank Glasabtrennungen entstehen diverse Lernbereiche und die Lehrkraft oder der Kursleiter hat stets den Überblick.

Lehrer wird zum Coach

Und so funktioniert die Lernlandschaft Wil: Zuerst gibt es einen Lerninput. Danach machen sich die Schüler unter Anleitung auf den eigenen Weg, das Lernziel zu erreichen. «Man soll entdecken, ausprobieren, auch mal Fehler machen dürfen – und vor allem Entscheiden treffen lernen. Genau das braucht es danach auch in der Arbeitswelt», sagt Rektor Frauchiger. Der Lehrer tritt dabei eher als Coach und Lernorganisator auf denn als Vermittler einzelner Lernstoffe. «Das ergibt einen individuellen Lernprozess. Jeder macht etwas anderes. Das ist auch für die Schüler und Kursteilnehmer motivierender», sagt Frauchiger.

Somit geht das BZWU einen innovativen Weg. Zwar ist eine Lernlandschaft in der Pädagogik nicht gänzlich neu, auf Stufe Berufsschule und Weiterbildung laut Frauchiger aber noch eher selten. Nicht zum ersten Mal hat das BZWU damit eine Vorreiterrolle. Unmittelbar neben der Lernwerkstatt ist ein komplett eingerichteter Einkaufsladen, in welchem die angehenden Detailhändler lernen und Erfahrungen sammeln können. Auch das eine Eigenheit des Lerninstituts.

2600 Lehrlinge, 3000 in der Weiterbildung

Das Berufs- und Weiterbildungszentrum Wil Uzwil spricht 25 Berufe in den Bereichen Technik, Gewerbe und Dienstleistung an. 2600 Lehrlinge werden pro Jahr beschult und rund 3000 Teilnehmer sind jährlich im Bereich Weiterbildung eingeschrieben. 320 Mitarbeitende werden beschäftigt. «Wir wollen Bildung neu denken und sehen uns als Innovations-Förderer», sagt Marco Frauchiger, der seit mittlerweile elf Jahre Rektor des BZWU ist.

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Das BZWU in Wil nimmt einmal mehr eine Vorreiterrolle im Bereich Bildung ein.