Am Freitagabend tagte der Cäcilia-Kirchenchor der Christkönigspfarrei Niederuzwil zum letzten Mal. Das Haupttraktandum war die Auflösung des Chors. Mit dem Entscheid, Mitte Februar mit einem neuen Chorangebot unter dem Namen Chorkreis Uzwil zu beginnen, lag nebst der Wehmut auch Hoffnung in der Luft, weiterhin die Freude am Singen ausleben zu können. Esther Wild Bislin hat den Kirchenchor während der letzten Monate geleitet und sie hat sich der Aufgabe gestellt, den Chorkreis aufzubauen und zu leiten. Ohne Vereinsstrukturen.

Letzter offizieller Einsatz an Weihnachten

Es war ein schwieriges letztes Jahr für den katholischen Kirchenchor Niederuzwil. Nebst Dirigentenwechseln, die Unruhe brachten, musste auch die Erkenntnis wachsen, dass der Chor mit mehrheitlich pensionierten Menschen, teilweise unterbesetzten Chorstimmen und fehlender Aussicht auf Nachwuchs seiner Aufgabe nicht mehr gerecht werden kann. Die Zeiten von Orchestermessen beispielsweise, waren vorbei. Am Weihnachtstag hatte der Kirchenchor seinen letzten offiziellen musikalischen Einsatz, der trotzdem mit viel Freude geleistet wurde. Inoffiziell nahm der Chor anfangs Januar, zusammen mit Gastsängerinnen und -sängern, Abschied von ihrem ehemaligen Mitglied Jacques Steck, der bis 1998 25 Jahre lang Präsident gewesen war und sein vielfältiges Wissen besonders auf den Vereinsreisen eingebracht und seine Kameraden unterhalten hatte.


Der Chor startete mit 75 Mitgliedern

Die Geschichte des Cäcilia-Kirchenchors Niederuzwil beginnt mit der Einweihung der Christkönigskirche 1934. Damals gab es in Henau einen Cäcilia-Kirchenchor, der 1878 gegründet worden war. Die Niederuzwiler und Uzwiler trennten sich nach der Gründung der Christkönigspfarrei Niederuzwil von den Henauern und sangen von da an in einem Chor von 75 Mitgliedern in der neu erbauten Kirche. Der damalige Primarlehrer Leo Bruggmann leitete den Chor jahrelang. Er war auch Organist. Claudia Ehrler, ehemalige Präsidentin, schaute an der der letzten HV auf diese Zeit zurück, die sie noch von ihrer Mutter her kennt. Sie weiss auch, dass es für die damaligen Frauen eine der einzigen Möglichkeiten war, einer Freizeittätigkeit nachzugehen. Allerdings mussten sie nach der Heirat austreten. So komfortabel war jene Zeit, dass der Chor auf Mitglieder verzichten konnte. Heute ächzen die meisten Kirchenchöre unter den Nachwuchssorgen. «Sogar Solisten waren in den eigenen Reihen vorhanden», wusste Claudia Ehrler zu berichten. 

Donat Eigenmann prägte den Chor

Während einer ungewöhnlich langen Zeit von rund 40 Jahren hatte Donat Eigenmann den Kirchenchor geleitet. Er prägte den Chor mit seinem Stil und der Musikauswahl. Für viele Mitglieder bedeutete der Chor Heimat. Wie sehr, zeigte sich auch an der HV, als Jsabel Bernal als Interimspräsidentin die letzte HV leitete und zum letzten Mal langjährige Mitglieder ehrte. Guido Keller und Pia Weissgerber waren 50 Jahre dabei und sie werden auch im Chorkreis weitersingen. Hanspeter Baumgartner hielt 40 Jahre die Treue. Nach der Ära Eigenmann folgten Markus Fröhlich, Alwin Waldhoff, Elisabeth Gauch, Renate Schmid und zuletzt Arne Müller. Dorette Biedermann gab das Präsidium letztes Jahr nach zehn Jahren ab und sie erinnerte die Anwesenden an musikalische Höhepunkte, vor allem unter der Leitung von Renate Schmid, die den Chor mit der verschiedensten Literatur vertraut gemacht und ein vielseitiges Repertoire erarbeitet hatte. Die Dirigentenwechsel, die Austritte und die miteinander älter gewordenen Mitglieder führten nun zur Auflösung. Peter Falk, Kirchenverwaltungsrat, hat den Chor in der letzten Phase begleitet und zusammen mit einer Arbeitsgruppe aus dem bisherigen Chor und Esther Wild Bislin ein Konzept für den Chorkreis Uzwil erarbeitet. Er bedankte sich für die jahrelange musikalische Gestaltung der Gottesdienste. «Das war ein wichtiger Beitrag.» Auch Pfarreileiter Klaus Gremminger wünschte, dass die Freude an der Musik erhalten bleibe und die Freude ausstrahle, damit auch andere Lust bekämen, im Chorkreis mitzumachen.


Chorkreis Uzwil startet im Februar

Der Chorkreis Uzwil nimmt seine Proben am 14. Februar um 17 Uhr im Pfarreizentrum Uzwil auf. Eingeladen sind in erster Linie Sängerinnen und Sänger ab rund 60 Jahren aus der ganzen Region, die Freude am Singen von kirchlicher Musik haben. Aber auch andere sind willkommen. Der Chor wird Gottesdienste mitgestalten und Feiern in der ganzen Seelsorgeeinheit und projektartig arbeiten. Im ersten Projekt wird Literatur von Mozart und Haydn mit Orgel und Horn für den Oster-Festgottesdienst erarbeitet. Die Literatur wird entsprechend der Zusammensetzung gewählt. Die Freude soll stets im Vordergrund stehen und auch der gesellschaftliche Teil soll mit Anlässen und einer Jahreszusammenkunft gepflegt werden. Esther Wild Bislin leitet seit Jahren die Kirchenchöre Henau und Oberuzwil und sie verspürt Lust, den Chorkreis aufzubauen, neue Möglichkeiten auszuprobieren und auch die Zusammenarbeit mit den anderen Chören einzugehen.