Der neue Caterer der Stadt Wil ist der alte. Und dies, obwohl die Vergabe an eben diese SV Schweiz AG vor drei Jahren für viel Wirbel gesorgt hatte. Dieser mündete in eine parlamentarische Erklärung und es hagelte Kritik von verschiedenen Fraktionen. So wurde zum Beispiel bemängelt, dass das Essen aus zu grosser Distanz herangefahren wird – nämlich aus dem Baselbiet.

Das in Dübendorf domizilierte Unternehmen SV Schweiz AG obsiegte dieses Mal gegen drei andere Bewerber, die ebenfalls für den Wiler Mittagstisch hätten kochen wollen. Nicht erhört wurde der Wunsch nach einer «Wiler Lösung», welcher von Stadtparlamentarier Guido Wick (Grüne Prowil) eingebracht worden war. Auf die Frage, ob es Offerten aus der Region Wil gegeben hat, antwortet Andres Ulmann, Leiter des Departements Bildung und Sport der Stadt Wil, vage: «Es waren Offerten aus der weiteren und näheren Region dabei.»

Für Wick eine Frage des Willens

Wick hat keine Freude am Entscheid. Er kritisiert vor allem die Art der Ausschreibung und sagt: «Diese war auf Konzerne und grosse Firmen ausgerichtet.» Für ihn fehlt es dem Stadtrat an Willen, eine andere Lösung zu ermöglichen. Der Wiler Kantonsrat bemängelt weiter, dass bei der Ausschreibung der Preis mit satten 50 Prozent gewichtet worden ist. «So etwas erwarte ich von einem Amtsschimmel und nicht von einer innovativen Schule», sagt Wick. Die ganze Diskussion und das Wiler Catering ist für ihn mittlerweile ein «Hohn».

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Grünen-Stadtparlamentarier Guido Wick hält mit Kritik weiter nicht zurück. 

Der Stadtparlamentarier hatte im vergangenen Herbst im Namen seiner Partei eine Interpellation eingereicht und dabei mit Kritik nicht gegeizt. Bei der aktuellen Lösung mit SV Schweiz AG seien nicht nur die Transportwege viel zu lang, sondern es falle täglich sehr viel Kunststoff-Abfall an. Zudem gebe es ungünstige und zu grosse Verpackungseinheiten. Trotz der Anlieferung von fertigen Mahlzeiten sei der Aufwand für die Bereitstellung gross. Vor allem aber störte und stört Wick, dass kein lokales Unternehmen berücksichtigt worden ist.

Ohne Heimatschutz-Klausel

Den Vorwurf, sich nicht um eine lokale Lösung zu kümmern, lässt der Stadtrat nicht gelten. So hätten im Vorfeld der Ausschreibung verschiedene Kontakte mit lokalen Gastroanbietern stattgefunden. Eine von ihnen war die Thurvita. Jedoch sei eine generelle Bevorzugung von ortansässigen Anbietern nicht möglich. Eine Heimatschutz-Klausel gebe es nicht. Selber zu kochen stand nicht zur Diskussion, weil dies kein Kerngeschäft der Stadt beziehungsweise der Schulen sei. Die Standorte von Mittagstisch und Tagesstrukturen der Äbtestadt verfügten ferner nicht über die erforderliche Infrastruktur, um ganze Mahlzeiten vor Ort selber kochen zu können.

Zumindest bis Sommer 2022 wird somit der SV Schweiz für Wil kochen – und zwar für 182'000 Franken pro Jahr. Wurden dem Unternehmen Änderungen zur heutigen Situation auferlegt? «Wie alle Anbieter hat sich auch die SV Schweiz AG mit der Abgabe des Angebotes verpflichtet, den gestellten Anforderungen der Ausschreibung nachzukommen. Ein wesentliches Anliegen war, dass die Qualität und damit verbunden die ökologischen Aspekte der Lebensmittel einen entsprechenden Stellenwert in der Vergabe erfuhren», sagt Departementsvorsteher Ulmann.

Darum hat die Stadt Wil den Zuschlag an SV Schweiz AG verteilt.