Als vor vier Jahrzehnten die Jungwacht Lenggenwil gegründet wurde, galt ein Aspekt der Pflege kirchlicher und weltlicher Bräuche. So griff die Jungwacht den in der Innerschweiz seit Jahrhunderten gepflegten Brauch des Chlauseinschellens auf. Am Vorabend des ersten Adventsonntags säumten zahlreiche Familien mit Kindern die Strassenränder, um dem hohen Gast Sankt Nikolaus und seinen Begleitern einen würdigen Empfang zu bereiten. Nachdem das Postauto das Dorf durchquert hatte, wurde die Dorfbeleuchtung für den grossen Umzug der Jungwacht und der hohen Gäste ausgeschaltet. Die Turmbläsergruppe der Lenggenwiler Musig spielte zur Einstimmung auf dem Kirchhofgelände adventliche Melodien. Sie umrahmten auch die Ansprache von Bischof Nikolaus. Viele Zuschauer zeigten sich berührt von der einzigartigen Lichterstimmung und der festlichen Atmosphäre.


Symbolhafte Iffeln

Vom östlichen Dorfeingang her bewegte sich der Umzug durch die Dorfstrassen bis zum Kirchentreppenaufgang beim Primarschulhaus. Die weissgekleideten Iffelträger marschierten gruppenweise. Zwischen jeder Gruppe kamen die starken Männer der vier Einschellergruppen Eschenbach, Neckertal, Klein Rigi-Kradolf und Immenberg-Bissegg zum Zug. Die Scheller erzeugten mit ihren schweren Treicheln die urtümlichen, rhythmischen Klänge als Marschbegleitung. In der Dunkelheit leuchteten die farbenprächtigen Iffeln und die Fackeln der weiss gekleideten Jungwächtler, welche die Scheller und die Nikolausgesellschaft begleiteten. In unzähligen Freizeitstunden erstellten die Leiterinnen und Leiter der Jungwacht in den vergangenen Jahren die 32 Iffeln. Sie statteten die übergrossen Bischofsmützen mit christlichen Symbolen und weihnachtlichen oder weltlichen Motiven aus. Eine weitere, grosse Iffel wurde von vier Leitern getragen. Die prachtvollen Kunstwerke verdienten den Applaus der zahlreichen Zuschauer am Strassenrand.


Bischöfe, Schmutzli und Esel

Am Ende der langen Prozessionsschlange begleitete eine grosse Schar braun, rot oder schwarz gekleideter Schmutzlis den Tross mit den Bischöfen und dem heiligen Nikolaus. Eine Eselgruppe führte die gut gefüllten Chlausensäcke mit den köstlichen Knuspersachen mit. Nachdem der ganze Zug beim Schulhaus angekommen war, wurden die beleuchteten Iffeln auf der Kirchenmauer platziert. Bischof Nikolaus hiess von der Friedhoftreppe aus alle Beteiligten, die vielen Kinder und Familien sowie die Mitwirkenden herzlich zum traditionellen Anlass willkommen. Er richtete besinnliche Worte an die Kinder und Erwachsenen. Er dankte der Jungwacht, die ihm und seinen Begleitern einen so grossartigen Empfang bereiteten. Rund 60 Jungwachtkinder und 30 Leiterinnen und Leiter gestalteten den sehenswerten Empfang. „Die eindrücklichen, wunderbaren Iffeln und der stimmungsvolle Empfang mit Licht, Bildern und Wärme sind auch für mich herzerwärmend und berühren mich“, sagte er. Der Bischof stellte in seiner Ansprache die eigene Lebensgeschichte vor. Der heilige Nikolaus wurde im 3. Jahrhundert in Lykien in der heutigen Türkey geboren. Er verlor früh seine Eltern. Seinen geerbten Besitz verschenkte er den Armen, weshalb er als Wohltäter der Kinder gilt. Schon sehr jung wurde er zum Priester und später zum Bischof von Myra geweiht.


Feststimmung in der Mehrzweckhalle

Nach der besinnlichen Ansprache durften die Kinder vor dem Nikolaus oder seinen Helfern Sprüche aufsagen oder Liedlein singen. Sie wurden für ihren Mut und ihre Vorträge mit einem Chlausensack belohnt. Die Ehemaligen der Fasnacht Lenggenwil sorgten im Anschluss an den Empfang für einen fröhlichen Abend in der „Schellerstube“. Einmal mehr füllte sich die Halle bis auf den letzten Platz. Die Scheller trafen gruppenweise in der dekorierten Turnhalle ein und bewegten sich schellend durch das Publikum auf die Bühne. Das Serviceteam verpflegte die beteiligten Einscheller und bewirteten die zahlreichen Zuschauer mit Speis und Trank. Die „Greenhorn Brass“ unter der Leitung von Josef Meienhofer unterhielt mit einem Ständchen.