600 Jahre Niklaus von Flüe – 500 Jahre Martin Luther – Reformation, dies sollte, wenn Christen gemeinsam unterwegs sind, nicht unbeachtet bleiben in diesem besonderen Gedenkjahr 2017. Da in der Kirche „Halden“ St. Gallen, die Ökumene tatkräftig gelebt wird, fand die Andacht, gestaltet von den beiden Seelsorgepersonen Pfarrerin Greet Egli und dem Pfarreibeauftragten Rolf Tihanyi in dieser Kirche statt. Niklaus von Flüe und Luther standen im Mittelpunkt dieser ökumenischen Feier. Wer sich jedoch mit wem beschäftigen wird, darüber könnten die Reiseteilnehmenden wohl staunen!
Aussergewöhnlich ist auch, dass dort die Sekretärin, Christine Huber, sowohl für die katholische wie auch für die evangelische Kirchgemeinde tätig ist und dies in einem Kurzvortrag nach der Feier erklärte. – Nach diesem eindrücklichen Start tauchte man am Nachmittag mit der Greifvogelschau auf der Alp Malbun ein in eine andere Welt. Dass auch die Geselligkeit ihren Platz hatte, war selbstverständlich und wichtig.Es waren über 80 Personen, die sich ursprünglich zum gemeinsamen ökumenischen Seniorenausflug angemeldet hatten. Doch noch nie mussten vom Organisationsteam kurzfristig so viele Krankmeldungen entgegen genommen werden wie diesmal. So machten sich schliesslich 73 Personen aufgeteilt in zwei Cars auf die Reise. Das erste Ziel, die Kirche „Halden“ in St. Gallen war bald erreicht.

Ökumenische Gemeinde „Halden“ St. Gallen
Unter der Trägerschaft von evangelisch-reformiert Tablat St. Gallen und der katholischen Seelsorgeeinheit St. Gallen Ost besteht dort bereits seit 40 Jahren eine ökumenische Gemeinde. So konnte die Feier die eine Begegnung mit Bruder Klaus und Luther beinhaltete in einem besonderen Rahmen stattfinden.


600 Jahre Niklaus von Flüe – Bruder Klaus – was heisst das für uns?
Nicht der katholische Pfarreibeauftragte Rolf Tihanyi, nein es war die evangelische Pfarrerin, Greet Egli, die das bekannte Gebet von Bruder Klaus „Mein Herr und mein Gott, nimm alles von mir…“ vortrug und sich über diesen bekannten Mann Gedanken machte. Sie zog Parallelen zwischen Bruder Klaus und dem Reformator Luther und betonte den Mut beider Personen. Niklaus der erfolgreiche Bauer und Vater von 10 Kindern, zugleich Politiker – wie liess sich dies alles mit der inneren Überzeugung des Eins werden mit Gott verwirklichen?

Eine tiefe Lebenskrise und ein Ringen mit Gott um die Suche seines Lebensweges ging der Entscheidung voraus, die er in gegenseitigem Einverständnis traf, bevor er dem Ruf Gottes folgte und sich in den Ranft zurückzog.

Pfarrerin Greet Egli stellte die Frage was das für uns bedeute, da eine solch radikale Lebensumstellung eher nicht möglich sei. Die Pfarrerin betonte, dass auch wir herausgefordert seien, den Glauben an Gott in unseren Alltag einzubauen, Oasen der Besinnlichkeit zu suchen und zugleich kritisch und wach im Leben zu stehen. Gerade in der heutigen Zeit brauche es Mut die christliche Überzeugung glaubhaft zu leben und sich dazu zu bekennen. Was Bruder Klaus und Luther beide wollten war:
„Gott suchen und seinem Wirken Platz geben“. In diesem Sinne war Niklaus von Flüe bereits ein Vorläufer für die spätere Reformation.

Thema: „Freiheit“ – Das Programm in Luthers Namen
Bis zur Reformation hiess der Mann Martin Luder, erklärte der Pfarreibeauftragte Rolf Tihanyi. Erst danach nannte er sich Martin Luther, was besser klang als „Luder“, da das Wort in der deutschen Sprache nichts Gutes bedeute. Vor allem aber meinte der Reformator, in seinem Namen „Luther“ klinge das griechische Wort „eleutheria“an, d.h. in deutscher Sprache „Freiheit“. Martin Luther, der Befreite, der die Freiheit gewonnen und die „Freiheit eines Christenmenschen“ verkündet. Sein Name war zugleich „Programm“. - Die katholische Kirche sei damals alles andere als frei gewesen. Rolf Tihanyi betonte, Luther war wichtig und nötig um die katholische Kirche aus ihren Zwängen, Vorschriften und Angstmacherei zu befreien. Auch heute sei dieses Wort „Freiheit“ ein grosses Thema, nicht nur für Christen.
Er verwies auf die vielen Staaten wo Unfreiheit und Gewalt herrsche.

Als Christen und Christinnen seien wir immer Verbündete der Freiheit, auch der Politischen. Dabei verwies Rolf Tihanyi auf den 2. Korintherbrief wo es heisst: „ Der Herr ist der Geist. Wo aber der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit“. In erster Linie ging es Luther aber um die religiöse Freiheit. Kein Zwang im Glauben – kein religiöser Leistungsdruck – keine Rettung mit finanziellen Mitteln! Den Weg der Luther uns weise, heisse: Glauben. Auch hier stellt sich die Frage woher wir diesen Glauben nehmen? Rolf Tihanyi gab zu bedenken, dass Gottvertrauen und Offenheit nötig sind um Gottes Stimme zu hören. Zum Schluss rief er das Lied von Reinhard Max in Erinnerung und es ertönte:

Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein.
Alle Ängste, alle Sorgen, sagt man blieben darunter verborgen,
und dann, würde, was uns gross und wichtig erscheint,
plötzlich nichtig und klein.

Gelebte Ökumene in der Haldenkirche
Anschliessend an die Andacht informierte die Sekretärin Christine Huber, wie sich das Leben der ökumenischen Gemeinde Halden abspielt. – Fanden früher im gleichen Raum katholische und evangelische Gottesdienste statt, werden diese Feiern seit dem Jahr 2015 ökumenisch gestaltet. Dabei wird Wert gelegt auf eine Basis-Ökumene, eine Ökumene von unten, von der Erfahrung und Begegnung her. Nicht Reglemente stehen im Vordergrund, sondern das Suchen, einander Verstehen, Erspüren was nötig ist, Respektieren, Staunen über die Glaubenskraft der anderen.

Auch interkonfessionelle Verbindungen werden gepflegt, da auch die interreligiöse Ökumene von unten wachsen soll durch gegenseitiges Kennenlernen und Wertschätzen. – Damit wird dem Wunsch Jesu „Alle sollen eins sein“ näher gekommen. Christine Huber gab einen interessanten Einblick in ihre Arbeit als Sekretärin beider Konfessionen. – Peter Link, Organisator Evang. Kirchkreiskommission, drückte seine Bewunderung aus und dankte der Sekretärin. Zugleich wies er hin auf die Wichtigkeit des gemeinsamen Weges und meinte, dass dies ein Zukunftsmodell sein könnte, insbesondere in einer Zeit wo Kirchenaustritte immer häufiger werden.

Besuch Alp Malbun und Greifvogelshow
Beeindruckt vom Gehörten ging die Fahrt nun einem weiteren Ziel entgegen, der Alp Malbun. Während der Fahrt regnete es in Strömen, auch Nebel gehörte dazu und auf der Alp Malbun hiess Schnee die Reisenden willkommen. – Die Teilnehmenden genossen vorerst das feine Mittagessen. Dachte man nun wie schade es doch sei, dass die Greifvögel bei diesem Wetter nicht fliegen können, wurde man bald eines Besseren belehrt. – Der Falkner trug die Greifvögel ins Restaurant, ein inländischer Uhu, ein sehr seltener Grönland-Falke und ein riesiger inländischer Steinadler.

Der Falkner vermittelte auf interessante und spannende Weise viel Wissenswertes über diese Tiere. Man erfuhr, dass der 5 kg-schwere Uhu täglich 30% des Körpergewichtes, also 1.5 kg Fleisch benötigt. Die weisse Farbe des Falken aus Grönland mache ihn in der Luft unsichtbar. Die Tiere werden auch zur Jagd auf Krähen gebraucht, haben die Bauern im „Ländle“ doch einen kostenfreien Vertrag, wenn ihre Felder heimgesucht werden, nach dem Motto der Tiere: „Sieh die Dinge wie sie sind“. Auch an Flughäfen werden solche Tiere eingesetzt, da Schwärme von Vögeln auch für Flugzeuge gefährlich werden können. An das Lied von Reinhard May: „Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein…“ erinnerte auch der Falkner, dies aber in ganz anderer Absicht da diese Freiheit nur von den Greifvögeln genossen werden kann.

Die Zeit von ca. 50 Minuten verstrich im Nu, noch lange hätte man den Geschichten des
Falkners, der mit den Tieren eine spezielle Beziehung pflegt zuhören mögen.
Es wurde Zeit für den Heimweg, zu dem nun auch die Sonne ihre Strahlen sandte.


Geschichtliches und Aktuelles zur ökumenischen Gemeinde Halden
1970 gemeinsamer Kauf einer Landparzelle
Kath. und evang-reformierte Kirchgemeinde

1972 Errichtung und Einweihung des evang-ref.
Pfarrhauses und des kath. Pfarrvikariats Achslen

1975 Provisorische gemeinsame Johanneskirche

1986 Einweihung der neuen, jetzigen Kirche

Die Kirchgemeinde wird durch eine Betriebskommission
verwaltet, die sich aus Leuten beider Konfessionen
zusammensetzt.

Der finanzielle Aufwand der Kirchgemeinde wird je zur
Hälfte von der kath. und evang. Kirchgemeinde
getragen.