Schon beim Amtsantritt war für Christoph Baer klar, dass die Aussage, in Uzwil sei nichts los, nicht stimme. In Uzwil laufe viel, aber viele wüssten gar nicht, wo was los sei. Dennoch sah er seine Aufgabe nicht einfach darin, einen Veranstaltungskalender zu erstellen.

hallowil.ch: Herr Baer, fünf Jahre haben Sie sich nun um Kulturförderung bemüht. Welches waren ihre wichtigsten Erfolge?
Einer der grössten Erfolge war sicher die Organisation des Beach Battles. Der Anlass ging aus einem Wettbewerb hervor, in welchem Vorschläge für neue kulturelle Aktivitäten in Uzwil gemacht werden konnten. Statt dem angeregten Beachvolleyball-Turnier resultierte schliesslich ein dreitägiges Turnier. In vier Sportarten messen sich auf drei neuen Sandplätzen rund 300 Sportler in 50 Gruppen. Besonders hervorheben möchte ich, dass es gelungen ist, die Verantwortung für das Turnier nach drei Veranstaltungen an einen Verein zu übertragen.

hallowil.ch: Und sonst?
Erfolgreich war auch die Neulancierung des Uzwiler Frühlingsmarktes. Dieser Anlass entwickelt sich von der Zahl der Aussteller und der Besucher her positiv und sieht der fünften Durchführung entgegen. Mir als Kulturbär machen die diversen Einzelberatungen besonders Spass. Ich bin in den fünf Jahren von vielen Veranstaltern eingeladen worden, ihre Projekte beratend zu begleiten. Es handelte sich unter anderem um Sportprojekte, kirchliche Veranstaltungen und Jugendarbeit. Dies gab mir gute Einblicke ins Wirken von Vereinen und ermöglichte mir, ein grosses Kontakt- und Beziehungsnetz aufzubauen.

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Jedes Jahr wird auf vier Beachvolleyballfeldern - drei davon neu erstellt - der Beach Battle durchgeführt.

hallowil.ch: Anlässe müssen aber auch bekannt sein, sonst fehlen Besucher.
Ganz wichtig ist in diesem Zusammenhang die Realisierung der Kulturagenda. Wir gehen mit ihr ins dritte Jahr. Sie stellt aus meiner Sicht eine Weichenstellung dar. Sie ist eine Zusammenfassung des Uzwiler Kulturlebens auf einer einzigen Plattform, sowohl digital, als auch in gedruckter Form. Überdies ist sie eine flächendeckende regionale Kulturagenda, weil auch Oberuzwil und Oberbüren einbezogen sind und mitmachen. Sobald Behörden im kulturellen Bereich aktiv werden, stossen sie an den Gemeindegrenzen an. Dem kulturellem Nutzer aber sind die Gemeindegrenzen egal. Sein lokaler Radius ist gut und gerne 10 bis 20 Kilometer, regional geht er oft weit darüber hinaus.

hallowil.ch: Was waren die Enttäuschungen? 
Wer etwas wagt, nimmt in Kauf, dass nicht alles gelingt. Weil die bisherige Form der Neuzuzügerbegrüssung das erwünschte Echo nicht mehr fand, haben wir eine neue Form versucht. Die Begrüssung sollte nicht mehr an einem einzigen Anlass erfolgen, sondern die Neuzugezogenen nach Interessengruppen erfasst und angesprochen werden. Die verschiedenen Zielgruppen wurden beispielsweise ans Beach Battle, an den Frühlingsmarkt oder ans Schwingfest eingeladen. Dieses Konzept hat sich nicht bewährt, und wir haben es wieder aufgegeben.

hallowil.ch: Gibt es weitere Hürden?
Immer wieder als schwierig erweist sich das Bewilligungsverfahren für Veranstaltungen, sowohl für Organisatoren von Veranstaltungen, als auch für die zuständigen Bewilligungsstellen. Die gesetzlichen Anforderungen, Reglemente und Vorschriften werden immer umfangreicher. Die Organisatoren müssen Verständnis für die Notwendigkeit von Regelungen aufbringen, von den Behörden werden Erlasse mit Augenmass gewünscht.

hallowil.ch: Es gab und gibt ein grosses mehr oder weniger genutztes kulturelles Angebot, das ohne Kulturbär vonstatten geht. Wie nehmen Sie dieses wahr?
Diesbezüglich passiert viel Wertvolles. Dass manches schlecht genutzt wird, liegt unter anderem daran, dass das Angebot immer grösser und auch der Aktionsradius der Nutzer immer grösser wird. Dies und die mangelnde Bereitschaft, sich in die Pflicht nehmen zu lassen, machen es für viele Vereine schwierig, neue Mitglieder zu finden. Ich sehe eine grosse Chance in Kooperationen und unterstützt alle Bestrebungen, wo zwei oder mehrere zusammengehen. Beispiele dafür sind die Integration des Raiffeisenplatzes in den nächsten Frühlingsmarkt. Beim Crossroad-Festival im kommenden Sommer werden die Kirchgemeinden überkonfessionell und über Gemeindegrenzen hinaus zusammenspannen. Grundsätzlich erachte ich es als sinnvoll, aus drei kleinen Veranstaltungen eine grosse zu machen und die Kräfte zu bündeln.