Christoph Koenig wohnt in Aarau, ist 48 Jahre alt, ledig, parteilos. Er ist diplomierter Geograf, war Meteorologe bei MeteoNews, Lehrer an den Kantonsschulen in St. Gallen und Wil, pädagogischer Leiter am Colegio Helvetia de Bogota in Kolumbien und Gemeindeschreiber in Staffelbach AG. Er strebt eine 100-Prozent-Anstellung an.

hallowil.ch: Herr Koenig, warum bewerben Sie sich gerade in der kleinen Landgemeinde Niederbüren um das Gemeindepräsidium, und warum in Vollzeit?

Meine letzte Tätigkeit als Gemeindeschreiber erfolgte in einer ähnlich grossen Gemeinde. Insofern könnte ich diesbezüglich von meinen Erfahrungen profitieren. Da das Amt eines Gemeindepräsidenten sehr komplex und anspruchsvoll ist, gewährt eine Gemeinde in der Grösse von Niederbüren eine gewisse Übersichtlichkeit, was hilfreich ist. Da ich keine weiteren politischen Verpflichtungen habe, kann ich der Gemeinde in Vollzeit zur Verfügung stehen. Das hilft die Verwaltungsabläufe schlank zu halten.

hallowil.ch: Wie gut kennen Sie Niederbüren?

Immer besser. Die bisherigen Kontakte zur Bevölkerung gestalteten sich durchwegs sehr angenehm. Die Gespräche sind anregend und von Wohlwollen geprägt. Dank der netten „Bhaltis“ nach den Auftritten konnte ich mich auch davon überzeugen, dass in Niederbüren hervorragende landwirtschaftliche Produkte hergestellt werden. Diese zu geniessen ist eine grosse Freude.

hallowil.ch: Niederbüren wirbt gegenwärtig auf mit Bildern vom Leben in der gesunden Natur, vom Freizeitpark, vom Rock- und Popmuseum, vom Textilmuseum und von der alten Herberge. Wird damit ein abgerundetes Bild der Gemeinde vermittelt?

Dies ist sicherlich ein ganz wichtiger Teil, der Niederbüren zu einem attraktiven Wohnort macht. Nicht vergessen werden darf, dass Niederbüren auch über namhaftes Gewerbe verfügt, insofern auch einen wichtigen Beitrag zum Werkplatz Ostschweiz leistet. Die Verbindungsstrasse von Oberbüren nach Bischofszell stellt in den Stosszeiten natürlich eine gewisse Verkehrsbelastung dar, anderseits ist sie aber auch eine wichtige Lebensader und macht Niederbüren zu einem geeigneten Standort für das Gewerbe. Dieses interessante Nebeneinander von Natur und Wirtschaft könnte allenfalls noch stärker zum Ausdruck gebracht werden.

hallowil.ch: Wo sähen Sie bei einer Wahl Ihre Gestaltungsschwerpunkte?

In den Bereichen nachhaltiges Bevölkerungswachstum, Ansiedlung von Gewerbe und Sicherstellen von Wohnraum für alle Altersgruppen. Schön wäre, wenn es gelänge, eine medizinische Erstversorgung im Dorf sicherzustellen. Die Alterung der Gesellschaft muss in die Überlegungen einfliessen. Wichtig ist, dass es gelingt, den positiven (sinkenden) Trend beim Steuerfuss aufrecht zu erhalten, sodass sich Niederbüren als attraktiven Wohn- und Arbeitsort positionieren kann. Ich möchte dabei aber darauf achten, dass dies nicht auf Kosten des Unterhalts der Infrastruktur geht. Schliesslich ist es mir ein Anliegen, dass Mütter ein adäquates Angebot für die familienergänzende Kinderbetreuung haben, sodass sie ihre beruflichen Wünsche verwirklichen können. Da ich mich in einem Vollpensum zur Verfügung stelle, obläge mir auch das Personalwesen in der Verwaltung. Wichtig ist mir für zeitgemässe Arbeitsbedingungen zu sorgen, die Mitarbeitenden zu fördern und zu befähigen, mit den laufend steigenden Ansprüchen zurecht zu kommen, sodass die Verwaltung bestmögliche Dienstleistungen anbieten kann.

hallowil.ch: Niederbüren verfügt über einen beliebten Minigolfplatz und einen exklusiven Golfplatz, beide zum grossen Teil von Auswärtigen frequentiert. Ihre Stellung dazu?

Ich nehme das zur Kenntnis, erachte es aber primär als Aufgabe des Eigentümers, vermehrt Einheimische anzusprechen, sofern dies seinem Wunsch entspricht. Es ist seiner Fantasie überlassen, mit geeigneten Massnahmen mehr Niederbürerinnen und Niederbürer anzulocken. Weshalb nicht mit einem Wettbewerb „der treffsicherste Niederbürer gewinnt einen Golfball aus Gold“?

hallowil.ch: Welchem Verein würden Sie – am ehesten – beitreten? Ihr Beitrag zum Gemeindeleben? Ihre Stellung im Gemeindeleben?

Ich bin seit 25 Jahren Paten-Mitglied im Verein Obstsortensammlung Roggwil. Überall, wo man in der Natur Hand anlegen kann, gefällt es mir. Insofern wäre ein Mittun im Verein der Weinfreunde eine Option. Ebenso in einem Verein, wo man wöchentlich Unihockey spielen kann. Das tue ich nämlich sehr gerne, und es hilft der Gesundheit. Eine Unterstützung der Vereine, welche die beiden wichtigen Museen unterhalten, erscheint mir als Zeichen der Wertschätzung wichtig zu sein. Ansonsten verstehe ich meine Aufgabe als Gemeindepräsident vor allem darin, sicherzustellen, dass die Gemeindeverwaltung bei Anliegen der Vereine eine kooperative und unkomplizierte Art an den Tag legt.

hallowil.ch: «Wenn Sie in der Politik etwas gesagt haben wollen, wenden Sie sich an einen Mann. Wenn Sie etwas getan haben wollen, wenden Sie sich an eine Frau.» Ihr Kommentar zu diesem Zitat von Margaret Thatcher.

Ich bin vorsichtig mit solchen Pauschalisierungen. Selber habe ich in meiner beruflichen Laufbahn auch schon das Gegenteil erlebt. Schaue ich mir die Welt im globalen Massstab an, so leisten Frauen vielerorts unter schwierigsten Bedingungen hervorragende Arbeit, während mit den Männern oft kein Staat zu machen ist. Meiner Ansicht nach sind in unserem Kulturkreis nach Geschlecht ausgewogen zusammengesetzte Teams am erfolgreichsten unterwegs.

hallowil.ch: «Es ist eine alte Wahrheit, dass man in der Politik oft vom Gegner lernen muss.» Würden Sie diese Aussage von Lenin unterschreiben?

Nelson Mandela sagte: „Ich verliere nie, entweder gewinne ich, oder ich lerne dazu“. Das schliesst den politischen Gegner mit ein. Insofern hat die Aussage sicherlich ihre Berechtigung. Wichtig erscheint mir, dass man jederzeit authentisch und integer bleibt. Die Menschen merken nämlich rasch, wenn man sich verstellt, und dann stellt sich der Erfolg nicht ein.

hallowil.ch: Was kann Ihre Mitbewerberin besser als Sie?

Unzweifelhaft eine Drogerie führen. Ansonsten masse ich mir nicht an, diese Frage beantworten zu können. Die Bevölkerung von Niederbüren wird diese Frage am 19. Mai beantworten.

hallowil.ch: Auf einen kurzen Nenner gebracht: Wieso sollen die Niederbürer trotzdem Sie wählen?

Ich würde mich in einem Pensum von 100 Prozent für Niederbüren einsetzen. Für mich spricht mein Pragmatismus, meine Verlässlichkeit und meine Integrität, zudem meine breite berufliche Erfahrung als Gemeindeschreiber, Lehrer, Schulleitungsmitglied und Meteorologe.

Es folgen in den nächsten Tagen weitere Artikel mit den Porträts von Caroline Bartholet und Jürg Caluori.