Beat und Ursula Roggensinger, lebten während zehn Jahren in einer kleinen Inlandstadt im Bundesstaat Piaui, im Nordosten von Brasilien. Für den Vergleich: Colônia do Gurguéia hat weniger Einwohnerinnen als Eschlikon (4564, Ende Dezember 2020). «Wir sahen damals das Bedürfnis einer besseren Bildung, weil wir wussten, dass Bildung der Schlüssel zu besserem Leben ist», sagt Beat Roggensinger. 

«1995 begannen wir mit der 1. Klasse und bauten dann jedes Jahr eine weitere Klasse auf. Bald bemerkte die ganze Bevölkerung, dass die Kinder in unserer Schule das Lesen und Rechnen viel schneller erlernen. Selbst die Lehrerinnen und Lehrer, sowie die Schulleiter von den staatlichen Schulen, schickten ihre eigenen Kinder zu uns. Da in Brasilien nur Privatschulen wirklich erfolgsversprechend unterrichten, macht diese einzige Privatschule der Stadt den Unterschied im Bildungswesen aus», erklären die Roggensingers. Die Stadt sei ungemein stolz auf diese Privatschule und so erhielt das Paar aus Eschlikon das Ehrenbürgerrecht zugesprochen.

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Ursula und Beat Roggensinger aus Eschlikon lebten selber 30 Jahre lang in einer der ärmsten Region Brasiliens. Heute noch sammeln sie täglich Spendengelder, ohne diese ihre aufgebaute Schule keine Zukunft hätte. Bild: Christoph Heer

Spendengelder aus dem Hinterthurgau

Dass die Schule überhaupt gebaut werden konnte, sei nur dank der Grosszügigkeit aus dem Hinterthurgau möglich gewesen. «Die Schule wurde durch Spendengelder aus der Schweiz, namentlich aus Eschlikon und Sirnach, aufgebaut. Selbst die Politische Gemeinde Eschlikon trug 1'000 Franken bei, was ganz wesentlich war. Das ganze Gebäude zu bauen kostete damals nämlich rund 25'000 Franken, dazu kommt noch viel mehr Geld, welches wir schon zur ganzen Planung investiert haben», sagt Beat Roggensinger.

Und dann ein Jahr lang Lockdown

Vor einigen Tagen erreicht ein Hilferuf des dortigen Schulleiters, die Roggensingers in Eschlikon. «Das hat er in all den Jahren zuvor noch nie gemacht, umso erstaunter waren wir ob dem Hilferuf. Der Grund dafür liegt darin, dass sie in Brasilien ein ganzes Jahr lang einen Lockdown hatten. Das hat schwerwiegende Konsequenzen nach sich gezogen. Jetzt ist die Schule zwar wieder geöffnet, aber wegen den Restriktionen können die Schulsäle nur zur Hälfte besetzt werden. Davon sind 20 Prozent der Schüler mit einem Stipendium der Schule. Das Geld fehlt mittlerweile an allen Ecken und Enden. Geräte und Möbel müssten repariert oder ersetzt, Material gekauft und Löhne bezahlt werden. Die Löhne wurden schon vor längerer Zeit, um bis zu einem Viertel gekürzt, was extrem einschneidend ist. Die Meisten sind auf jeden Batzen angewiesen, denn sie haben kein weiteres Einkommen.»

Kurz vor der Schliessung

Kürzlich unterstützten Beat und Ursula Roggensinger die Schule erneut mit einem finanziellen Zustupf in der Höhe von 2000 Franken, ohne dass der ansässige Schulleiter davon vorgängig in Kenntnis gesetzt wurde. «Dieser rechnete wie schon zuvor jeweils mit roten Zahlen. Aber dank den 2000 Franken durfte er etwas aufatmen. Er hatte tatsächlich an die Totalschliessung der Schule gedacht», sagt Beat Roggensinger. Nun hofft er auch, auf diesem Weg wieder einige Spendengelder sammeln zu können, denn ohne diese gehe die ganze Bildung in dieser Stadt im Nordosten Brasiliens zugrunde.

«Jede Spende wird vollumfänglich unserer Schule überwiesen, zum Wohl der dortigen Kinder», sagt Roggensinger, der rund 30 Jahre lang vor Ort gelebt hat.