Seit Monaten hält das Coronavirus unsere Welt auf Trab. Trotzdem ist die Erkrankung genauso schwer zu fassen, wie in Schach zu halten. Grund für diesen Zustand ist nicht zuletzt auch die Vielzahl an Symptomen – während die einen Patienten kaum etwas von einer Infektion merken, erkranken andere schwer. Die Krankheitsverläufe scheinen so individuell wie die Menschen zu sein und stellen deshalb Wissenschaftler vor ein riesiges Rätsel. Doch wie fühlt es sich also nun an, «Covid-19 zu haben»? «Meine Frau liegt seit bald einer Woche, also seit dem Testergebnis, flach im Bett», berichtet Franklin Munishi. Sie war die Erste in der Familie, die ein positives Testergebnis in der Hand hielt. Sie hat gleich mehrere Symptome: Schmerzen in der Brust, Muskelschmerzen am ganzen Körper, hohes Fieber und trockener Husten. Anfang der Woche waren auch die Testergebnisse der vier Kinder positiv. Sie alle haben die gleichen Symptome: verlorener Geschmacks- und Geruchsinn. «Bei den Kindern hat das Coronavirus nicht so heftig zugeschlagen», erzählt der Wiler CVP-Präsident. Während des Telefongesprächs hustet er oft. Seine Stimme klingt angeschlagen und schlapp. Er redet langsam, so als sammle er seine ganze Kraft für das Gespräch. «Kaum zu glauben, aber mein Test ist am Dienstag tatsächlich negativ ausgefallen», berichtet Munishi. Kantonsärztin Danuta Zemp hat der ganzen Familie angeordnet, nun zehn Tage – also bis zum 21. Oktober – in die Quarantäne zu gehen.

In einem Haushalt: Fünf positive Tests, ein negatives

Dass die Coronatests seiner Ehefrau und seiner vier Kinder positiv ausgefallen seien, sein Test aber negativ, könne sich Munishi nicht erklären. «Hätte ich diese Symptome nicht, würde ich auch nicht am Testergebnis zweifeln», betont der Politiker. Er leidet auch unter einem trockenen Husten und vor allem Kopfschmerzen. «Und kein Medikament hilft wirklich, mein Kopf brummt die ganze Zeit», berichtet er. Deshalb sei er felsenfest davon überzeugt, dass er ebenfalls an Covid-19 erkrankt und sein Coronatest-Resultat einfach nur falsch sei. Gerade, weil man immer von den Mindestabständen rede. «Ich meine, wir leben alle zusammen in einem Haus – es leuchtet mir nicht ein, dass ich trotz Symptomen als Einziger in der Familie kein Corona habe», betont er.

Aufgrund seiner Erfahrung mit dem fragwürdigen Testergebnis geht Munishi davon aus, «dass die Dunkelziffer mit infizierten Patienten noch viel höher ist». Er würde sich nie anmassen, irgendwelche Zahlen zu nennen. Bereits vor einem Monat seien bei ihm ähnliche Symptome aufgetreten. Vor vier Wochen hat sich der Familienvater also ebenfalls testen lassen. Auch hier das Testergebnis: negativ. Danach sei er seiner beruflichen Tätigkeit normal nachgegangen. Nun skann ich Munishi vorstellen, dass er trotzdem vor einem Monat das Coronavirus hatte und bereits beim ersten Mal ein falsches Testergebnis bekommen hatte. «In der Grippenzeit bin ich sonst nie krank und dieses Jahr hat es mich besonders erwischt», sagt er. Deshalb könne er sich gut vorstellen, dass er «als Superspreader» seine ganze Familie angesteckt habe.

Appell an die Bevölkerung

Nun warnt der Wiler CVP-Präsident davor, auch negative Coronatest-Ergebnisse auf die leichte Schulter zu nehmen. «Was wenn eine Person ein negatives Ergebnis hat, aber trotzdem infiziert ist und nichts ahnend in Kontakt mit anderen Menschen tritt?», fragt Munishi. Genau das sei in der aktuellen Lage mit den stetig steigenden Zahlen an Infektionen besonders fatal. Auch er könne nur mutmassen, was es mit seinem Coronatest-Ergebnis wirklich auf sich habe. «Ich appelliere an die Menschen, dass sie gerade jetzt auch mit Coronatest-Resultaten vorsichtig umgehen und sich bei Symptomen vorsichtshalber zumindest Abstand halten, wenn nicht sogar sich selbst isolieren», so Munishi.