Für gewöhnlich haben gewählte Kantonsräte fast schon eine Garantie, dass sie wiedergewählt werden. Bei der CVP Wil-Untertoggenburg ist dies beim Wahlgang am 8. März 2020 aber alles andere als sicher. Denn die Ausgangslage präsentiert sich so: Die vier bestehenden Kantonsräte Bruno Cozzio (Henau), Ernst Dobler (Oberuzwil), Cornel Egger (Oberuzwil) und Josef Sennhauser (Rossrüti) treten wieder an. Allerdings machen unter den bisher 18 weiteren Kandidaten – die Partei tritt mit zwei Listen an – gleich mehrere Personen ernsthafte Ansprüche geltend – auch wenn sie es gegen aussen nicht so kommunizieren.

Drei Gemeindeoberhäupter wollen neu gewählt werden. So etwa die Wiler Stadtpräsidentin Susanne Hartmann. Was sie zu ihrer zweiten Kantonsrats-Kandidatur – die erste liegt ein ganzes Weilchen zurück – zu sagen hat, sehen Sie im untenstehenden Video-Interview. Im Gegensatz zur Parteileitung spricht sie von einem fünften Sitz, den man gewinnen möchte. Es kandidiert auch Monika Scherrer, Gemeindepräsidentin von Degersheim. Bei ihr ist es bereits der dritte Anlauf Richtung Pfalz – wobei die ersten beiden wie bei Hartmann schon länger zurückliegen. Auch der Uzwiler Gemeindepräsident, Lucas Keel, stellt sich zur Wahl. Er dürfte keineswegs chancenlos sein, zumal er im kommenden Frühjahr aller Voraussicht nach auch das Präsidium der «Regio Wil» übernehmen wird und so weitere Bekanntheit erlangt.

Im Video: Susanne Hartmann begründet ihre Kandidatur

 
"Ich will die Stadt und Region Wil im Kantonsrat vertreten können, wenn die CVP einen fünften Sitz macht", sagt Wils Stadtpräsidentin Susanne Hartmann im hallowil.ch-Interview.

Sennhauser auf dem Schleudersitz

Diese Ausgangslage ergibt interessante Gedankenspiele. So ist zum Beispiel vorstellbar, dass die CVP Wil-Untertoggenburg lauter Gemeindevorsteher in den Kantonsrat entsendet. Dann nämlich, wenn Egger, Keel, Hartmann und Scherrer gewählt werden. Realistisch ist dies freilich nicht, da Cozzio gesetzt scheint. So ist vorgesehen, dass der Revierförster kommendes Jahr das Präsidium des Kantonsrates übernimmt.

Schon eher vorstellbar ist, dass lauter Vertreter der Gemeinden Uzwil und Oberuzwil in die Pfalz entsendet werden. Das wäre der Fall, wenn Cozzio, Dobler und Egger wiedergewählt werden und Keel neu dazukommt. Josef Sennhauser scheint auf dem Schleudersitz zu sein, da er erst vor zwei Jahren nachgerutscht ist. «Ich nehme es, wie es kommt», sagt der Landwirt.


Vier Gemeinden noch nicht vertreten

Spannend ist auch die Frage, wer sich für den Regierungsrats-Wahlkampf aufstellen lässt. Aus dem Wahlkreis Wil werden die Namen Susanne Hartmann und Monika Scherrer immer wieder genannt. Beide wollten sich am Mittwochabend aber noch nicht in die Karten blicken lassen. Die CVP wartet zuerst einmal ab, ob ihr Kandidat Benedikt Würth auch effektiv den Sprung in den Ständerat schafft. Der zweite Wahlgang, bei dem Würth als Kronfavorit antritt, steigt am 17. November. In den Tagen danach wird die Kantonal-CVP entscheiden, wen sie ins Rennen um Würths Nachfolge im Regierungsrat schickt.

Zurück zum Kantonsratswahlkampf in der Region Wil: Die CVP hat zwar bereits 22 Kandidaten – 15 Männer und 7 Frauen im Alter zwischen 22 und 65 Jahren. Diese wohnen aber alle in den Gemeinden Wil, Uzwil, Oberuzwil, Flawil, Degersheim und Niederbüren. Das heisst: Zuzwil, Jonschwil, Niederhelfenschwil und Oberbüren sind noch nicht vertreten. Allerdings endet die Meldefrist erst am 6. Januar 2020 – und für den 21. November ist eine zweite Nominationsversammlung anberaumt. Das offizielle Ziel der CVP Wil-Untertoggenburg lautet: 4 Sitze und die 20 Prozent Wähleranteil halten.

Die Namen:

Sie wollen für die CVP Wil-Untertoggenburg in den Kantonsrat: Bruno Cozzio (bisher), Ernst Dobler (bisher), Cornel Egger (bisher), Josef Sennhauser (bisher), Christopher Bauer, Pascal Bossart, Markus Burtscher, Manuel Cozzio, Renate Graf, Marius Grämiger, Susanne Hartmann, Annik Hasler, Christoph Hürsch, Orell Imahorn, Lucas Keel, Brigit Keller-Hürlimann, Urs Mäder, Valentina Munishi, Monika Scherrer, Philipp Schönenberger, Renaldo Vanzo, Christine Wirth.