Die Kommandos der Feuerwehr Sirnach und der Region Münchwilen prüfen eine Zusammenführung. Diese gibt es auch in anderen Regionen, beispielsweise in Uzwil. Holt man sich da entsprechende Erfahrungswerte ein?

In der Analysephase wurden die Feuerwehren Sicherheitsverbund Region Gossau, die Feuerwehr Region Uzwil, Kirchberg sowie die Region Münchwilen besichtigt und analysiert. Dabei wurde unter anderem diverse Punkte wie Infrastruktur, Rechtsform, Probleme vor, während und nach dem Zusammenschluss, Kulturen, Ausrückordnung und das Finanzierungssystem geklärt. Die Besuche dauerten jeweils zwischen drei bis fünf Stunden.

Sie sprechen es gleich an: Für die Abklärungen und Ausarbeiten sind bereits heute über 500 Arbeitsstunden geleistet worden. Wo bestehen die grossen Herausforderungen bezüglich der Planung, was das Ganze so aufwendig macht?

Ein solches Projekt muss für die Gemeinden, die Organisationen, die Gebäudeversicherungen und die Angehörigen der Feuerwehr mehr Vorteile als Nachteile bringen. Damit das Projekt nicht Schiffbruch erleidet, muss die Analysephase sehr viele Punkte detailliert abklären. Ziel ist es, dass die Projektgruppe alle relevanten Details korrekt und fundiert aufzeigen kann, damit die weiteren Phasen weiterarbeiten können. Die Analysen der beiden Organisationen beinhalten sehr viele Punkte – wie beispielsweise das Brainstorming pro Kaderstufe, die Gespräche mit Anspruchsgruppen, die Stundenaufwände der Kommandomitglieder, die Prüfungen der verschiedenen Rechtsformen auf Vor- und Nachteile oder das Gegenüberstellen der verschiedenen Feuerwehren mit ihren Vor- und Nachteilen.

Und dennoch gibt es viele Vorteile. Welche sind für Sie die bedeutendsten?

Einerseits sicherlich die Entlastung der Kommandos im administrativen Bereich. Die Einsatzerfahrung wird für alle Angehörige der Feuerwehr gesteigert, die Tagesverfügbarkeit erhöht, die Fachbereichsleiter werden in Bezug auf Materialwartung und Beschaffung entlastet. Aber auch die finanzielle Entlastung der Gemeinden durch weniger Fahrzeuge oder der besseren Auslastung ist nicht ausser Acht zu lassen.

Nachwuchsprobleme, sinkende Einsatzzahlen – es gibt derzeit viele Herausforderungen. Könnten die Feuerwehren denn überhaupt noch in dieser Form bestehen bleiben, wie sie sich heute präsentieren?

Das Milizsystem der Feuerwehr, wie es heute in den meisten Fällen organisiert ist, im geforderten Qualitätsanspruch zu führen, wird künftig sehr anspruchsvoll sein. Die administrativen Aufgaben werden immer höher, die Qualitätsansprüche an die Material-, Fahrzeug- und Infrastrukturaufgaben steigen stetig an. Finanzielle künftige Ausgaben müssen gut überlegt sein. Die Bereitschaft oder Möglichkeit zum freiwilligen Feuerwehrdienst sinkt. Wir sprechen hier von einer Teilprofessionalisierung: Die administrativen Aufgaben sollen professionalisiert und die einsatztechnischen weiterhin durch das Milizsystem ausgeführt werden. Somit kann mit einem Mittelweg langfristig das Milizsystem gestärkt werden, da die Kaderaufgaben durch die administrative Entlastung an Attraktivität gewinnen.

Anfang 2023 können auch die anderen Feuerwehren die Möglichkeit erhalten, sich an der Organisationsüberprüfung zu beteiligen. Haben sich bereits einige interessiert gezeigt?

Einige Kommandos interessierten sich schon während der Vorprojektphase an unserem Vorhaben. Von verschiedenen Ortsfeuerwehren wurde Interesse am Präsentationsteil bekundet. Von politischen Seiten haben wir bis heute noch keine Rückmeldung erhalten, da diese allenfalls auch noch gar kein Wissen von unserem Projekt hatten.

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