In der Lokomotivfabrik Winterthur wurde die Dampflokomotive HG 4/4 einst für einen französischen Auftraggeber hergestellt und direkt nach Vietnam verlegt für den Betrieb. Nach rund 100 Jahren kamen gleich zwei Lokomotiven dieser Bauart sozusagen schrottreif zurück in die Schweiz, von Oldtimer-Fans in die Wege geleitet.

Bis zu 50 Fronarbeiter am Werk
Die Revision der Lokomotive begann im Jahr 2006 in einer Werkstätte in Chur. Weil die gemietete Halle für Neubauten weichen musste, wurde im 2013 eine Verlegung nach Uzwil in eine Halle von Benninger notwendig. Die Revision mit hohen Ansprüchen aus Vorgaben für einen Betrieb auf der Furkastrecke wurde in totaler Fronarbeit mit einer Belegschaft von rund 50 Personen, darunter mehrere 80-jährig und mehr, ausgeführt.

Zumeist waren dies pensionierte Leute, welche eine mechanische Ausbildung hinter sich hatten, vielfach frühere Bühler Mitarbeiter. Alle 14 Tage wurde an der Revision gearbeitet. Donnerstag Freitag waren es bis zu 18 Personen, Samstags um sechs Einsatzleute. Die 12-jährige Revisionszeit überlebten vier der Fronarbeiter nicht. Nach der abgeschlossenen Revision der ersten Lokomotive wollen vier Fronarbeiter an der Revision der zweiten Lokomotive nicht mehr weiter machen.

1,8 Mio, allein Materialkosten
Die ganze Revision konnte nur dank namhafter Spender ausgeführt werden. Allein die Materialkosten machen 1,8 Mio. Franken aus. Auch die Hallenmiete bei Benninger kostet pro Jahr einen 5-stelligen Betrag. Für die Verpflegung der Fronarbeiter war im Hallenobergeschoss eine Küche eingerichtet mit Essraum.

Die Lokomotive hat ihre Reise nach Realp nun auf einem Tieflader von Egger angetreten. Erster Zwischenhalt erfolgt bei Verkehrshaus Luzern für eine Ausstellung. Für diese Reise mit Kosten um 10'000 Franken wurde am Tag der Offenen Türe vom Samstag gesammelt mit einem guten Resultat. Umgerechnet auf die Fahrtstrecke, war für jeden Kilometer ein Sponsor für 46 Franken notwendig.

Umfangreiche Vorarbeiten notwendig
Die Schienen auf der Furkastrecke bis nach Gletsch stehen zwar schon rund 10 Jahre. Der Verein der Dampflokfreunde Furka-Bergstrecke war über Jahre auch für die Schienenerneuerung im Einsatz. Pro Jahr wurden 300 Meter Schiene neu in Stand gestellt.

Einer der Schienenbauer war Hans Huber, heute 81-jährig. Bereits um 1990 hat er jeweils eine Ferienwoche geopfert für eine Schienenbauwoche. Seit 1998 ist der ausgebildete Maschinenschlosser im Froneinsatz bei der Revision der Dampflokomotive. Seine aktive Berufsarbeit schloss er im 1998 nach 28 Jahren bei der Kläranlage in Uzwil ab. Er will nun auch bei der Revision der zweiten Lokomotive dabei sein

Vor fünf Jahren für Betriebsbewilligung gestartet
Walter Brech, oberster Leiter der Werkstatt Uzwil, stand auch für den Erhalt der Betriebsbewilligung im Einsatz. Im Gespräch gab er zu verstehen, dass die Lokomotive einer Erstzulassung für die Schweiz bedurfte, da sie bisher nie in der Schweiz in Betrieb war.

Vor fünf Jahren habe er mit dem ersten Antrag für die Typenzulassung beim BAV (Bundesamt für Verkehr) begonnen. Dazu brauchte es jede Menge Dokumente, Zeichnungen, Berechnungen und Gutachten. Wichtiger Teil war das Zertifikat für den geprüften Kesseldruck, um überhaupt eine Betriebsbewilligung zu erreichen. Nun hätten sie die Betriebsbewilligung in Realp für Testfahrten erhalten. Das BAV wird mit einer Reihe von Betriebstests den sicheren Betrieb mit Waggon und Fahrgästen prüfen. Die 40-Tonnen schwere Schmalspur-Dampflokomotive mit Zahnradantrieb gilt als stärkste Ausführung europaweit. Allerdings kann sie nur eine Geschwindigkeit von 40km/h erreichen.

Meisterarbeit beim Abtransport
Von Egger St.Gallen fuhr am Dienstag ein Tieflader vor, um die Lokomotive nach Realp zu fahren. Mit vier Hebern wurde die Lokomotive angehoben, damit der Tieflader sich darunter schieben konnte. Millimeterarbeit war dann gefordert, um aus der Halle auf die Strasse zu kommen. Zuerst wurde eine Vorfahrt in die gegenüberliegende Halle notwendig, um den Tieflader um 90 Grad drehen zu können. Für die zahlreich erschienen Neugierigen wurde daraus ein richtiges Schauspiel.

Bei den Verantwortlichen wie Walter Brech, Markus Staubli und Jakob Knöpfel von der Projektleitung war es ein freudvoller Tag. Der immer näher rückende Abschluss mit Abtransport liess die Erwartungen ansteigen, die Revision endlich beenden zu können.