Knapp vier Jahre ist es her, als Wil einen regelrechten Wahlkrimi erlebte. Mit 2668 Stimmen wurde Daniel Stutz (Grüne Prowil) im September 2016 auf Kosten des damaligen Bauchefs Marcus Zunzer (CVP) in den Stadtrat gewählt. Um gerade einmal 8 Stimmen hatte Stutz im ersten Wahlgang das Absolute Mehr überboten. Es musste sogar nochmals nachgezählt werden. Die Überraschung war perfekt, die CVP ihren zweiten Sitz in der Exekutive los.

Vier Jahre später stellt sich nun Stutz zur Wiederwahl in den Stadtrat. Da er in den vergangenen Jahren immer wieder in der Kritik gestanden ist, liegt die Frage auf der Hand: Angst, abgewählt zu werden? Die Antwort gibt der Vorsteher des Departements Bau, Umwelt und Verkehr im grossen Video-Wahl-Talk (siehe unten). So viel aber vorweg: «Ich habe die letzten vier Jahre aufgewendet, um aufzuräumen. Es war wenig Platz für eigene Ideen», sagt Stutz. Ressourcen und Fachleute hätten gefehlt – und tun es teilweise immer noch. Mit Marko Sauer ist zwar nun ein Projektleiter Hochbau gefunden. Projektleiter im Tiefbau werden aber immer noch gesucht. Und auch die neue Stelle für die Leitung Stadtplanung ist noch nicht besetzt. «Das Image ist nicht schlecht, aber der Markt ausgetrocknet. Für die Tiefbau-Projektleiter haben wir schon über 200 Personen angesprochen», sagt Stutz.

Im Video: Der Wahl-Talk mit Daniel Stutz

 

«Pro Wil» als Provokation

Daniel Stutz war bereits dabei, als in Wil im Jahr 1985 das Stadtparlament gegründet wurde. Er war Teil einer Gruppe, die sich für ein Kulturzentrum Löwenbräu einsetzte. Gegründet wurde die Gruppierung «Pro Wil». Diese hatte sich auf die Fahne geschrieben, Umweltthemen zu bearbeiten und auch die Wiler Kultur voranzutreiben. Der Name wurde aber als grosse Provokation verstanden, weil auch alle anderen Parteien in Anspruch nahmen, etwas «Pro Wil» zu machen. Zu dritt wurde «Pro Wil» damals gewählt. Noch heute existiert der Name, nämlich im Namen der Grünen-Partei, welcher Stutz angehört. Sechs Sitze haben die Grünen aktuell im Stadtparlament, wenn man jenen der Jung-Grünen dazuzählt.

Dass sich Stutz für Umweltthemen einsetzt, kommt nicht von ungefähr. Der Bruder seiner Mutter hat einen Landwirtschaftsbetrieb mit Kühen und Obstbau in Wilen geführt. Dabei bekam Daniel Stutz hautnah mit, wie dieser Stück für Stück verschwunden ist – und dafür direkt daneben die Autobahn A1 gebaut wurde. «Ich habe die Zersiedelungs-Problematik mitbekommen. Darum ist mir der Schutz von Kulturland ein Anliegen.»

In der Forschung

Beruflich war Stutz stets in der Forschung tätig. Begonnen hatte es bei der Forschungsanstalt Tänikon (heute Agroscope) in einem Praktikum. Die Affinität für den Bereich IT war immer da. Es erwuchs eine Anstellung und Stutz übernahm immer mehr Verantwortung. Er selbst bezeichnet sich als «Schaffer». Das hat er auch von seinem Grossvater mitbekommen: ein Wiler Feilenhauer.

In der Gegenwart geht es für Stutz nun darum, den Stadtratssitz für sich und die Grünen Prowil zu verteidigen. Gelingt dies? Oder gibt es erneut einen Wahlkrimi wie schon vor vier Jahren? Die Antwort liefert der Stimmbürger am 27. September, falls im ersten Wahlgang schon eine Entscheidung fällt.

Mit diesem Artikel wird die neunteilige Porträt-Serie zu den Wiler Behörden-Wahlen abgeschlossen. Unten sind alle anderen Artikel und Videos im Überblick.

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Hier sind die andere Wahlporträts

Stadtpräsidium:

Hans Mäder (CVP):

 

Daniel Meili (FDP):

 

Dario Sulzer (SP):

 


Stadtrat:

Andreas Breitenmoser (parteilos):

 

Ursula Egli (SVP):

 

Beat Gisler (CVP):

 

Jutta Röösli (parteilos):

 

Jigme Shitsetsang (FDP):