Immer mehr Leute stecken sich mit dem Coronavirus an und müssen in Quarantäne. Dementsprechend sind immer weniger Leute in den Büros. Es trifft auch die Entscheidungsträger. Der Wiler Stadtrat Daniel Stutz ist aktuell in Quarantäne und bleibt es noch bis und mit nächsten Dienstag. Das Gedankenspiel ist erlaubt: Was geschieht, wenn der Wiler Stadtrat – aus welchen Gründen auch immer – komplett ausfällt und nicht mehr für die politische und strategische Führung verantwortlich zeichnen kann?

Im Grundsatz gilt: Mindestens drei von fünf Stadträten müssen im Einsatz stehen, um handlungsfähig zu sein. Da die Wiler Exekutive seit dem Abgang von Stadtpräsidentin Susanne Hartmann per 1. Juni dieses Jahres ohnehin schon personell reduziert ist, würde es also noch einen weiteren Ausfall verkraften, um weiterregieren zu können. Sollte der derzeitige Stadtpräsident ad Interim, Daniel Meili, ausfallen, ginge die Hauptverantwortung an dessen Stellvertreter über. Es ist Dario Sulzer, der ohnehin Stadtpräsident werden möchte.

Ersatzwahlen wären realistischer

Und was, wenn plötzlich nur noch zwei Stadträte handlungsfähig sind? Es gibt die Möglichkeit, eine so genannte Ersatzverwaltung einzusetzen. Das wäre eine Gemeinde, welche für Wil arbeiten und auch entscheiden würde. Welche Gemeinde es ist, wurde nicht im Vorherein definiert und kann auch von Geschäft zu Geschäft variieren. Alexander Gulde, Leiter des Amts für Gemeinden und Bürgerrecht Kanton St. Gallen, gibt jedoch zu bedenken: «Bis eine Ersatzverwaltung eingesetzt ist, kann das Monate dauern. Im Corona-Fall wären die Amtsinhaber nach wenigen Wochen voraussichtlich wieder zurück. Falls Gemeinde- oder Stadträte versterben sollten, wäre es sinnvoller, Ersatzwahlen anzuordnen.» Mögen sie alle gesund bleiben.