Die Grafik sah aus wie ein liegender Brontosaurus im Längsschnitt. Links der kitzekleine wurmartige Kopf, dann ein langsam sich verdickender Giraffenhals, schliesslich die abrupte Wölbung des massigen Körpers, bedrohlich aufragend wie ein Gebirge. Die Kurve zeigte die Entwicklung des weltweiten Energieverbrauchs in den letzten Jahrzehnten, Spitze krass steigend. Inzwischen braucht die Welt 100 Millionen Fass Erdöl täglich, das entspricht 150 Millionen Tonnen. Wenn die dafür nötigen Tankschiffe (Fassungskraft 10'000 Tonnen) an einer bestimmten Stelle der Weltmeere als Gesamtheit aufkreuzen würden, ergäbe das eine Armada von 1500 Riesentankern – man muss sich das einmal als Bild vorstellen: so viel Erdöl verbraucht die Welt an einem Tag.

Für den 44-jährigen Autor, Forscher und Dozenten ist klar: Die Kriege unserer Zeit sind wesentlich Verteilungskriege um Ressourcen. Die UNO als weltweite Organisation zur Friedenssicherung in der Welt hätte das verhindern müssen. Sie hat versagt.

Post inside
Die fossilen Energien laufen auf einen Engpass zu, die ehemaligen Schwellenländer wachsen dramatisch. Ihre Bevölkerungen drängen auf mehr Komfort.

Die Vorräte sind begrenzt, die Weltbevölkerung wächst
Dem Schwinden der Vorräte an fossiler Energie steht das rasante Anwachsen der Erdbevölkerung gegenüber. Diese liegt heute an der 7-Milliardengrenze und wächst munter weiter, exponentiell. Von diesen 7 Milliarden Menschen machen einen Siebtel nur schon die Chinesen aus. Jeder siebte Weltbewohner ist Chinese. Sie wollen heute auf den Lebensstandard der westlichen Welt aufrücken. Dazu gehört auch das Privatauto. Dagegen ist nichts einzuwenden, sagt Ganser. Nur braucht das ebenfalls Erdöl. Dessen Vorräte sind weltweit aber am Schwinden, auch in der Nordsee.

Verteilerkriege
Mit dem weltweiten bewaffneten Kampf um leichten und billigen Zugang zum Erdöl einher ging und geht die Missachtung des in der Charta der Vereinten Nationen festgelegten allgemeinen Kriegsverbots zur Regelung von Konflikten zwischen den Staaten. Der Autor machte kein Hehl aus seiner Überzeugung, dass es heute die einzig verbleibende Weltmacht USA ist, welche das von ihr ebenfalls unterzeichnete Kriegsverbot der UNO seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs am häufigsten mit Füssen tritt. Das amerikanische Budget sieht für Armeeausgaben beinahe so viel Geld vor, wie die anderen grossen Länder zusammen. Die Vereinigten Staaten sind heute wirtschaftlich und militärisch in der Lage, der Welt ihre Gesetze zu diktieren. In diesem Sinne erfüllen sie das, was man früher ein Imperium nannte. Und Imperien realisieren in der Regel auch eine imperialistische Politik. In seinem neuesten Buch „Illegale Kriege“ untersucht Ganser die zahlreichen Kriege und bewaffneten Interventionen weltweit seit 1945 und kommt zu folgendem Schluss: Die westliche „Friedensmacht“ USA und ihr „Verteidigungsbündnis“ NATO sind zum Hauptrisiko für den Weltfrieden geworden. Das zeigte sich weltweit unter anderem in der Kubakrise, im Vietnamkrieg, im Krieg gegen Afghanistan, im Krieg gegen den Irak und im Krieg gegen Syrien. Wenn im Kalten Krieg die Kriegsbereitschaft und dessen Unterstützung durch die NATO-Partner mit dem Kampf gegen den Kommunismus begründet wurde, so wird heute von den USA für den weltweit zu führenden Krieg gegen den Terrorismus mobilisiert. In Wahrheit gehe es um ganz anderes.

Der Sicherheitsrat als Unsicherheitsfaktor
Warum ist das so? Warum lässt die UNO sich das bieten und die Staatengemeinschaft fast der ganzen übrigen Welt, deren Ausdruck sie ist? Gansers Antwort betont, dass in der UNO nach wie vor die fünf Siegermächte des 2. Weltkriegs das Sagen haben: die USA, Grossbritannien, Frankreich, Russland und China. Sie bestimmen im Sicherheitsrat, was die UNO tut oder nicht tut. Hauptinstrument dazu ist das ihnen vorbehaltene Vetorecht. Wenn also ein mächtiges Mitglied mit Sitz im Sicherheitsrat die Charta der UNO bricht und die anderen es dazu zu Rechenschaft ziehen wollen, legt es einfach sein Veto ein. Dann knirscht vielleicht der Generalsekretär mit den Zähnen, kann aber nichts tun. Gansers verweist in diesem Zusammenhang auf seine Bücher, welche dazu reichhaltiges Anschauungsmaterial liefern. Damit funktioniert der Rat, der den Weltfrieden sichern und bewahren sollte, in vielen Krisen als sein pures Gegenteil – als Unsicherheitsrat.

Allgegenwärtige Manipulation
Wie in allen bisherigen Angriffskriegen dieser Welt wird auch heute in dieser Hinsicht manipuliert und gelogen, heute allerdings auf professionellem Niveau. Hauptmittel dabei ist die weit fortgeschrittene Medien-Gleichschaltung, gesteuert durch die Meinungspresse sowie Radio und Fernsehen, welche alle von wenigen Agenturen mit den weltweit identischen Nachrichten beliefert werden, zunehmend auch mit Fake-news. Ganser belegte seine Sicht mit Zitaten, Statistiken und Bildern, alle mit Quellenangabe. Dabei ist der Mechanismus seit Goebbels, dem Propagandaminister Hitlers, immer derselbe. Man löst eine Menschengruppe, meistens einen Staat, aus der weltweiten Menschenfamilie heraus, man spricht ihr durch oft frei erfundene Greueltaten ihr menschliches Gesicht ab, man verteufelt sie kräftig und mit gebetsmühleartiger Wiederholung und hat die Weltöffentlichkeit schliesslich so weit, dass man sie bombardieren und ausmerzen kann, ohne dass sich dazu nennenswerter Widerstand ergibt.

Post inside
Geschürter Hass: Drei Monate vor der Entfesselung des „Desert Storm“ 1991. Ein 15-jähriges Mädchen erzählt dem schockierten amerikanischen Kongress unter Tränen, irakische Soldaten hätten beim Angriff auf Kuwait Frühgeburten aus ihren Spitalbetten gerissen und zu Boden geworfen, sie habe das als Mitarbeiterin in einem kuwaitischen Spital mit eigenen Augen gesehen. Das stellte sich als konstruierte Lüge heraus. Das Mädchen war die Tochter des kuwaitischen Botschafters in den USA und wurde für die Kriegspropaganda missbraucht (Europa im Erdölrausch, S. 231f.).

Sprachregelungen
Wenn im deutschen Rammstein stationierte amerikanische Drohnen gezielt Personen ins Visier nehmen und umbringen, wie das beispielsweise in Afghanistan Alltag geworden ist, dann ist das in der geglätteten Sprache der Politik und ihrer Verbreiter in vielen Medien dieser Welt nicht Mord oder Terror, sondern „Vorwärtsverteidigung“. So wie auch die flächendeckende Bombardierung ganzer Länder, welche die Zivilbevölkerung mit im Visier haben und jede Entwicklung der betroffenen Länder für Jahrzehnte lahmlegen. Ganser legte den Finger darauf, dass das amerikanische Pentagon offiziell immer noch Verteidigungsministerium heisse, obwohl er eine lange Liste von amerikanisch geführten Angriffskriegen vorlegen kann, die unter Umgehung der UNO zur „Förderung“ der eigenen Interessen vom Zaun gerissen wurden, wie das beim Irakkrieg und Syrienkrieg der Fall war. Ganser verweist darauf, dass die NATO durch entsprechende Änderungen ihrer Einsatzdoktrin schon lange nicht mehr ein reines Verteidigungsbündnis ist, sondern eine Allianz zum Führen von Angriffskriegen auf der ganzen Welt. Dabei rückt sie durch verschiedene Taktiken, auch verdeckte, dem verteidigungspolitisch empfindlichen Interessengebiet Russlands immer näher, wie der Fall Ukraine zeigt. Der Versuch, die Ukraine in die EU zu locken und damit militärisch unter die Fittiche der NATO zu nehmen sei eine schwerwiegende Provokation Russlands. Dass Russland darauf entschieden reagiere, müsse niemanden wundern, der gelernt habe, die Geostrategie mit einzubeziehen.

Was ist ein „Verschwörungstheoretiker“?
Am Anfang jedes Angriffskrieges steht die systematische Verteufelung des Gegners. Dabei seien alle Mittel recht, auch die Verbreitung von Lügen und Fake-News. In diesem Zusammenhang ging Ganser auch auf die jüngsten Angriffe auf seine Person ein, die unter anderem die Sistierung seines Lehrauftrags an der Handelshochschule St. Gallen zur Folge hatten. Er tat dies auf souveräne Weise, ohne jemanden anzugreifen oder sich zu rechtfertigen. Ganser unterzog den heute oft gehörten und in diesem Zusammenhang auch ihm übergestülpten Begriff „Verschwörungstheoretiker“ einer sprachlichen Analyse und kam zu folgendem Schluss: Der als bewusstes Schimpfwort zur Ausgrenzung verwendete Keulenbegriff werde heute auf jeden Forscher angewendet, welcher die gängige Version einer politisch durchgesetzten historischen Version in Zweifel ziehe. Dabei bleibe er, Ganser, in dieser Hinsicht tatsächlich stur, eng an den Fakten und nur an den Fakten. Für ihn bleibe es ein Rätsel, dass der offizielle Bericht über 9/11 und dann auch die westlichen Medien immer nur vom Zusammenbruch der beiden Twin-Towers (World Trade Towers Nr. 1 und 2) berichtet hätten. Die Tatsache, dass zwei Flugzeuge aktiv gewesen seien, jedes mit dem Ziel eines der beiden Twin-Towers, lasse es für jeden unbefangenen Zeugen offen, durch welches Ereignis denn der dritte Turm (WTC-Turm Nr. 7, eine höchst solide Stahlkonstruktion) ebenfalls in sich zusammengesackt sei, und dies so perfekt kongruent, wie dies nach dem Urteil von Fachleuten nur eine Meistersprengung nach Lehrbuch bewirken könne. Auch habe ihm bis heute noch niemand erklären können, dass BBC an jenem 11. September die Nachricht vom Attentat auf die WTC- Türme (auch BBC sprach nur von zweien) schon um 05.00 ausgestrahlt habe, wo doch das Ereignis erst gegen 09.00 Lokalzeit stattgefunden habe.

Medien-Diät und Selbstbeobachtung
Im abschliessenden Teil betonte Ganser noch einmal, die Lösung der Energiefrage weltweit könne nur durch die Umkehr auf erneuerbare Energien erfolgen. Dies verlange sowohl vom einzelnen wie von der Politik entsprechend mutige Entscheide. Erst dann bestehe weltweit mehr Aussicht auf eine friedlichere Welt. Zudem empfahl Ganser dem Publikum, darunter vielen jungen Zuhörerinnen und Zuhörern, sich für einige Zeit einer radikalen Medien-Diät zu unterziehen: dem gewollten und systematischen Sich-Entziehen von der Dauerberieselung aller Medien, Handy inklusive. Er selbst mache das immer wieder. Das mache den Kopf frei für das eigene Denken. Man merke dann das eine: Du musst eine Distanz entwickeln zu dem, was du denkst und fühlst. Es sei bis zu einem oft überraschend grossen Grade durch „die offiziellen Versionen“, gleichgeschaltete Bilder und Sprachregelungen mitbestimmt. Nur dieses Training, was man selbst denke und fühle zu beurteilen, und zwar gerade im Lichte anderer Meinungen, führe zu mehr Freiheit in seiner Sicht der Welt, zu mehr Wirklichkeitssinn und Achtsamkeit.