Geht das Wiler Stadtpräsidium von der Mitte ins linke Lager über? Das ist ein mögliches Szenario. Denn mit Dario Sulzer (SP) stellt sich nun ein erster nicht-bürgerlicher Kandidat zur Wahl, was er am Freitag in der «Wiler Zeitung» publik gemacht hat. «Es wäre nun ein perfekter Zeitpunkt. Ich stehe mitten im Leben, bringe viel Erfahrung mit und bin schon fast 20 Jahre in der Politik», sagt der Stadtrat zu hallowil.ch. Er wisse, wo den Wilern der Schuh drückt.

Aus seiner Sicht wäre nun «ein Wechsel angebracht». Er spielt damit darauf an, dass in Wil das Stadtpräsidium schon seit sehr langer Zeit in CVP-Hand ist. «Personelle Wechsel können helfen, einen Schritt zurückzumachen und eine schwierige Situation mit Distanz zu betrachten. Betreffend Diskussionskultur können wir uns sowohl im Stadtrat als auch im Stadtparlament verbessern», sagt Sulzer, der auch von «festgefahrenen Strukturen» und «Verhärtungen» spricht.

Im Jahr 2009 Parlamentspräsident

Wiederholt ist der Vorsteher des Departements Soziales, Jugend und Alter (SJA) kritisiert worden wegen der hohen Sozialhilfequote und -kosten der Stadt Wil. «Das gehört in diesem Amt dazu. Nun geht die Quote aber erstmals gegen unten. Im vergangenen Jahr haben wir die Nettokosten um mehr als eine Million Franken gesenkt», sagt Sulzer. Aus seiner Sicht wäre es aber falsch, sein Wirken lediglich auf die Sozialhilfequote zu reduzieren. «Wir haben in den vergangenen Jahren viel entwickelt und zum Beispiel in der frühen Förderung eine Vorreiterrolle inne. Zudem wurde ein Skatepark gebaut», sagt Sulzer.

Der SP-Vertreter ist 1979 geboren, politisiert seit 2001 im Stadtparlament, war zwischen 2004 und 2008 Fraktionspräsident der Sozialdemokratischen Partei und 2009 Parlamentspräsident. Seit dem Jahr 2012 gehört er dem St. Galler Kantonsrat an. Er ist Mitbegründer des Wiler Openairs Rock am Weier und Mitglied des Thurvita-Verwaltungsrates. Musizieren und Kochen zählt er zu seinen präferierten Freizeitbeschäftigungen.

«Ein Nachteil, nur eine Legislatur zu machen»

Und lässt sich das Stadtpräsidiumsamt mit seinem Master-Studiengang und dem zweifachen Vater-Dasein unter einen Hut bringen? «Das ist effektiv eine anspruchsvolle Aufgabe. Aber es muss möglich sein. Zudem schliesse ich das Studium im nächsten Januar ab, wenn alles gut geht. Ich bin belastbar», sagt der SP-Stadtrat.

Mit seiner Kandidatur verkommt das Rennen um das Stadtpräsidium immer mehr zu einem Generationen-Duell. Auf der einen Seite Daniel Meili (FDP) und Hans Mäder (CVP), die beide schon den 60. Geburtstag gefeiert haben. Auf der anderen Seite Oliver Baumgartner (parteilos) und nun eben Dario Sulzer, die beide nicht älter als 40-jährig sind. «Das Alter ist grundsätzlich nicht entscheidend. Es wäre aber ein Nachteil, wenn man nur eine Legislatur machen würde», sagt Sulzer. Aus seiner Sicht braucht es zwei Jahre, bis man so richtig im Amt ist. Und wie lange gedenkt er selbst zu machen? «Zwei Legislaturen fände ich gut», sagt Sulzer.

Dario Sulzer beendet drei Sätze:
Wil ist für mich …
… die schönste Stadt in der Ostschweiz und auch eine, auf die wir stolz sein dürfen.

Die Stimmung im Stadtrat ist …
… verbesserungswürdig.

Das Stadtpräsidium bedeutet mir …
… sehr viel und es wäre historisch, wenn die SP dieses Amt bekleiden dürfte.