Vieles wurde ausprobiert, manche Anpassungen vorgenommen. Trotzdem verlor der Katerball immer mehr Besucher. Einst als der grösste seiner Art in der Ostschweiz angepriesen, wird er im kommenden Jahr zum letzten Mal stattfinden: ausser er erlebt ein unvorhergesehener Aufschwung.Das waren noch Zeiten. Zwei Turnhallen, Bierschwemme, Kaffeestube, Weinstube und 2000 Besucher. Rickenbach monopolisierte sich mit seinem Katerball als verdiente Fasnachtshauptstadt. Der Schmutzige Donnerstag war ein Pflichttermin für Ostschweizer Fasnächtler und solche, die es noch werden wollten. Erste Erfahrungen mit Vollmasken, Guggenmusik, Demaskierung um Mitternacht, das machten wohl Unzählige an besagtem Katerball. Doch die erfolgreichen Zeiten sind vorbei – leider. Es gibt sie zwar noch, die nostalgischen Katerball-Fans, die sich bis heute keine Durchführung entgehen liessen.

Doch die Zahl derer ist auf ein Minimum gesunken. Erste Abwärtstendenzen wurden von den Machern des Maskenballs schon im Jahr 2012 wahrgenommen. Damals sorgten einige Unbelehrbare mit ihren Aggressionsausbrüchen für negative Schlagzeilen. Und obschon diese unerwünschten Personen Arealverbot erhielten, haftete dem Katerball ein für ihn undankbarer Ruf hinterher. Für diese Eskapaden konnten die Organisatoren absolut nichts und ihre in den Jahren darauf erfolgten Präventionsmassnahmen fruchteten, denn es kehrte wieder Ruhe ein.

Zurück zu den Wurzeln
Es ist schwierig zu sagen, ob dem Katerball der schlechte Ruf haften blieb und dieser Schuld ist an der stets sinkenden Besucherzahl. In den vergangenen Jahren haben die organisierenden Vereine noch einmal alles versucht, dem Anlass neues Leben einzuhauchen. OK-Mitglied Bettina Brauchli erklärt, dass nicht alle Massnahmen gefruchtet haben. «Das Raucherzelt wurde in diesem Jahr nur sehr spärlich benutzt. Und die Idee, weg von der Livemusik hin zu einem DJ kam bei vielen Besuchern nicht gut an.

Adieu Miezebar
Auch in der Miezebar herrschte oft tote Hose und die Aufstockung von zwei auf fünf Guggen können wir nicht unbedingt als gelungen bezeichnen.» Bettina Brauchli hat einige Jahrzehnte Katerball auf „ihrem Buckel“ und weiss noch genau, wie es früher war. «Die Zeiten haben sich markant geändert. Man geht heutzutage nicht mehr nur hin und verbringt die ganze Nacht am Katerball, es ist ein Kommen und Gehen. Und diesen Aspekten wollen wir zur letzten Durchführung noch einmal gerecht werden.»

«Mit Live-Musik und zwei Guggenmusiken wieder an alte Zeiten anknüpfen»
Bettina Brauchli, langjähriges OK-Mitglied

Am letzten Katerball im kommenden Jahr werden die österreichischen Stimmungsmacher „Viva People“ wieder mit Livemusik für Stimmung sorgen. Ebenso wird auf das Raucherzelt und die Miezebar verzichtet, Stattdessen soll eine „Bar für Alle“ hergerichtet werden; so quasi eine Bierschwemme, Weinstube und Bar in einem. Es wird wieder mehr Sitzgelegenheiten haben um so die Gemütlichkeit zu pflegen.

Noch einmal die erfolgreiche Historie aufleben lassen
«Auch die zwanzig alten Werbeblachen werden wir wieder hervorkramen und aufstellen, irgendwie das Nostalgische aufleben lassen, das haben wir uns zum Ziel gesetzt.» Bettina Brauchli sagt auch, dass der Fokus im nächsten Jahr eher auf die Ü30er gelegt wird – aber nicht nur. Und das Wertkartensystem wird wieder durch die Bargeldbezahlung ersetzt.

Nur noch zu Dritt
Auch in Sachen Organisation hat sich einiges geändert. Bis anhin und während vieler Jahre stand das Quartett Musikverein Harmonie Rickenbach, Faustball Gemeinschaft Rickenbach-Wilen, Männerchor Rickenbach und Turnverein Aegelsee hinter dem Maskenball. Letztgenannter hat sich zurückgezogen, was Auswirkungen auf die verbleibenden drei Vereine hat. So liegt es auf nächstes Jahr hin und zur 58. Durchführung noch mehr an jedem Einzelnen, sich für einen gelungenen Abschluss der Katerball-Geschichte einzusetzen.

Ein kleiner Hoffnungsschimmer bleibt
Ein ganz kleiner Hoffnungsschimmer bleibt; denn, sollte es nächstes Jahr überraschenderweise eine Kehrtwende geben und das OK mit einem tollen, positiven Fazit abschliessen kann, würden sich die drei Vereine noch einmal über die Bücher machen: denn eigentlich ist klar – der Katerball sollte nicht sterben.