Essen bedeutet Genuss und soll Spass machen. Bei steigender Lebenserwartung, bei Männern 81 und bei Frauen 85,2 Jahre, ändert sich jedoch zunehmend auch die Ernährungssituation. Alte Menschen müssen mengenmässig weniger essen und der Energiebedarf sinkt mit zunehmendem Alter um 500 bis 600 kcal/Tag. Die Leistung der Verdauungsorgane nimmt ab, ebenso der Appetit und das Flüssigkeitsbedürfnis. Dennoch ist eine ausgewogene Ernährung in einem regelmässigen Tagesrhythmus wichtig für die Gesundheit, wobei es die Nährstoffdichte mit gewissen Vitaminen (Vitamin D), Mineralstoffen (Calcium) und Spurenelementen zu beachten gilt. Bei älteren Personen besteht ein grösseres Risiko für eine Mangelernährung.

Ab dem Alter 40 baut sich auch die Muskelmasse jährlich um 1 bis 2 Prozent ab. Dies kann bewirken, dass die unteren Extremitäten schwächer werden und eine Sturzgefahr zunimmt. Bereits zehn Tage Immobilität führen bei betagten Personen zu einem Kräfteverlust der unteren Extremitäten bis 13 Prozent. Diese Erkenntnisse und weitere sachbezogene Empfehlungen vermittelte Agnes Heiniger-Gmür von der Pro Senectute bei ihrem Vortrag in Wil.


In diesen Nahrungsmitteln hat es viele Aminosäuren

Zum Thema „Gesunde Ernährung im Alter“ folgten über 120 Personen, vorwiegend über dem Pensionsalter, der Einladung des Forums CVP60plus. Im Gewölbekeller des Hofs zu Wil beleuchtete die Referentin das komplexe Thema. Die gelernte Pflegefachfrau und Gerontologin sprach die Zusammenhänge und Wirkungen der verschiedenen Nahrungsbestandteile und die Stoffwechselvorgänge an. Neu habe die Wissenschaft herausgefunden, dass es für Proteine einen anabolen und einen katabolen Stoffwechsel gibt. „Beim anabolen Weg werden die Aminosäuren für den Proteinaufbau in den Zellen verwendet. Dies setzt keine Energie frei und ist kalorienfrei. Beim katabolen Weg werden Proteine verbrannt. Energie wird frei gesetzt und es entsteht ein grosser Anteil an Stickstoffabfall (Ammoniak)“, erklärte Agnes Heiniger. Dieser werde in der Leber abgebaut und über die Nieren ausgeschieden, was für beide Organe belastend sei. Nahrungsmittel mit grossen Aminosäureanteilen seien Hühnerbrust, Rindfleisch, Erbsen, Lachs, Walnüsse, Hühnerei und Weizenvollkornmehl. Informiert wurde auch über die entzündungshemmende Wirkung von Omega3, welches in Walnüssen, Lachs oder Leinsamen enthalten ist.


Ein Glas Wein schadet nicht

Von Bedeutung sei auch Vitamin D, welches die Muskelkraft verbessere und ab einer Zugabe von 700 bis 1000 IU eine Sturzreduktion von 19 Prozent erziele, erklärte die Fachfrau. Es sei in Milchprodukten, Lachs oder Avocado enthalten. „Lebenswichtige Spurenelemente wie Calcium, Magnesium, Kalium, Eisen, Fluor, Jod oder Kupfer sind im menschlichen Körper in kleinen Mengen vorhanden oder können zugeführt werden. Sie haben Wirkung auf Gedächtnis, Knochenstabilität, kognitive Leistung, Energie, Immunität und Nerven“, sagte die Referentin.

Diese Mikronährstoffe seien in unterschiedlichsten Nahrungsmitteln wie Gemüse, Fleisch, Fisch, Nüssen oder Aprikosen enthalten. Sie empfahl auch die genügende Zufuhr von Flüssigkeit, nämlich 1 – 1,5 Liter Wasser oder ungesüssten Tee pro Tag. In Mass genossen könne auch Kaffee oder ein Glas Wein nicht schaden, meinte sie. Nach den Mahlzeiten könne man sich ausnahmsweise auch etwas Süsses in angemessener Portion gönnen. Die von der Wissenschaft empfohlene Lebensmittelpyramide gebe Anhaltspunkte für eine ausgewogene Ernährung. Sie empfehle fünfmal am Tag eine Portion Obst oder Gemüse. Bei Nahrungsergänzungsmitteln sei eine ärztliche Beratung gefragt.