By Daniel Monnin

Leichtfüssig, mit viel Selbstvertrauen, einem Schuss Talent und bester Arbeitsmoral spielten sich die Wilerinnen 2016/2017 durch ihre erste Saison in der untersten Spielklasse der Swiss Women’s Hockey League. Sie belohnten sich mit dem Aufstieg in die zweithöchste Spielklasse, die SWHL B. Und weil sich Erfolge gut anfühlen, erreichten die Äbtestädterinnen auch in der zweiten Saison mit der erstmaligen Playoff-Qualifikation in der neuen Umgebung ihre Ziele erneut. Das ist beileibe keine Selbstverständlichkeit, denn der Sprung von der „untersten Kategorie“ in die zweithöchste Klasse ist ein grosser. Nicht zuletzt aus diesem Grund haben die Verantwortlichen der Frauen-Liga auf die neue Saison hin eine Art Zwischenliga eingeführt, in der sich nun die besten und leistungsorientierten Teams aus der bisherigen C-Klasse messen. Neu firmiert die D-Liga als unterste Stufe.

Frauenhockey, in den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts ehrwürdigen Damen in langen Röcken und dicken Pullovern auf zugefrorenen Teichen in Kanada erfunden und kurzum in die Sportprogramme der Universitäten aufgenommen, ist seit 1998 olympisch. Auch in der Schweiz hat sich das Frauenhockey etabliert. Das Nationalteam beispielsweise holte sich an den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi völlig überraschend eine Bronzemedaille. Doch die grosse Publikumsgunst ist den hockeyspielenden Ladies nicht zuteil geworden. Dabei verspricht gutes Frauenhockey durchaus gute Unterhaltung. Die Intensität, das Tempo, das körperbetonte Spiel oder die Genauigkeit hinken den männlichen Profis aber hinterher. Dies ist verständlich, denn bei den Frauen gibt es keine Spielerinnen, die ihren Lebensunterhalt mit Eishockey verdienen, zweimal am Tag trainieren und von einem Betreuerstab profitieren, der grösser als das Mannschaftskader ist. Frauenhockey ist reiner Amateursport mit professionellen Zutaten. Vor allem im Nationalteam wird seit Jahren dafür gesorgt, dass die Trainingsstrukturen auf und neben dem Eis dem internationalen Standard angeglichen werden. Doch in den Clubs ist es leider keine Seltenheit geblieben, dass die Frauen wenig Eis und erst noch zu Randzeiten erhalten.

Lässt man den ohnehin nicht cleveren Vergleich mit dem Männerhockey links liegen und geniesst die Vorzüge des Frauenhockeys, liegt man richtig. Denn: Europameisterin Lea Sprunger sprintet auch nicht gleich schnell wie ihr männlicher Kollege Alex Wilson. Lara Gut brettert die Hänge auch nicht im gleichen Tempo runter wie Beat Feuz und das Frauen-Fussball-Nationalteam ist in einem Vergleich mit ihren männlichen Kollegen hoffnungslos unterlegen.

Ein Besuch in der Eishalle Bergholz an einem Spiel der Wiler Ladies lohnt sich. Nicht überzeugt? Die erste Gelegenheit dazu bietet sich bereits am Samstag 20.30 Uhr mit dem ersten Meisterschaftsspiel gegen die Ladies aus Freiburg. Die Wilerinnen starten mit den ambitionierten Zielen Playoff-Qualifikation sowie Top 5 in ihre zweite SWHL-B-Saison.

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Daniel Monnin beobachtet seit vielen Jahren das Geschehen im Schweizer Frauen-Eishockey. Für www.hallowil.ch berichtet er in einer Kolumne in loser Folge über eine Sportart, die im Schatten ihrer männlichen Kollegen steht.

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