Regina Heer inszeniert nach Verdis «La Traviata» 2015 nun Donizettis «Die Regimentstochter» für das MUSIKTHEATER WIL. Trotz dem militärischen Umfeld soll die Oper vor allem Eines: Spass machen.Wie geht man an ein Werk heran, dessen Handlung und Umfeld auf den ersten Blick so gar nicht dem Zeitgeist entsprechen, ohne in weltfremde Verkitscheleien zu verfallen?

Persönlichkeiten und Kleider prägen
Potential steckt durchaus in der «Regimentstochter», so sieht Regina Heer in der Titelrolle der Marie (Nicole Bosshard) eine spannende Persönlichkeit: In den Trümmern eines Schlachtfeldes gefunden wuchs Marie in einem Regiment auf, die Soldaten sind ihre «Väter». Da wird ihr plötzlich in der Figur der Marchesa ein herrschaftliches Leben angeboten: Wunderschöne Kleider, weiche Federbetten, erlesene Speisen. Im Laufe der Oper muss Marie herausfinden, welches ihre wirkliche Heimat ist.

Das Stück soll packen
Nachdem in der Theaterleitung des MUSIKTHEATER WIL der Entscheid für die «Regimentstochter» gefallen war, hatte sich Regina Heer mit Marion Andrea Menziger (Bühnenbild) und Bernhard Duss (Kostüme) für ein Brainstorming zusammengesetzt. Es galt beispielsweise zu entscheiden, in welcher Ästhetik und in welchem Zeitrahmen die Oper inszeniert werden sollte. «Ich sehe es als meine Aufgabe, Theater für die Leute zu machen, sie zu begeistern», erläutert Heer ihren Ansatz. Packen soll das Stück, die Darstellenden sollen sich auf jede Vorstellung freuen können. «Wenn die Menschen im Publikum, auf und hinter der Bühne unberührt bleiben, habe ich an den Leuten vorbei gearbeitet.»

Leichtigkeit
Immer wieder fiel der Regisseurin eine Parallele zwischen den Protagonisten und Comicfiguren auf: «Sie agieren klischeehaft». Aus dieser Beobachtung entwickelte sie dann das Konzept, das die Wiler «Regimentstochter» zu einem schlanken, vergnüglichen Theater macht: Das Regiment hat sich im Quartier eingerichtet. In der Wartezeit auf einen neuen Befehl erzählen Marie und Tonio in einem kleinen Theaterstück «ihre» Geschichte. Ein Theater im Theater quasi, das dem Chor viel Raum zum Agieren gibt. Die Figuren im Theäterchen sind dabei karikiert, wie ein kleines Marionettentheater bewegen sie sich, haben die Lacher und Seufzer ganz klar auf ihrer Seite. Damit kommt eine Leichtigkeit ins Soldatenleben, die vergessen lässt.

Erfahrungswerte einbauen
Der Chor steht praktisch durchgehend auf der Bühne. Die Probenarbeit mit den Wilerinnen und Wilern veranlasst Regina Heer zu der Aussage: «Die Schweizer Armee hat ihren Job gut gemacht». Sie hatte den Männern kaum einen Appell erklären müssen, schon seien sie strammgestanden, erzählt sie lachend. «Sie sind total gut im Körper drin». Viel eindrücklicher war aber der Umstand, dass den Männer die Untätigkeit und das Warten vertraut sind: Wie lautet der nächste Befehl? Wann geht es los? «Das ist ja wie im WK», hatte sie mehrmals zu hören bekommen. «Es ist spannend, wenn man in der Regiearbeit Erfahrungswerte einbauen kann», so Heer. Sonst habe man im Alltag ja – zum Glück - nicht unbedingt etwas mit den Opernthemen wie Mord und Totschlag zu tun.

«Es wird opulentest»
Musikalisch ist die «Regimentstochter» für die Regisseurin durchaus eine Knacknuss. «Donizetti hat viele Repetitionen ohne Steigerung eingebaut – daraus müssen wir szenisch etwas machen». Doch es ist eine gute Truppe, es werde viel diskutiert, auch, wie man mit diesen Wiederholungen umgeht, welchen Sinn sie haben. Dem musikalischen Leiter Kurt Koller ist Regina Heer dankbar. Er verzichtet auf die überschwänglichen Koloraturen, mit denen üblicherweise Belcanto-Arien frei ausgestaltet werden und erlaubt so den Protagonisten eine flüssige Darstellung. Regina Heer freut sich auf die Aufführungen: «Es wird opulentest!».