Wenn die vom Wiler Stadtrat gehegten Pläne umgesetzt werden, steht die Mädchenschule St. Katharina, kurz Kathi genannt, mit grosser Wahrscheinlichkeit vor dem Aus. Die Wiler Exekutive schlägt ein Oberstufen-Schulmodell ohne Kathi vor. Demnach gäbe es nur noch die Oberstufen Lindenhof, Sonnenhof und Bronschhofen. (hallowil.ch hat berichtet).

Für die Privatschule St. Katharina hätte das mindestens gravierende Veränderungen zur Folge. Mit grosser Wahrscheinlichkeit müsste sie gar den Betrieb in heutiger Form einstellen, da keine Gelder der Stadt mehr zuflössen. Die Verantwortlichen stecken den Kopf aber keineswegs in den Sand und gehen nun in die Gegenoffensive. An einer Medieninformation präsentierten sie am Dienstagmittag ein Modell, welches aus ihrer Sicht zielführend ist und die Bedürfnisse befriedigt. Dies sei nämlich bei beiden vom Stadtrat geprüften Modellen nicht der Fall. Das Kathi lehnt sich mit seiner Idee an das so genannten Modell B an, welches vom Stadtrat zwar geprüft, aber schliesslich verworfen wurde.

Samt Knaben und Realschule

Das vom Kathi-Stiftungsrat präsentierten «Modell B+» geht von den Oberstufen Lindenhof, Bronschhofen und Kathi aus. Der «Sonnenhof» wäre künftig eine Primarschule. Die erwarteten 720 Oberstufen-Schüler würden zu zwei Dritteln auf die beiden öffentlichen Schulen und zu einem Drittel auf St. Katharina aufgeteilt. Letztere wäre künftig unterteilt in einen Mädchen- und einen Knaben-Campus. Die 120 Mädchen würden weiterhin am jetzigen Standort im Gebäude neben der Klosterweg-Turnhalle beschult. Wo die 120 Knaben zur Schule gingen, steht noch nicht fest. Sinnvoll wäre aber eine geografisch naheliegende Lösung, also in den heutigen Primarschulhäusern Tonhalle und Klosterweg. Dort könnte es Platz geben, da der Sonnenhof eine Primarschule wäre und Schüler dorthin verschoben werden könnten.

 
Hier erläutert Kathi-Stiftungsratspräsident Armin Eugster die Vorteile von Modell B+

Für die Privatschule hätte Modell «B+» zwei markante Änderungen zur Folge: Einerseits wären künftig auch Knaben Teil des Schulkonzepts, andererseits auch Realschüler beider Geschlechter. Das hiesse wiederum, dass die Schule Abstriche in der Beschulung von Sekundarschul-Mädchen machen müsste. Die Stadt Wil bekäme somit neben einer Mädchen- auch eine Knabenschule. «Damit werden Chancengleichheit und Wahlfreiheit für Schülerinnen und Schüler möglich», begründet die Privatschule das gewählte Modell. Die Kathi-Knabenschule soll ähnliche Werte vertreten wie jene der Mädchen. Die Schlagworte lauten «wertestark», «leistungsstark», «alltagsstark» und «erlebnisstark». Auch bei den Knaben soll dem musischen Bereich Platz eingeräumt werden.» «Die Jugendlichen gehen heute in Wil gerne an eine gemischte Schule und ebenso gerne auch an eine Mädchenschule. Es muss auch künftig möglich sein, beide Formen anzubieten. Wir setzen uns für die Schulvielfalt in Wil ein», sagt Kathi-Schulleiterin Corinne Alder. Die Frage wird aber sein, ob in Wil 120 Knaben das Bedürfnis haben, eine geschlechtergetrennte Klasse zu besuchen.

So geht es nun weiter

Kathi-Stiftungsratspräsident Armin Eugster ist nach ersten Gesprächen mit Fraktionspräsidenten der Wiler Stadtparlaments zuversichtlich, mit dem Modell «B+» Erfolg zu haben. Bis dieses allerdings Tatsache ist, muss noch manche Hürde übersprungen werden. Als erstes braucht es kommendes Jahr eine Mehrheit im Stadtparlament. Ist diese erreicht, haben Parlamentarier und Stimmbürger die Möglichkeit, das Referendum zu ergreifen und somit eine Volksabstimmung zu erzwingen. Bei dieser könnte der Souverän entscheiden, ob er das Modell «B+» will oder nicht. «Ein Nein müsste als Votum gegen das Kathi gewertet werden», sagt Eugster. In der Oberstufen-Diskussion wäre man dann wieder zurück auf Feld 1.