Coronabedingt wurde die Generalversammlung des Vereins Klosters Fischingen, eigentlich für den 5. Juni geplant, schriftlich durchgeführt. Gemäss  Präsident Bruno Hubatka führte dies dazu, dass sich 156 von 170 Mitgliedern dafür aussprachen, dem Verein Kloster Fischingen mit einem Geldbeitrag aus der Baureserve auszuhelfen. Eigentlich, so Ibig, hätte der Verein Kloster Fischingen Ende 2019 noch Eigenkapital von 758'000 Franken gehabt. Bei einem «normalen» Geschäftsjahr, bei dem mit einem Defizit von rund 400'000 Franken zu rechnen gewesen wäre, hätte dieses Vermögen für das laufende Vereinsjahr noch «locker ausgereicht». Doch dann kam die Corona-Krise. Sie habe dem Verein einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht. «Wegen Corona sind bei uns die Reservationen weggebrochen. Und nachdem es erst so aussah, als würden diese jetzt wieder anziehen, ist nun in der letzten Woche wieder einiges storniert worden. Wir haben im Vergleich zum Vorjahr bis zum 2. Juli 660'000 Franken weniger Umsatz erzielt – das entspricht 25 Prozent des Gesamtumsatzes der Hotellerie im 2019», so Ibig.

«Wir leiden unter Corona»

Generell sei das Kloster finanziell auf Kante genäht. «Wir haben eine gute Liquidität und werden nicht untergehen; nicht zuletzt wegen dem Beitrag aus dem Baufonds. Doch dürfte es Ende 2020 bei uns finanziell eher kurz nach statt kurz vor 12 Uhr sein.» Eines sei klar: Das Kloster Fischingen leidet unter Corona. «Die Aufgaben, die wir erfüllen, kosten mehr als wir erlösen. Wir sind deshalb darauf angewiesen, dass wir finanziell unterstützt werden - sonst geht es irgendwann hier nicht mehr weiter», malte Werner Ibig ein Bild mit hoher Dringlichkeit.


Auf der Suche nach Geld

Doch nicht nur der Betrieb, sondern auch der Erhalt des Klosters kostet Geld – und nicht gerade wenig. Aus diesem Grund hat der Verein Kloster Fischingen zwei Projekte gestartet, die dem Kloster einen Geldsegen bescheren sollen. Zum einen hat das Kloster Fischingen bereits im November 2019 beim Kanton ein NRP-Projekt eingereicht, dessen Ziel es ist, das Kloster Fischingen baulich und betrieblich so weiterzuentwickeln, dass «die gesamte Anlage intensiver, wirtschaftlicher und doch dem Ort angemessen genutzt werden kann», so Ibig. NRP steht für das Standortförderungsprogramm «Neue Regionalpolitik des Bundes». Wie das NRP-Projekt aussieht, steht aktuell noch in den Sternen: «Wir werden spätestens im nächsten Frühling sehen, wohin sich das Ganze perspektivisch entwickeln könnte», so Ibig.

24 Millionen aus den TKB-Millionen angefragt

Daneben hat das Kloster Fischingen am 30. Juni 2020 ein Gesuch um einen Beitrag aus dem Erlös der Partizipationsscheine der Thurgauer Kantonalbank (TKB) eingereicht. Die Summe, um die man nachsuchte, beläuft sich auf über 24 Millionen Franken. Das Geld soll dazu dienen, die sich in einem desolaten Zustand befindlichen Liegenschaften im Klostergeviert aus dem 16./17. Jahrhundert wieder auf einen Stand zu bringen, der es dem Kloster erlaubt, diese wieder zu nutzen. Dabei sei «keine Luxussanierung» geplant, sagte Architekt Klemens Dudli. Es gehe vielmehr um das, was der Direktor als «Entflechtung» bezeichnete. «Jetzt ist es so, dass die Mönche beim Hotel sind und das Hotel bei den Mönchen; diese Situation möchten wir entflechten», so Ibig. Sollte das Kloster bei der Vergabe der TKB-Millionen leer ausgehen, so bliebe dem Verein einzig die Möglichkeit «den Baufonds aufzubrauchen und seinen Betrieb im Kloster zu reduzieren», so Ibig.

Klosterbibliothek kostet Verein fast nichts

Wie eine gelungene Sanierung aussieht, können die Klosterbesucherinnen und -besucher an der für 1,2 Millionen Franken überholten Klosterbibliothek sehen, welche letzten Donnerstag fertiggestellt wurde. Nicht nur wurden die 180 Stühle wurde durch neue, bequeme Sitzgelegenheiten ersetzt, sondern auch die Stuckdecke gesichert und erneuert, die Fassade repariert und ein zusätzlicher Fluchtweg geschaffen – per geschwungener Wendeltreppe nach draussen. Ohne diesen hätten aus Sicherheitsgründen keine Veranstaltungen mehr in der Klosterbibliothek stattfinden dürfen.

Als «sehr erfreulich» wertete Ibig, dass fast die ganze Summe durch öffentliche Beiträge, Stiftungsgelder und private Spenden eingesammelt werden konnte: «So eine Bibliothek ist halt etwas sehr Emotionales; da lässt es sich leicht Geld sammeln», so Ibig. Bis die Bibliothek vollständig saniert werden kann, fehlen aktuell noch rund 100'000 Franken.