Trainer Konrad Fünfstück wurde nach der Hinrunde 2018 wiederholt als Erfolgstrainer bezeichnet. Er stabilisierte die Wiler Mannschaft, die bei seinem Antritt eineinhalb Jahre zuvor sportlich in die Promotion League abgestiegen gewesen wäre, und coachte sie nach einer halbjährigen Angewöhnungszeit an die Spitze der Challenge League. Ausgerechnet ein junger Deutscher Trainer, der zuvor im Schweizer Fussball keine Spuren hinterlassen hatte, führte den kleinen FC Wil in der zweithöchsten Spielklasse ganz nach oben – und das mit einer der jüngsten Mannschaften der Liga.

Und trotzdem ist der Abgang nun nicht würdig. Drei Monate, bevor der Zweijahres-Vertrags ausgelaufen wäre, wurde der 38-Jährige entlassen. Die Massnahme ist verständlich, geht es doch in dieser Phase der Saison darum, die nächste Spielzeit zu planen. Mit allergrösster Wahrscheinlichkeit wird es die 16. hintereinander in der Challenge League sein. Hätte der FC Wil nun schon einen neuen Trainer präsentiert und die Saison noch mit Fünfstück zu Ende gespielt, hätten die Spieler nicht gewusst, wer nun das Sagen hat.

Doch die Freistellung hätte bereits im Dezember nach dem Ende der Hinrunde erfolgen sollen. Nämlich zu jenem Zeitpunkt, als man vermeldete, dass der auslaufende Vertrag nicht verlängert wird. Ein Neubeginn in jener Phase hätte als positive Begleiterscheinung mit sich gebracht, dass der neue Mann die Chance gehabt hätte, mit dem FC Wil um einen Barrage-Platz zu spielen. Zudem wären ganze sechs Monate zur Verfügung gestanden, um die Planungen für die nächste Saison voranzutreiben. Die Argumentation des FC Wil, er wolle und könne nicht sechs Monate lang zwei Trainer auf der Lohnliste haben, ist einerseits einleuchtend. Andererseits hat er sich nun mit einem über weite Strecken schwachen dritten Meisterschaftsviertel aber die Chance vertan, in den Genuss einer spannenden Schlussphase der Saison zu kommen. Das hätte zusätzliche Zuschauer-Einnahmen generiert und auch Sponsoren angezogen. Die paar tausend Franken Lohnkosten für den «doppelten Trainer» wären so zu kompensieren gewesen.

Nun bleibt zu hoffen, dass möglichst schnell eine definitive Trainer-Lösung präsentiert wird, damit die seit Monaten andauernde Trainer-Diskussion beendet und die neue Saison mit dem nötigen Vorlauf geplant werden kann.

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