Die Schwere der Taten erfordern es gewiss, dass ganz genau hingeschaut wird. Natürlich kann nicht einfach jemand weggesperrt werden. Natürlich hat jeder Angeklagte ein faires und fundiertes Urteil verdient. Das braucht Zeit. Aber wie viel darf es sein? Es kommen unweigerlich Fragen auf, wenn über fünf Jahre nach einer Serie an Gewalttaten noch immer kein Richterspruch vorliegt.

Man versetze sich mal in die Lage der Opfer. Eines hatte schlicht und einfach unglaubliches Pech und wurde innerhalb weniger Wochen gleich zweimal vom Angeklagten überfallen. Ein erstes Mal im Mc Donalds’s Wil kurz vor Mitternacht. Da der Geschädigte weiterarbeiten wollte, wurde der damals 22-Jähirge in eine Filiale nach St. Gallen versetzt und arbeitete nicht mehr spätabends. Und prompt wurde er am neuen Ort früh morgens überfallen – und sogar angeschossen. Der Mann öffnet heute keine Post mehr, nimmt keine Telefone mehr ab und hat sich aus dem sozialen Leben abgemeldet. Darum wohnt er wieder daheim.

Ähnlich geht es jenem Opfer, das aus Furcht vor dem Angeklagten aus dem Fester eines Erotikstudios sprang und sich so schwer verletzte, dass es mehrere Wochen auf einen Rollstuhl angewiesen war und bis heute nicht arbeitet. Verständlich, dass sich die beiden grundsätzliche Fragen zum Schweizer Rechtssystem stellen. Eine mehrjährige Verzögerung gab es, weil ein zusätzliches Gutachten zum psychischen Zustand des Täters eingeholt wurde, obwohl die Taten unbestritten waren. Es ging um die Therapie-Form. Mit dem Resultat, dass der Angeklagte nach wie vor voll schuldfähig und rückfallgefährdet ist, wenn auch im letzten Punkt scheinbar etwas weniger stark. Die bahnbrechenden neuen Erkenntnisse blieben aber aus.

In den nächsten Tagen wird das Urteil erwartet. Sollte danach eine der beiden Parteien in Berufung gehen, verzögert sich die Rechtskräftigkeit weiter. Davon ist allerdings nicht auszugehen. Eine gefühlt unendliche lange Zeit der Ungewissheit wird für die Opfer bald vorbei sein.

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