Es rumpelt gehörig in der Medienlandschaft. Auf nationaler Ebene äusserst sich dies unter anderem durch die Einstellung der gedruckten Ausgabe von «Blick am Abend» per Jahresende. Schon diese Woche erscheint am Freitag die letzte Ausgabe. Auch die herkömmlichen Wiler Medien «Wiler Zeitung» und «Wiler Nachrichten» haben zu kämpfen. Um überhaupt überleben zu können, müssen sie sich mittlerweile in grossen Verlagen zurechtfinden. Die gedruckten Zeitungen werden beide nur noch teilweise oder gar nicht mehr von der Ostschweiz aus gesteuert – geschweige denn von Wil. Der Bezug zur Region geht sukzessive verloren, da auf Verlagsebene ganz andere Interessen im Vordergrund stehen als jene von Stadt Wil und Umgebung. Wöchentliche Kolumnen von alt Bundesrat und SVP-Übervater Christoph Blocher lassen grüssen. Die überregionalen Ressorts der «Wiler Zeitung» werden ab nächstem Jahr in Aarau hergestellt.

Und eines ist klar: Der Prozess ist nicht abgeschlossen, wenn bei «CH Media» 200 der 2200 Mitarbeiter entlassen sind. Der Trend der tieferen Einnahmen bei Abonnenten und Inserenten wird anhalten. Denn am Ende des Tages ist es ein Teufelskreis. Durch die Abkehr von der Region geht bei der Bevölkerung die Bindung verloren. Zudem sorgen die in der Region verankerten Gratis-Online-Zeitungen mittlerweile dafür, dass ein guter Grundstock an lokaler Information vorhanden ist, und zwar zum Nulltarif.

Kommt dazu, dass der Beruf des Journalisten in den vergangenen Jahren an Ansehen verloren hat. Zwar werden zum Beispiel an der Fachhochschule in Winterthur jedes Jahr zahlreiche Journalisten ausgebildet, allerdings in einem Doppellehrgang mit dem Bereich «Unternehmenskommunikation». Viele Journalisten landen früher oder später im Kommunikationsbereich. Auch die Journalistenschule MAZ in Luzern hat zu kämpfen und bietet als Ersatz immer mehr Kurse für den Bereich «Kommunikation» an. Viele Journalisten sind bei immer schlechter werdenden Rahmenbedingungen in der Medienbranche nicht mehr oder zumindest nicht mehr das ganze Leben lang bereit, auch am Wochenende und am Abend zu arbeiten. Als Folge aus dem Imageverlust des Berufsstandes sehen sich die Wiler Medien zusehends mit dem Problem konfrontiert, kaum mehr Journalisten zu finden, die auch in Wil oder der Umgebung verwurzelt sind. Auch auf dieser Ebene ist es ein Teufelskreis.

Lesen Sie hier den Artikel zu den Entlassungen bei der «Swiss Regiomedia» der «Wiler Nachrichten» .