Einer geht nach Basel, einer kommt von dort. Das sind die doch bemerkenswerten Trainer-Rochaden, welche dieser Tage vonstatten gehen. Ciriaco Sforza hat als Übungsleiter beim FC Basel übernommen, der Basler Alex Frei heuert beim FC Wil an. Der 41-Jährige hat auf dem Bergholz einen Zweijahres-Vertrag unterschrieben. Mit ihm kommt Romain Villiger als Assistenztrainer. Die beiden hatten schon bei Basels U18 zusammengearbeitet.

Am Montagnachmittag leiteten die beiden bereits das erste Training auf dem Bergholz-Kunstrasen, wobei Frei klar im Lead war. «Den Ball wenn immer möglich auf den offensiven Fuss nehmen.» Von Anfang an war Frei ein aktiver Übungsleiter, obwohl er die Spieler erst zwei Stunden zuvor persönlich kennengelernt hat. Darf man nun ein weiteres Offensiv-Feuerwerk wie unter Sforza erwarten? Im grossen hallowil.ch-Interview (siehe unten) sagt Frei: «Wir wollen einen offensiven, technisch versierten, dynamischen, offensiven Fussball spielen, ohne die Defensive zu vergessen.» Sogleich lässt er aber die Floskel folgen: «Die Offensive gewinnt Spiele, die Defensive Meisterschaften.» Abgeschlossen wurde die gut 75-minütige Einheit mit einem aus dem Breitensport bekannten A….-Schiessen.

Video-Kommentar: Das meint hallowil.ch zu Alex Frei

 

Pfiffe gegen ihn nicht vergessen

Die Pressekonferenz vor dem Training hatte Frei mit einem Seitenhieb begonnen. Die Ostschweiz sei bisher nicht seine grosse Liebe gewesen, solle es nun aber werden. Es war eine Anspielung an jene Zeit seiner Aktivkarriere, als er in St. Gallen jeweils ausgepfiffen worden war – selbst im Dress der Schweizer Nationalmannschaft als Captain bei seiner Auswechslung. Das ist ein knappes Jahrzehnt her. Nun kommt Frei für zwei Jahre in die Ostschweiz – zum FC Wil. Und er sagt: «Es muss viel passieren, bis ich hier wieder gehe. Schon bei meinen bisherigen Stationen war ich meistens mehrere Jahre.» Auch die Suche nach etwas Ruhe habe eine Rolle gespielt. In Basel war er zuletzt im Fokus gestanden, nachdem er den Verein verlassen hatte, weil er mit Entscheidungen der Vereinsführung nicht mehr einverstanden war. So kam für ihn dann doch überraschend, dass er sich bei seiner Präsentation selbst in Wil rund 30 Journalisten gegenüber sah.

Ist das Bergholz nicht ein Rückschritt für Frei, der als Aktiver mehrere Jahre für Stade Rennes und Borussia Dortmund gespielt hatte, Vize-Torschützenkönig in Frankreich und Deutschland geworden war und mit 42 Toren nach wie vor bester Nati-Torschütze der Schweiz ist? Es war ja gemunkelt worden, man hätte ihm das Traineramt beim FC Basel angeboten. Der 41-Jährige sagt: «Wer mich genau verfolgt hat, der weiss, dass ich es ausgeschlossen hatte, Trainer des FC Basel zu werden. Wil war ein ganz bewusster Entscheid. So etwas hatte ich mir insgeheim erhofft. Es ist ein bodenständiger Verein, der weiss, wo er herkommt. Ich kann mich mit dem FC Wil voll und ganz identifizieren.» Es ist Freis erste Station als Profitrainer.

Im grossen Video-Interview: «War es eine Flucht aus Basel?»

 

Cup als «Nice to have»

Der neue Wil-Trainer wird auch Teil der Sportkommission sein. Bei Transfers wird sein Wort also Gewicht haben. Kommen nun weitere Spieler wie Julian von Moos in der vergangenen Saison vom Rheinknie aufs Bergholz? «Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, es hätte keine interessanten Spieler in Basel», sagte Frei. Zuerst sollen aber jene Spieler eine Chance bekommen, die aktuell in Wil sind. Vereinspräsident Maurice Weber ergänzte später, dass man schon noch die eine oder andere Position habe, auf welcher Handlungsbedarf bestehe. Er denkt an die Flügelposition, wo der Abgang des pfeilschnellen Kwadwo Duahs eine Lücke hinterlassen hat. Das grundsätzliche Ziel des Klubs bleibt unverändert: Weiterhin Talente an die höchste Liga heranführen.

Nur wenig Zeit bleibt bis zum ersten Pflichtspiel, das am kommenden Samstag in Aarau stattfindet und eine Cuppartie ist. «Ich werde auf viel Bewährtes zurückgreifen, aber doch zwei, drei Sachen ändern», sagt Frei. Was er damit andeutet: Im System – zuletzt oftmals ein 4-2-3-1 – müsse man flexibler werden. Viele Spieler kenne er bereits aus der U18-Meisterschaft. Der Cup sei ein «Nice to have». Wichtig sein dann aber die Meisterschaft. Diese beginnt eine Woche später in … Aarau.

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Der Liveticker der Pressekonferenz:

13.53 Uhr: Für heute soll es das gewesen sein. Vielen Dank für das Interesse. Und bis bald auf hallowil.ch.

13.51 Uhr: Am Donnerstagabend um 18 Uhr wird die neue Mannschaft samt neuem Trainergespann der Öffentlichkeit präsentiert. Das erste Pflichtspiel ist dann am kommenden Samstag, und zwar im Cup auswärts gegen den FC Aarau. hallowil.ch wird mit einem Liveticker aus dem Brügglifeld von Alex Freis Premiere an der Seitenlinie des FC Wil berichten.

13.48: Dann ist die Pressekonferenz auch schon vorbei. Um das neue Trainergespann und die Verantwortlichen des FC Wil bilden sich Trauben von Journalisten. Es ist Zeit für erste Interviews.

13.46: Dani Wyler fragt noch, ob die Senioren des FC Wil nun auf Tore des ehemaligen Top-Goalgetters hoffen dürfen? Immerhin spielte Frei zusammen mit Beni Huggel und Marco Streller noch ziemlich erfolgreich für die Senioren des SC Dornach. Doch Frei muss die älteren Herren enttäuschen: «Ich habe in letzter Zeit enorme Hüftprobleme bekommen. Die Hüfte macht das nicht mehr mit.»

13.45: Frei über seine Aufgabe beim FC Wil: «Ich bin es mir gewohnt, neue Mannschaften aufzubauen, das ist überhaupt kein Problem.»

13.43: Es geht jetzt um Frei jüngste Vergangenheit beim FC Basel, unter anderem um sein öffentlich gemachtes Kündigungsschreiben. Er werde kein schlechtes Wort über seinen Ex-Verein sagen, so Frei. Der FC Wil, «eine Suche nach Ruhe», nach der Zeit beim Schweizer Aushängeschild? Das spiele sicher auch eine Rolle, sagt Frei. Wil sei aber mehr als das. «Es braucht viel, dass ich hier wieder weg gehe.»

13.39: Ob er bei Transfers mitentscheiden wolle, wird gefragt, Frei nimmt schliesslich Einsitz in der Sportkommission des FC Wil. Das habe nicht oberste Priorität. Alles werde im Austausch mit Sportchef, Präsident und den weiteren Verantwortlichen entschieden, sagt Frei.

Es wird nachgefragt, ob man in Wil nun hoffen darf, dass gute Connections zum Nachwuchs des FC Basel spielen werden. Man würde lügen, wenn man sagt, dass es beim FC Basel keine interessanten Spieler gebe, in der U21, aber auch in der ersten Mannschaft, sagt Frei. Aber jetzt sollen sich die Spieler, die hier sind, erstmal präsentieren. Alles andere sei sekundär.

13.38: Und dann geht es schon in die Fragrunde der Journalisten. Erste Frage: Was kann man fünf Tage vor dem ersten Pflichtspiel noch machen? «Vieles von dem, was Ciri gemacht hat, muss man weiterführen. Natürlich gibt es zwei, drei Sachen, die man vielleicht ändern will, weil man einen etwas anderen Spielstil pflegen will.» Viele Spieler des FC Wil kenne er noch aus den Nachwuchs-Meisterschaften, als er Trainer anderer Teams war. Die müsse er nicht mehr gross kennenlernen. Aber klar, sonst brauche das Zeit.

13.35: Präsident Maurice Weber sagt: «Es musste ein Trainer sein, der junge Spieler weiterbringen kann.» Offensiver Fussball mit viel Ballbesitz solle gespielt werden im Bergholz. Von Frei erhofft man sich all das. Der FC Wil habe die Qual der Wahl gehabt, sagt Weber. Über 40 Bewerbungen seien eingegangen, darunter namhafte Trainer, auch solche mit Bundesliga-Erfahrung.

13.33: Was ihn am Projekt Wil reize, will Wyler vom neuen Trainer wissen. «Wenn mir vor neun Jahren jemand gesagt hätte, dass ich mal in der Ostschweiz Trainer werde, hätte ich ihn für verrückt erklärt», sagt Frei mit einem Augenzwinkern. Er sei aber überzeugt, «dass es die grosse Liebe wird». Wie schon seine Karriere als Spieler wolle er auch seine Trainerlaufbahn Schritt für Schritt planen, sagt Frei. Der FC Wil sei ein idealer Verein, um die ersten Schritte als Profi-Trainer zu machen.

13.32: «Ein Presseaufkommen wie in der Champions League», sagt Pressesprecher Dani Wyler und stellt auch Assistenz-Trainer Romain Villiger vor.

13.32: Und hier ist er. In Polo-Shirt und Jeans betritt Alex Frei den Presseraum.

13.25: Der Presseraum ist voll, in wenigen Augenblicken geht es los.

13.23 Uhr: Egal ob in der Schweiz, beim FC Luzern, Servette Genf und, zuletzt, beim FC Basel, in Schweizer Nationalmannschaft oder im Ausland bei Stade Rennes in Frankreich oder Borussia Dortmund in Deutschland: Getroffen hat der Rekordtorschütze der Nati überall zuverlässig. Zuletzt war Frei als Jugendtrainer beim FC Basel tätig, bevor er den Verein kürzlich im Zwist verliess. Mit Alex Frei dürfte der FC Wil also einen Trainer bekommen, der, ähnlich wie Ciriaco Sforza, es gut mit jungen Spielern kann. Man darf gespannt sein, wie sich die Handschrift des ehemaligen Vollblustürmers auf dem Spiel des FC Wil abzeichnet.

13.19 Uhr: Herzlich Willkommen zur Pressekonferenz live aus der Geschäftsstelle des FC Wil, wo in Kürze Alex Frei als neuer Trainer vorgestellt wird. Das Medieninteresse ist gross. Journalisten aus der ganzen Schweiz haben sich eingefunden, um von der Pressekonferenz zu berichten. Kein Wunder: Mit Alex Frei landet nach Ciriaco Sforza der nächste Ex-Profi mit schillernder internationaler Karriere auf den Trainerstuhl im Bergholz. Pablo Rohner tickert für sie durch die Pressekonferenz.

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Präsident Maurice Weber, Cheftrainer Alex Frei und Assistent Romain Villiger in der Geschäftsstelle des FC Wil. (pd)

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Alex Frei wird neuer Trainer des FC Wil (7.9.20)

Das Geheimnis ist gelüftet: Der neue FC-Wil-Trainer ist kein geringerer als der Top-Torschütze der Schweizer Nationalmannschaft, Alex Frei. Dies vermeldet das Online-Portal nau.ch am Montagmorgen. hallowil.ch-Recherchen bestätigen dies. Für den 41-jährigen Basler ist es die erste Station bei einem Profiverein. Bis vor kurzem war Frei Trainer der U21-Mannschaft des FC Basel gewesen. Nach Differenzen mit der Vereinsführung hatte er das Amt niedergelegt.

Alex Frei hat eine grosse Karriere als Fussballer hinter sich. In 84 Spielen für die Schweizer Fussball-Nationalmannschaft erzielte er 42 Tore, traf also in jedem zweiten Match. Somit ist er Rekordtorschütze der «Nati». Auf Klubebene spielte er 100 Partien für Stade Rennes in Frankreich und 74 Mal für Borussia Dortmund in der Bundesliga. Bei den Westfalen erzielte er 34 Tore. Auch in Wil hat Frei schon seine Spuren hinterlassen. Im Cup-Achtelfinal 2011 war der FC Wil auf gutem Weg, die Basler zu eliminieren. 2:1 führten die Äbtestädter in der zweiten Hälfte der Verlängerung - und spielten in numerischer Überzahl. Doch es kam zur grossen Wende. Zuerst nahm Philipp Degen den Ball mit der Hand mit und traf zum Ausgleich, der gegeben wurde. In der 118. Minute lupfte Basels Captain Frei den Ball zum Gäste-Sieg in die Maschen.

Pressekonferenz live

Nachdem Ex-Wil-Trainer Ciriaco Sforza vergangene Woche den FC Basel übernommen hatte, wechselt nun also Frei vom Rheinknie in die Äbtestadt. Details werden heute um 13.30 Uhr an einer Pressekonferenz bekanntgegeben. Dabei wird auch geklärt, wer beim FC Wil Assistent von Alex Frei wird. hallowil.ch berichtet mit einem Livestream und einem Liveticker von der Pressekonfrenz.

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