Angesprochen auf die Frage, ob sie im Falle einer Wahl eine Ostschweizer oder gar eine Wiler Bundesrätin werde, sagte Karin Keller-Sutter in eines der unzähligen Mikrofone: «Ich bin eine Ur-Wilerin und komme immer wieder gerne nach Hause.» Aber natürlich ist auch klar: Je weiter nach oben ihr politischer Weg führt, desto weniger kann sie sich um lokale Interessen kümmern. War es bis anhin zum Beispiel noch möglich, beim Öffentlichen Verkehr den Finger drauf zu halten und dafür zu kämpfen, dass dem Knoten Wil in einigen Jahren nicht noch mehr Ungemach droht, so würde sie als Bundesrätin ausschliesslich den rotweissen Hut aufhaben. Wiederholt hat sie an der Pressekonferenz von Dienstagnachmittag betont, dass die «Gesamtsicht» entscheidend wäre. Genau diese Flughöhe wird von einer Bundesrätin auch erwartet.

Brächte die Wahl Karin Keller-Sutters der Stadt Wil also gar nichts? Ganz im Gegenteil. Der Werbeeffekt wäre kaum bezahlbar. Wil profitierte vom guten Ruf der integren FDP-Frau weit über die Parteigrenzen hinweg. Wil profitierte vom grossen Netzwerk, dass sich die aktuelle Ständeratspräsidentin in den vergangenen Jahren aufgebaut hat. Wil profitierte aber vor allem auch von der Bodenständigkeit Keller-Sutters. Kurzum: Die Stadt, welche in den vergangenen Jahren kaum noch ein Bevölkerungswachstum hatte, würde grösser. In der Selbstwahrnehmung einerseits, in der Wahrnehmung westlich des Hinterthurgaus andererseits. Gerade in Zeiten, in welchen zwischen Wil, Sirnach und Münchwilen im Gebiet «Wil West» rund 2000 Arbeitsplätze anzusiedeln sind, den Hotels der Region Gäste fehlen und die Obere Bahnhofstrasse vor sich hindümpelt, käme ein bundesrätlicher Anschub mehr als willkommen. Vielleicht schafft es Karin Keller-Sutter ja sogar, dass in der nationalen Presse aus «Wil SG» einfach noch «Wil» wird.

Wie auch immer: Wil wäre stolz auf Bundesrätin Karin Keller-Sutter.

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Hallowil-Chefredaktor Simon Dudle meint: "Der Werbeeffekt von Bundesrätin Karin Keller-Sutter wäre kaum bezahlbar."