Herr Rutz, wie ist Ihr Befinden nach dem Rücktritt aus dem Stadtparlament, eher Entlastung oder eher Wehmut?

Eher Wehmut. Da mein Rücktritt einhergeht mit meinem beruflichen und familiären Wegzug aus Wil und die Stadt Wil in den letzten Jahren zu meiner neuen Heimat wurde, ist der Abschied doppelt schwer.

Wie lange haben Sie dem Stadtparlament angehört?

Seit Mai 2010

Was motivierte Sie für Ihr politisches Engagement?

Einerseits fasziniert mich die Politik allgemein. Das Verhandeln, Besprechen, Kompromisse schmieden, Wahlen und Abstimmungen gewinnen und verlieren, finde ich spannend. Andererseits war es mir immer ein Anliegen, mich in meiner Stadt für die Gemeinschaft zu engagieren. Und da die städtische Politik alle Einwohnenden unmittelbar betrifft, wollte ich immer mithelfen, die Stadt mitzuprägen und mit zu entwickeln.

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Roman Rutz beurteilt seine Zeit im Wiler Stadtparlament als lehrreich und bereichernd.

Welche politischen und gesellschaftlichen Anliegen waren Ihnen besonders wichtig?

Da ich lange in der Werkkommission war sicher die Energiepolitik. In meiner Zeit als Präsident der Werkkommission wurde der Energiefonds lanciert und das dazugehörige Reglement erarbeitet, mit dem heute Solaranlagen oder Gebäudesanierungen mitfinanziert werden. Das hinterlässt unmittelbar Spuren. Dann aber auch die Förderung des Langsamverkehrs in der Stadt, eine autofreie Altstadt und natürlich die Ausrufung des Klimanotstands. Hier müssen die Stadt, der Kanton und die ganze Schweiz dranbleiben, um möglichst schnell von fossilen Energien wegzukommen. Schliesslich lag mir als GPK-Mitglied aber immer auch der sorgsame Umgang mit den Finanzen am Herzen. Nicht etwa, um zwingend einen möglichst tiefen Steuerfuss durchzudrücken, sondern einfach um verantwortungsbewusst mit Steuergeldern umzugehen und diese so einzusetzen, dass sie möglichst effizient die gewünschte Wirkung entfalten (was beispielsweise bei der Subventionierung von Biogas nicht der Fall ist).

Welche Situationen im Parlament bleiben Ihnen unvergesslich?

Da gibt es einige: Etwa eine hitzige Kathi-Diskussion, wo ich mich selber aufgrund irreführender Voten provozieren liess, eine schlaflose Nacht, weil ein eigener Antrag wegen einem taktischen Fehler abgelehnt wurde und dann die ganze Vorlage nicht nach unserem Gusto herauskam oder aber auch angenommene Anträge, welche die Arbeit in der Verwaltung erleichterten oder heute noch positiv wirken.

Wie lautet Ihr Schlussresümee nach Ihrer Parlamentstätigkeit?

Die Parlamentsarbeit ist nicht immer sehr spannend, aber doch wahnsinnig lehrreich und bereichernd. Die Zusammenarbeit in der Fraktion und den Kommissionen waren immer sehr kollegial, man hat einander zugehört, sich gegenseitig unterstützt und gute Ideen fanden immer auch breite Mehrheiten. Kurz: Das politische System in Wil funktioniert!

Nun wird Ihnen mehr Zeit zur Verfügung stehen, wie werden Sie sie nutzen?

Da ich im September erstmals Vater werde, dürfte ich keine Probleme haben, die frei gewordene Zeit sinnvoll einzusetzen!