Vorweg: Die Betonung liegt jetzt wieder auf Aushängeschild. Viele Niederbürer sind stolz, ein so reich dotiertes Textilmuseum in ihren Gemarkungen zu wissen. Der Streit um den Kauf des Museums durch die Gemeinde und nach dessen Ablehnung um den Gemeindebeitrag von 100'000 Franken sind entschieden. Jetzt kann vorwärts geschaut werden. Der Trägerverein tat dies an der Feier zum 25-jährigen Bestehen des Textilmuseums. Präsident Richard Holenstein teilte mit, dass das Museum samt den Museumsgütern nun vollumfänglich im Besitz des Vereins sei. Nun werden die Prioritäten auf die Ausbildung zusätzlicher Museumsführer und die Wissensvermittlung durch das Erfassen der Museumsgüter und deren Funktionsweise gesetzt.

Nach einem Rundgang im Museum und einem Apéro wurde das Jubiläum bei einem Abendessen im Festzelt auf dem Museumsareal gefeiert. Allen voran unter den 150 Vereinsmitgliedern, Sponsoren und Gästen begrüsste Richard Holenstein den Gründer und Kurator des Museums, Gottlob Lutz mit seiner Frau Bärbel. Niklaus Hollenstein, der abtretende Gemeindepräsident von Niederbüren, bezeichnete das Museum «als Leuchtturm für das textile Schaffen in der Schweiz». Das Jubiläum sei ein besonderer Festtag für die Gemeinde. Niklaus Hollenstein hob die Verdienste der Familien Lutz, Georgii und Kettel für die Schaffung des Museums hervor und bedankte sich beim Museumsverein für den Einsatz um dessen Fortbestand.

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Auf den Schultern des Vorstandes des Museumsvereins lastet künftig die Verantwortung für das Textilmuseum: Alfred Torgler, Richard Holenstein (Präsident), Michael Huber, Daniela Bieri, Werner Koller, Gottlob Lutz und Felix Düring.


Nationale Anerkennung

Gottlob Lutz blickte auf die Vorgeschichte des Museums zurück. Im Jahr 1969 ist die Zetag, eine Textilfirma, im Sorntal gegründet und von Gottlob Lutz als Direktor geführt worden. Anfänglich sei auf 40 Saurer-Maschinen, später auf Sulzer-Maschinen gewoben worden. Man habe die Stoffe auch selber gefärbt und ausgerüstet und in 23 Länder geliefert. Der Erfolg habe das Erstellen eines grosszügigen Neubaus erlaubt. Ein alter Handwebstuhl, den er ursprünglich als Blickfang im Foyer des Neubaus habe aufstellen wollen, stand schliesslich am Beginn der «textilen Sammlerleidenschaft» von Gottlob Lutz. Es seien weitere Webstühle, Spulräder, Spinnräder, Werkzeuge der Leinenindustrie, Webmaschinen, Handstickmaschinen sowie Muster- und Geschäftsbücher dazugekommen. In 40 Jahren sei so eine ausserordentlich reichhaltige Sammlung entstanden. Im Jahre 2010 habe man von Bern das Prädikat «Museum von nationaler Bedeutung» erhalten. Gottlob Lutz schloss mit der erleichterten Feststellung, dass das Museum durch die Gründung des Museumsvereins am 23. August 2018 einer gesicherten Zukunft entgegen gehe.


Was es zu sehen gibt

Das ehemalige Spinnereigebäude im Sorntal aus dem Jahre 1850 wurde 1994 innen und aussen renoviert. Die nachgebildete «Museumsfabrik» ist ein Schaubetrieb der Technik und zeigt auf rund 900 Quadratmetern Ausstellungsfläche Zeugnisse und historische Textilmaschinen vom industriellen Aufbruch.

Im Erdgeschoss befinden sich zahlreiche funktionierende Maschinen aus der Frühzeit der Industrialisierung bis in die neuere Zeit. Im ersten Stock sieht man die ursprüngliche Situation eines Fabriksaals aus dem Jahre 1850. Gezeigt werden auch hölzerne Geräte aus der Heimindustrie. Es sind dies nicht nur Spinn- und Spulräder, sondern auch Arbeitsgeräte aus der Flachsverarbeitung, Handstickerei, Strickerei, dem Stoffdruck, der Strohverarbeitung, Jacquardweberei und Handweberei. Im Dachgeschoss sind das Archiv mit vielen Dokumenten und die Textilbibliothek zu finden.