Die Idee, in einem Verwaltungsgebäude in Bronschhofen Kunst auszustellen, klingt zunächst abenteuerlich. Die Aktion «Kunst im Foyer» der Fachstelle Kultur der Stadt Wil läuft trotzdem schon im sechsten Jahr. Und tatsächlich: Sobald man an der Haupstrasse 20 ankommt, beginnt das Ganze schon von aussen betrachtet Sinn zu machen. Der moderne, knallig grüne Bau harmoniert gut mit dem betonlastigen katholischen Pfarreiheim, das über die Strasse, etwas tiefer gelegen, zu sehen ist.

Valentina De Pasquale, die ab August als Kulturbeauftragte der Stadt Wil auf Kathrin Dörig folgt, führt durch zwei Schiebetüren ins Foyer. Dort wirken die kahlen Wände aus Sichtbeton wie Leinwände für die daran aufgehängten Kunstwerke des Wiler Künstlers Werner Angst. Etwa für das längliche Panel, das an der grössten Wand des Raums hängt. Meerwellen aus Draht, ein Walfisch und andere Wassertiere aus Blechschnipseln sind zu erkennen. De Pasquale drückt mit dem Schuh auf einen am Boden liegenden Knopf. Mechanische Geräusche ertönen und der Walfisch beginnt anmutige Schwimmbewegungen zu machen. Im rechten Teil des als Triptychon konzipierten Kunstwerks drehen sich filigrane Rädchen. Von hier kommen auch die Geräusche.

Rundgang durch die aktuelle Ausstellung bei «Kunst im Foyer» in Bronschhofen:

 

Neben dem Eingang sitzt eine Figur mit dem Schädel eines Kleintiers vor einer kleinen Standuhr mit rückwärts drehenden Zeigern. Es scheint bei diesem Objekt um Zeit und Vergänglichkeit zu gehen. Über eine freistehende Betontreppe geht es in den ersten Stock in die zweite Etage der Ausstellung. An den Wänden rund um das Atrium hängen weitere Werke von Werner Angst. Bei einem steigen Sonne und Mond abwechslungsweise aus einem Kornfeld, bei einem anderen tauchen Fische aus Draht aus einer Holzrinde. Ein bisschen wirken die durch Elektromotörchen bewegten Objekte wie Miniaturen von Jean Tinguely.

Wegen Corona mehr Kunst?

So wie aktuell Werner Angst mit seiner Ausstellung «Sehnsucht» konnten in den vergangenen Jahren verschiedene Künstlerinnen und Künstler mit Bezug zu Wil im Gebäude des BUV ihre Werke zeigen. Initiiert wurde die Plattform im Jahr 2014 von Kathrin Dörig. Auch Nachfolgerin De Pasquale ist angetan von der Aktion. Auf einem Bänkli vor dem Verwaltungsgebäude spricht sie über «Kunst im Foyer». 

«Es ist klar mein Ziel, dass diese Plattform weiterhin besteht», sagt De Pasquale. Das Budget für Drucksachen, Vernissagen, Sitzungsgelder und den administrativen Aufwand sei im Vergleich zum kulturellen Wert so klein, dass sie sich nicht vorstellen könne, dass die Position im Budget bestritten sein wird. Auch für das nächste Jahr ist sie optimistisch. Die Kulturbeauftragte schätzt, dass die Corona-Krise bei manchen Kunstschaffenden zu erhöhter Produktivität geführt habe – auch wenn sie viele von ihnen natürlich auch hart getroffen habe.

Dass für «Kunst im Foyer» in erster Linie die Lokalität ausschlaggebend sei, ermögliche, «ein breites Kunstschaffen zu zeigen», so De Pasquale. Auch ohne formale Kriterien sei Qualität der eingereichten Beiträge aber stets hoch. Die bei «Kunst im Foyer» ausstellenden Künstlerinnen und Künstler kommen aus verschiedenen Bereichen; Malerei, Installationskunst, Fotografie, Skulptur oder Objektkunst.

«Wenn es die Mitarbeitenden im Haus nicht stört, wären auch raumeingreifende Installationen denkbar», bringt De Pasquale die konzeptuelle Offenheit von «Kunst im Foyer» auf den Punkt. Barbara Badertscher, die im Büro hinter dem Foyer arbeitet, tritt dazu. Werner Angsts Ausstellung gefalle ihr bis jetzt am besten, sagt sie. Weniger berührt habe sie die Schau von Markus Ebner, dessen geometrische Bilder dafür De Pasquale als ein persönliches Highlight nennt. Generell freut es Badertscher, dass das ganze Jahr hindurch immer wieder andere Kunstwerke ins Foyer kommen.

Die Wiler Künstler scheinen nicht auszugehen

Eröffnet werden die Ausstellungen jeweils mit einer Vernissage. Ob es danach noch weiteres Programm gibt, bleibt den Künstlern überlassen. Manche bieten zum Beispiel an ausgewählten Daten Führungen an. Einzige Bedingung: Alles muss während den Öffnungszeiten des Verwaltungsgebäudes stattfinden können. Jeweils bis November können Künstler, die in Wil entweder einen Wohnsitz oder sonst einen engen Bezug zur Stadt haben, sich auf einen Ausstellungsplatz im folgenden Jahr bewerben. Eine Jury, bestehend aus Mitgliedern der Kulturkommission der Stadt, wählt dann die Künstler für das Jahresprogramm aus. 

Im Schnitt kommen so vier Ausstellungen pro Jahr zustande, die jeweils drei bis vier Monate dauern. 22 Künstler haben seit 2014 in Bronschhofen ausgestellt. Gehen «Kunst im Foyer» irgendwann die Wiler Künstler aus? De Pasquale winkt ab. Für das laufende Jahr jedenfalls habe wieder viele Bewerbungen gegeben. So viele, dass sie einige davon für künftige Ausstellungen zur Seite legen konnten. Also, auch wenn sie sich die Frage auch schon gestellt habe: «Zum Glück sieht es noch nicht danach aus.»