Zum Glück gibt es den FC Winterthur. Hätte es die beiden Spiele jetzt und im vergangenen Dezember gegen die Eulachstädter nicht gegeben, die Wiler wären nun schon seit Ende Oktober ohne Sieg. Aber es gibt ihn ja, den FC Winterthur, der mit einem völlig ungenügenden Auftritt in der ersten Halbzeit die Wiler geradezu einlud, den ersten Sieg des Jahres, ja gar des Jahrzehnts, zu realisieren. Vor der Pause brachten die Eulachstädter nicht einen Abschluss auf oder zumindest Richtung Wiler Tor zustande. Trainer Ralf Loose sah sich in der Pause zu einem Vierfach-Wechsel gezwungen. Fortan wurde das Gebotene zwar besser, mehr als der zwischenzeitliche Anschlusstreffer des Ex-Wilers Valon Hamdiu in der Schlussphase schaute aber nicht heraus.

Es würde der Sache jedoch nicht gerecht, wenn man den ersten Wiler Sieg des Jahres nur der schwachen Winterthurer Leistung zuschreiben würde. Denn die Äbtestädter zeigten die gewünschte Reaktion nach der schwachen zweiten Halbzeit von Aarau. Sie waren in guter Spiellaune, hatten Partie sowie Gegner fast durchgehend unter Kontrolle und führten zur Pause verdient mit 2:0. Sehenswert war der Führungstreffer nach knapp einer Viertelstunde, welcher seinen Ursprung bei einem Vorstoss Bledian Krasniqis auf der linken Seite hatte. Dieser legte quer auf Silvio, der den Ball im Strafraum geschickt abdeckte und so den Weg für Valon Fazliu freimachte. Zehn Minuten später doppelte der nun beste Wiler Torschütze dieser Saison nach. Dominik Schmid flankte in seinem Abschiedsspiel von links zur Mitte, wo Silvio knapp verpasste. Fazliu stand am hinteren Pfosten frei und wuchtete den Ball zu seinem neunten Saisontreffer in die Maschen. Hätte der Spielmacher zwischen den beiden Treffern ins Tor statt an die Latte getroffen, der Hattrick wäre perfekt gewesen.

17-Jähriger behält die Nerven

Auch so sollte die Differenz bereits gross genug sein. Nach dem Anschlusstreffer kamen die Wiler nicht mehr ins Zittern. Denn praktisch im Gegenstoss machte Alessandro Paunescu den Sack zu. Mustergültig vom ebenfalls eingewechselten Radivoj Bosic in die Tiefe geschickt, tauchte der Österreicher allein vor Winterthur-Goalie Raphael Spiegel auf und versenkte den Ball rechts unten.

Paunescu behielt also die Nerven und erzielte den Treffer im Stil eines abgebrühten Routiniers. Dabei ist genau das Gegenteil der Fall. Alessandro Paunescu ist im April gerade einmal 17 Jahre alt geworden und hat bisher ganze 38 Minuten Erfahrung bei drei Teileinsätzen im Prof-Fussball. In der Challenge League gab es bisher nur zwei noch jüngere Torschützen. Nämlich Lausannes Andi Zeqiri und Ferhat Saglam von Vaduz, die beide noch vor dem 17. Geburtstag erstmals getroffen hatten. Seit Winter ist Paunescu in Wil, nachdem er zuvor im Nachwuchs von Sturm Graz gross geworden war.

450 Tickets nicht vollständig gebraucht

So wurde der erste Wiler Sieg seit dem 15. Dezember einigermassen entspannt eingefahren. Im dritten Spiel der Saison gegen den «Lieblingsgegner» war es der dritte Vollerfolg – und dies bei einem Torverhältnis von nun mehr 10:1. Zum ersten Mal in diesem Jahr erzielten die Wiler mehr als einen Treffer pro Spiel. Letztmals war dies im vergangenen Dezember der Fall gewesen – natürlich gegen Winterthur.

Auch wenn der Wiler Auftritt nach der Pause nicht mehr ganz so dynamisch daher kam wie zuvor: Enttäuschend war nur der Zuschauer-Zuspruch im Bergholz. Die 450 Tickets, welche in den Vorverkauf gelangten, wurden bei weitem nicht abgesetzt. Alles in allem waren nur 300 Zuschauer live dabei. Gäste-Anhänger aus Winterthur waren keine zugelassen. Ob die Maskenpflicht in Stadion die Leute abgeschreckt hat? Einige Wiler Fans verzichteten auf den Einritt ins Stadion und feuerten ihr Team einmal mehr von ausserhalb an. Schade, denn das unterhaltsame Spiel hätte mehr Zuschauer verdient gehabt.

Die wichtigsten Szenen des Spiels: (Quelle: www.sfl.ch)

 

Challenge League, 26. Runde:
Wil - Winterthur 3:1
Stade Lausanne-Ouchy - Schaffhausen 1:1
Vaduz - Kriens 4:2
Chiasso - Aarau 1:3
Grasshoppers - Lausanne-Sport 3:1

FC Wil 1900 – FC Winterthur 3:1 (2:0)

Bergholz: 300 Zuschauer. – Sr: Wolfensberger.

Tore: 14. Fazliu 1:0. 24. Fazliu 2:0. 86. Hamdiu 2:1. 87. Paunescu 3:1.

FC Wil 1900: Kostadinovic; Padula (52. Schäppi), Muntwiler, Schmied, Schmid; Ndau (63. Ismaili), Abedini; von Moos (78. Duah), Fazliu, Krasniqi (78. Bosic); Silvio (78. Paunescu).

FC Winterthur: Spiegel; Isik (46. Hamdiu), Bühler (63. Kriz), Lekaj; Tranquilli, Pepsi, Doumbia, Schättin; Da Silva (46. Ltaief), Sliskovic (46. Bdarney); Buess (46. Mahamid).

Bemerkungen: Wil ohne Kamberi (gesperrt), Brahimi, Rohner (verletzt), Traber, Wörnhard und Celant (nicht im Aufgebot). Winterthur ohne Alves, Arnold (gesperrt), Roth, Costinha, Callà (verletzt), Milosavljevic, Liechti, Radice, Wild und von Niederhäusern (nicht im Aufgebot). Verwarnungen: 1. Muntwiler (Foul, im nächsten Spiel gesperrt), 30. Padula (Foul). 36. Tranquilli (Reklamieren), 47. Bdarmey (Foul). – 18. Lattenschuss Fazliu.

Rangliste:
1. Lausanne-Sport 26/54. 2. Vaduz 26/44. 3. Grasshoppers 26/44. 4. Kriens 26/40. 5. Stade Lausanne-Ouchy 26/33. 6. Wil 26/32, 7. Aarau 26/32. 8. Winterthur 26/32. 9. Schaffhausen 26/28. 10. Chiasso 26/17.

Nächste Spiele (27. Runde):
Dienstag, 30. Juni: Schaffhausen - Vaduz (18.15 Uhr), Winterthur - Aarau (18.15 Uhr), Grasshoppers - Wil (20.30 Uhr), Lausanne-Sport - Stade Lausanne-Ouchy (20.30 Uhr).
Mittwoch, 1. Juli: Kriens - Chiasso (18.15 Uhr).

Valon Fazliu im Video-Interview: «Wir waren agressiver»

 

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Der Liveticker:

Für den FC Wil geht es am kommenden Dienstag im Zürcher Letzigrund gegen GC weiter. Spielbeginn ist um 20.30 Uhr. hallowil.ch hält sie auch dann mit einem Livetticker auf dem Laufenden. Für heute soll es das gewesen sein. Danke für Ihr Interesse und ein gutes Wochenende.

Schlussfazit: Nach Hamdius Anschlusstreffer fünf Minuten vor Schluss musste auf Wiler Seite nur kurz gezittert werden. Mit dem ersten Angriff danach traf der 17-jährige Paunescu zur Entscheidung und bescherte Sforza und seiner Mannschaft einigermassen entspannte Schlussminuten. Damit geht Alessandro Paunescu in die Geschichtsbücher ein. Er ist der drittjüngste Spieler, der je in einer der beiden höchsten Schweizer Ligen ein Tor erzielte. Zumindest bis morgen klettert der FC Wil mit dem Sieg auf Platz 5 der Challenge League.

Schlussfazit: Winterthur kam genau zur richtigen Zeit. Dank einer über weiten Strecke starken ersten Halbzeit, in der Fazliu einen Doppelpack schnürte, schlägt Wil die Eulachstädter zum dritten Mal in Serie und schon zum fünften Mal in Folge im Bergholz. Andere Statistiken gingen heute Abend zu Ende. Zum Beispiel diese: Zum ersten Mal seit elf Spielen erzielte im FCW-Derby beide Teams ein Tor. Schöne Randnotiz: In seinem letzten Heimspiel für den FC Wil buchte Dominik Schmid einen Assist. Er bereitete Fazlius 2:0 vor.

Schlusspfiff im Bergholz: Der FC Wil besiegt den FC Winterthur mit 3:1.  Erster Sieg für die Äbtestädter im Jahr 2020.

90. Minute: 3 Minuten Nachspielzeit werden angezeigt. Nach Paunescus Antwort sollte das Ding hier gelaufen sein.

87. Minute: TOOOOOOOR für den FC Wil durch Paunescu zum 3:1. Wil antwortet postwendend. Paunescu ist nach einem Konter frei durch und schliesst von der Strafraumgrenze überlegt an Spiegel vorbei ab. Eiskalt vom 17-Jährigen Winterzugang aus Graz. Damit ist Paunescu der drittjüngste Torschütze, der je in einer der beiden höchsten Schweizer Ligen getroffen hat - um einen Tag.

85. Minute: TOOOOR für den FC Winterthur durch Hamdiu zum 2:1-Anschlusstreffer. Nach einem missglückten Befreiungsschlag kommt der Ball zum Ex-Wiler, der aus rund 16 Metern trifft. Beginnt nun das grosse Zittern? 

85. Minute: Nochmals Freistoss für Winterthur: Tranquilli stellt sich in Ronaldo-Terminat0r-Manier auf. Und tatsächlich: Ohne jeden Effet fliegt der Ball scharf aufs Tor, Kostadinovic pariert zum Eckball.

83. Minute: Vielleicht noch etwas früh, aber: Wird das hier der dritte Sieg zu Null gegen Winterthur in dieser Saison?

80. Minute: Wil muss jetzt arbeiten, um die Führung zu verteidigen. Abedini und Muntwiler jeweils mit "schönen" Grätschen. Zehn Minuten vor Schluss hat Winterthur das Heft in der Hand. Doch noch lässt die Wiler Hintermannschaft nicht viel zu. Sforza scheint zu spüren, dass seine junge Mannschaft jetzt seinen Einfluss von der Seitenlinie braucht. Der Trainer gestikuliert und kommandiert jetzt ständig.

78. Minute: Dreifach-Wechsel beim FC Wil: Für Krasniqi kommt Bosic, von Moos wird durch Duah ersetzt, für Silvio kommt Paunescu. 

76. Minute: Nächster Abschluss für Winterthur: Mahamid mit zuviel Rücklage beim Kopfball. Auch wenn die Gäste die Torschuss-Statistik inzwischen aufgebessert haben, gefährlich wurde es vor Kostadinovic noch nicht so richtig. 

76. Minute: Offizielle Zuschauerzahl: 300. Trotzdem machen auch heute einige Fans Stimmung von hinter dem Gitter im Sektor D.

74. Minute: Keine einfache Situation für Wil jetzt. Das Spiel plätschert so dahin, aber noch sind 15 Minuten zu spielen. Ein Gegentor, und das wird hier eine richtig heisse Schlussphase. Freistoss für Winterthur. Aber Kostadinovic pflückt die etwas zu hoch getretene Flanke von Pepsi sicher runter.

73. Minute: Doumbia legt raus auf den aufgerückten Bdarney, der aus rund 20 Metern schiesst. Kostadinovic hat den Ball sicher.

70. Minute: Wieder mal ein Torschuss für Winterthur: Bei einer Freistoss-Variante wird der Ball quergelegt und dann geschossen. Gute fünf Meter daneben. 

69. Minute: Winterthur geht hier deutlich ruppiger zur Sache als in der ersten Halbzeit. Ist das schon Frust oder doch der Versuch, über den Kampf ins Spiel zu finden?

66. Minute: Nicht nur wegen seiner beiden Tore macht Fazliu hier ein richtig starkes Spiel. Flinke Füsse, mit Übersicht und guten Ideen: Fazliu spielt hier ganz wie eine Nummer 10. Was Wils Nummer 22 ja auch ist, nominell. 

64. Minute: Erst erobern Krasniqi und Silvio mit vereinten Kräften den Ball, dann versucht Krasniqui das Spiel schnell zu machen. Der Ball kommt schliesslich zu von Moos, der es mit einem Schlenzer versucht. Dieser verunglückt aber gröber.

63. Minute: Wechsel bei Wil: Ismaili kommt für Ndau. Auch Winterthur wechselt zum letzten Mal. Kriz ersetzt Bühler.

62. Minute: Gleich nochmals Wil: Nach einem scharfen halbhohen Schuss von halblinks im Strafraum muss sich Spiegel strecken um den Ball noch um den Pfosten zu lenken. 

60. Minute: Als hätten sie es gelesen: Das hätte das 3:0 sein müssen. von Moos ist nach Ballgewinn über rechts frei durch. Doch statt selber abzuschliessen sucht er den besser postierten Mitspieler in der Mitte. Doch sein Zuspiel holpert, so dass Krasniqi Zeit braucht, um den Ball zu kontrollieren. Sein Abschluss wird geblockt. Da darf man mehr draus machen.   

59. Minute: Ob es an den 17 Fans ohne Hygienemaske liegt? Wie Winti in der ersten Halbzeit traut sich nun auch Wil nicht mehr vor das Tor vor Sektor D.

57. Minute: Langsam muss Wil hier wieder einen Gang höherschalten. Derzeit verlassen sie sich nur noch aufs Kontern.

56. Minute: Hartes Einsteigen von Doumbia, der aber mit einer Ermahnung davonkommt. 

54. Minute: Nächste gefährliche Aktion der Gäste: Ausgehend von Ltaief wursteln sich die Winterthurer in den Strafraum, am Ende ertönt ein Offside-Pfiff. Schade für Kostadinovic, dessen starke Parade im Eins-gegen-Eins damit nicht in die Statistik eingeht. 

53. Minute: Erster Wechsel bei Wil: Für den fleissigen Padula kommt Schäppi. Es ist sein 101. Pflichtspiel-Einsatz für die Äbtestädter.

51. Minute: Winterthur kommt besser aus der Kabine - und fast zum Anschlusstreffer. Ein Weitschuss wird von einem Wiler gefährlich abgelenkt und geht knapp rechts am Tor vorbei. Erster Torschuss für Winterthur am heutigen Abend.

48. Minute: Energieanfall von Padula, der den Ball aus der eigenen Hälfte bis kurz vor den Strafraum trägt. Beim letzten Abspiel fehlt dann die Kraft, es landet bei einem Winterthurer.

46. Minute: Winterthur-Trainer Loose bringt gleich vier (!) Neue: Lateif kommt für Da Silva, Bdarney für Buess, Hamdiu für Isik und Mahamid für Sliskovic.

46. Minute: Das Spiel ist wieder freigegeben.

Die Mannschaften kommen zurück auf den Platz. Kann Winterthur im Derby den Schalter noch umlegen? Gleich geht es weiter.

Mal sehen, ob Ralf Loose seine Mannschaft in der Kabine wachrütteln kann. Bei Winterthur dürfte es bald ein paar Wechsel geben. Während die Wiler Ersatzspieler ein paar lockere Pässe schlagen, werden die Spieler in den roten Trikots von einem Staff-Mitglied beim intensiven Warmmachen angeleitet.

Pausenfazit: 69 Prozent Ballbesitz, 5:0 Schüsse, 2:0 Tore: Bisher ist das Derby eine klare Sache für Wil - und der Pausenstand geht völlig in Ordnung. Winterthur mit einem ganz schwachen Auftritt bisher. Körpersprache, Emotionen; da kommt bisher viel zu wenig von den Eulachstädtern. Der bisher uninspirierte Auftritt der Winterthurer soll aber Wils Leistung nicht schmälern. Das Team scheint von Trainer Sforza hervorragend eingestellt, kontrolliert das Spiel, ohne Aggressivität vermissen zu lassen, und kommt immer wieder gefährlich in den Strafraum.

45. Minute: Nach einem letzten Wil-Angriff über links pfeift Schiedsrichter Wolfensberger pünktlich zur Pause. 

44. Minute: Gute Aktion von Innenverteidiger Schmied, der eine gefährliche Flanke von rechts mit dem Scheitel gerade noch so ablenkt, dass der Ball über alle Spieler im Strafraum hinwegfliegt. Das hätte gefährlich werden können. 

44. Minute: Mit seinen zwei Toren in dieser Halbzeit übernimmt Fazliu auch die Spitze in der internen Torschützen-Liste. Mit seinem neunten Treffer verdrängt er den im Winter nach Sion abgewanderten Stojilkovic, der achtmal getroffen hatte. 

40. Minute: Tranquilli luchst Ndau den Ball ab. Über Da Silva geht es dann schnell auf die linke Seite. Den Querpass fängt Muntwiler aber ab. 

39. Minute: Wiedermal ein schöner Angriff der Wiler: von Moos dringt über rechts mit Tempo in den Strafraum ein und legt dann etwas unsauber in den Rückraum ab. Krasniqi kommt zum Abschluss, der Ball geht aber gute zwei Meter über das Tor.

36. Minute: Gelb für Tranquilli, der Krasniqi rüde umtritt. Der verletzte Winterthur-Captain Davide Callà kann es nicht fassen und schimpft hörbar von der Tribüne.

34. Minute: Erster Corner für die Gäste, die in den letzten Minuten etwas stärker aufgekommen sind. Die Aktion wird geklärt, und schon geht es über Krasniqi schnell. Der Flügel trägt den Ball bis kurz vor den Sechzehner und will dann auf von Moos durchstecken. Doch der steht im Offside. 

32. Minute: Krasniqi macht das geschickt, lehnt sich in den Gegner, hält selber und lässt sich dann fallen. Er bekommt den Freistoss. Überhaupt macht Krasniqi den Eindruck, als wolle er seinen Start-Elf-Einsatz sinnvoll nutzen.

30. Minute: Gelb für Padula, der mit offener Sohle in den Zweikampf geht.

29. Minute: Wil hat hier alles im Griff. Anders als am Dienstag in Aarau scheint hier die Konzentration bisher nicht nachzulassen. Wil gewinnt mehr Zweikämpfe, wirkt bissiger und williger. Das schlägt sich auch in der Ballbesitz-Statisitk nieder: 70 Prozent für Wil.

27. Minute: Für die Statistik-Nerds: Zum ersten Mal 2020 erzielt der FC Wil mehr als ein Tor in einem Spiel. Zum letzten Mal gelang dies, sie ahnen es, gegen Winterthur im Bergholz. Das war am 15. Dezember 2019 beim 4:0-Heimsieg.

23. Minute: TOOOOOOOOR für den FC Wil durch Fazliu zum 2:0. Wieder stark von Silvio, der den Ball am Winterthurer Sechzehner erkämpft. Sekunden später verlängert er Schmids Flanke von links etwas unfreiwillig. Halbrechts ist Fazliu völlig blank und drischt den Ball unhaltbar in die Maschen. Doppelpack.

21. Minute: Gleich die nächste Ecke für Wil: Diese wird geklärt, dann steht ein Wiler im Abseits.

20. Minute: Nächster Corner für Wil, das hier ganz klar tonangebend ist. Von Winterthur kommt hier bisher noch gar nichts.

19. Minute: Wil powert weiter. Fazliu mit dem Weihschuss, den Spiegel gerade noch an die Latte lenkt. Eine Szene später wird der Torschütze gefoult und holt einen Freistoss aus gefährlicher Position heraus. Krasniqi schiesst flach in die Mauer.

17. Minute: Erste Ecke für Wil, die aber nichts einbringt.

15. Minute: Das war eine ganz starke Aktion von Krasniqi und Silvio. Und auch der Abschluss war eiskalt. 

14. Minute: TOOOOOOR für den FC Wil durch Fazliu zum 1:0. Krasniqi tankt sich über links durch und spielt rein. Silvio macht den Ball mit dem Rücken zum Tor auf der 5-Meter-Raum-Linie fest und überlässt dann Fazliu, der das Spielgerät mitnimmt und aus spitzem Winkel flach ins lange Eck trifft. Marke "sehenswert". 

13. Minute: Knifflige Szene vor dem Wiler Strafraum. Da Silva wird von zwei Wilern bearbeitet und kommt zu Fall. Schiedsrichter Wolfensberger zögert kurz, lässt dann aber laufen.

11. Minute: Wil ist um einen gepflegten Spielaufbau und Kontrolle bemüht. In den ersten Minuten gelingt das ganz gut.

8. Minute: Trotz feststehendem Wechsel zum FC Lugano nach der Saison ist Abedini hier voll bei der Sache, verteilt und fordert Bälle, gibt Anweisungen.

6. Minute: Auf das «Es git nur ein FCW» aus dem Sektor D kommt heute von gegenüber nichts zurück. Gästefans durften keine anreisen.

4. Minute: Es ist gleich richtig Feuer im Derby. Krasniqi kriegte einen Zweikampf abgepfiffen und regt sich ziemlich auf. 

1. Minute: Frühe erste Verwarnung gegen Wil: Achte gelbe Karte in dieser Saison gegen Captain Muntwiler, der damit im nächsten Spiel in Zürich gegen die Grasshoppers gesperrt ist. Wenn das nur gut geht.

1. Minute: Ein Muster zieht sich bislang durch diese Rest-Saison. Wie gegen Lausanne und in Aarau wird auch diese Partie zwei Minuten zu früh angepfiffen. 

1. Minute: Der Ball rollt. Winterthur stösst an. 

So, alles angerichtet. Gleich geht es los. Viel Spass mit FCW gegen FCW.

Zwei Akteure werden geehrt vor dem Anpfiff: Silvano Schäppi für das 100. Pflichtspiel für den FC Wil, das er am Dienstag in Aarau bestritten hat. Und Dominik Schmid, weil er den FC Wil schon Ende Juni verlässt. Wie es bei ihm weitergeht, ist noch nicht kommuniziert worden.

Die Spieler kommen aufs Feld.

Ein schönes Bild: Offene Buvetten und, wenn auch äusserst spärlich, Fans auf der Gegentribüne.

Geleitet wird das Spiel von Schiedsrichter Sven Wolfensberger aus Bern. 

Winterthurs Trainer Ralf Loose vertraut in einem 3-4-2-1-System wie immer auf Goalie Spiegel. Die 3er-Abwehr bilden von rechts her gesehen Isik, Bühler und Captain Lekaj. Im eigentlichen Mittelfeld spielen von rechts nach links Tranquilli, Pepsi, Doumbia und Schättin. Davor agieren Da Silva (rechts) und Sliskovic. Einzige Sturmspitze ist Buess. Hier fällt auf, dass Captain Callà verletzt ist und auf der Tribüne platznimmt.

Kommen wir nun zu den Aufstellungen: Der FC Wil spielt unter Trainer Ciriaco Sforza im gewohnten 4-2-3-1-System mit folgenden Spielern: Kostadinovic steht zwischen den Pfosten. Vor ihm bilden von rechts nach links Padula, Captain Muntwiler, Schmied und Schmid die Viererkette. Vor den beiden defensiven Mittelfeldspielern Ndau (rechts) und Abedini sollen im offensiven Mittelfeld von rechts her gesehen von Moos, Fazliu und Krasniqi Mittelstürmer Silvio unterstützen.

Auch die Tabellensituation ist geradezu ideal für das Derby. Mit einem Sieg würde Wil an Winterthur vorbeiziehen und zumindest bis morgen auf Rang 5 und damit in die obere Tabellenhälfte vorstossen.

Winterthur hatte es in den ersten zwei Spielen der Rest-Saison zwei Mal mit schweren Gegnern zu tun. Gegen Vaduz setzte es eine Klatsche ab, gegen GC kamen die Eulachstädter zu einem beachtlichen Remis. Resultatmässig ähnlich erging es dem FC Wil seit dem 19. Juni. Auf die kämpferisch starke Leistung gegen Lausanne (1:1), als Muntwiler in der Schlussminute den Ausgleich erzielte, folgte in Aarau der harte Realitätscheck (1:4). Heute dürfte es für den Captain schwieriger werden, seine «Torjäger-Qualitäten» unter Beweis zu stellen: Der Routinier muss den gesperrten Kamberi in der Innenverteidigung ersetzen. Nicht wirklich Neuland für Muntwiler, der während seiner Zeit in Vaduz oft im Abwehrzentrum eingesetzt worden war. Mal schauen, ob die Offensive um Silvio und Fazliu heute für die Tore sorgen kann. Spannend zu sehen wird auch sein, ob von den Flügeln heute frischer Wind kommt. Im Vergleich zur Startelf von Aarau schenkt Trainer Sforza statt Bosic nun Krasniqi und von Moos von Beginn weg das Vertrauen.

Wohin geht der Trend? Diese Frage stellt sich heute für beide Teams. Sowohl der FC Wil wie auch der FC Winterthur sind jeweils mit einem beachtlichen Unentschieden gegen Spitzenteams und einer herben Klatsche in die Rest-Saison gestartet. Auf Wiler Seite stellt sich die Frage: Wenn nicht heute, wann dann? Die Zeichen für den ersten Wil-Sieg im Jahr 2020 könnten nicht besser stehen. Die letzten vier Heimspiele gegen die Eulachstädter gewann Wil allesamt zu Null. Zumindest einseitige Derby-Stimmung dürfte heute auch aufkommen im Bergholz. 450 Tickets gingen für Wil-Fans in den freien Vorverkauf. Auswärtsfans sind wegen den Corona-Massnahmen noch nicht zugelassen. Und übrigens: Herzlich willkommen zu diesem Liveticker. Wir sind schon mitten drin in der Sache. Pablo Rohner tickert für Sie. 

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Die Vorschau:

Für das Derby gegen den FC Winterthur gelangten am Donnerstagnachmittag 450 Tickets in den freien Vorverkauf. Es waren 30 Tribünentickets und 420 Stehplätze. Somit kehrt der FC Wil grossmehrheitlich zur Normalität zurück. Denn diese Anzahl Tickets deckt oftmals die Nachfrage. Nur in der Minderheit der Fälle gehen mehr als 450 Tickets an Wil-Fans raus. Aber Obacht: Es gilt Maskenpflicht im Stadion. Nur unter diesem Aspekt darf der FC Wil das Kontingent von 1000 Personen ausschöpfen.

Der grosse Unterschied zu einem gewöhnlichen Derby ist freilich, dass keine Gäste-Fans zugelassen sind. Für gewöhnlich reisen die Eulachstädter mit einer grossen Fangemeinde an und sorgen für stimmungsvolle Spiele. Ob dieses Mal keine Winterthurer im Stadion sind, ist hingegen nicht sicher. Sollten sich nämlich Fans aus dem Umfeld der Eulachstädter über den normalen Vorverkauf Tickets sichern, so kann das nicht verhindert werden – Fan-Verbot für den Gast-Klub hin oder her. Um die Situation unter Kontrolle zu haben, sind die beiden Vereine im Vorfeld miteinander in Kontakt. In Winterthur veranstalten sie ein Public Viewing im Stadion Schützenwiese – von allen Spielen dieses Sommers. Denn als «Winti-Fan» ist es aktuell doppelt bitter. Die Heimspiele finden im Zürcher Utogrund statt, da in der «Schützi» ein neuer Rasen verlegt wird. Will heissen: Gar kein Live-Fussball bis in den September hinein für den geneigten Winterthurer Fussball-Liebhaber.

Nur ein Team trifft

Sportlich sticht folgendes ins Auge: So sehr die Äbtestädter immer wieder dem FC Aarau auf die Sprünge helfen, so sehr dient ihnen der FC Winterthur wiederholt als Aufbaugegner. Im Bergholz haben die Wiler die letzten vier direkten Vergleiche allesamt gewonnen – zu Null. Fast noch extremer: In den letzten acht Spielen zwischen den beiden FCWs trafen die Winterthurer siebenmal nicht ins Wiler Tor. Und am allerextremsten: In den vergangenen elf direkten Duellen traf immer nur höchstens ein Team. Seit über drei Jahren war der Führungstreffer also jeweils gleichbedeutend mit dem Sieg in diesem Derby.

Erklären lässt sich dies nur schwerlich. Denn in den vergangenen Jahren begegneten sich die beiden Klubs oftmals auf Augenhöhe im ausgedehnten Mittelfeld der Liga. Darum sind die Zahlen umso erstaunlicher. Kommt der Lieblingsgegner gerade richtig? Der letzte Wiler Sieg in dieser Meisterschaft wurde – selbstverständlich – gegen den FC Winterthur eingefahren. Es war ein 4:0-Erfolg am 15. Dezember im letzten Spiel vor der Winterpause – und das einzige Spiel seit dem 3. November, in welchem die Wiler mehr als einen Treffer erzielt haben.

Den Aarau-Eindruck korrigieren

Aus Wiler Sicht gilt es den fahrigen Eindruck zu korrigieren, welchen das Team bei der 1:4-Niederlage am Dienstagabend in Aarau in der zweiten Halbzeit hinterlassen hat. Die Eulachstädter sind ebenfalls mit einem Wechselbad der Gefühle in die Nach-Corona-Phase gestartet. Beim FC Vaduz setzte es eine 1:4-Klatsche ab, dafür trotzte man im ersten Utogrund-Spiel den Grasshoppers ein beachtliches Remis ab – zum dritten Mal in dieser Saison.

Aus Wiler Sicht wären Punkte auch wichtig, weil es danach doppelt schwierig wird. Denn in der Woche nach Winterthur heissen die Gegner zuerst GC auswärts und dann Kriens zuhause. Beide sind im Kampf um die Barrage dringend auf Punkte angewiesen.