Die Entwicklung im Bereich Elektrosmog und Strahlenbelastungen nahm nicht schon immer zu. Es gab auch deutliche Reduktionen, wie Studien zu entnehmen ist. Eine der wohl stärkeren Strahlenbelastungen ergab sich mit dem Radiosender Beromünster, der aber seit 2008 abgeschaltet ist. Die Schweiz gehört zu den Staaten, welche höhere Vorsorge treffen als es die EU-Grenzwertempfehlungen des ICNIRP verlangen. Mit dabei sind Liechtenstein, Luxemburg, Russland und Polen.

«Höchste Strahlenbelastung kommt vom eigenen Handy»
Strahlen von Mobilfunkantennen machen Angst. Neue Funkmasten treffen oft auf Opposition wie es aktuell bei Vorlagen von Funkmastenprojekten der Fall ist. Dass die Strahlenbelastung seitens der Behörden ernst genommen wird, zeigen aktuelle Karten über E-Smog-Belastungen. Der Elektrosmog stammt allerdings nicht allein von Mobilfunkantennen, sondern ebenso von Handys, Schnurlostelefonen, Radio, Fernsehen und Kabellosnetzwerken.

Die grösste Elektrosmog-Quelle tragen wir mit unserem Handy immer bei uns. «Die höchste Strahlenbelastung kommt nicht von den Mobilfunkantennen, sondern vom eigenen Handy» sagt Gregor Dürrenberger von der Forschungsstiftung Mobilkommunikation. «Jeder ist also zumindest mitverantwortlich, wie viel Strahlung er abbekommt», so das Fazit von unzähligen wissenschaftlichen Studien. In der Bevölkerung ist das noch nicht wirklich angekommen. Eine Mobilfunkantenne will niemand in der Nähe haben, aber aufs Handy verzichtet keiner.

Angst vor Strahlen macht krank
Betroffene berichten von starken Kopfschmerzen, Schlafstörungen oder Muskelzittern. Wissenschaftliche Beweise gibt es dafür aber keine. Die Mediziner zweifeln die Symptome der Elektrosensiblen nicht an. Sie wissen, dass nur schon die Angst vor den Strahlen krank machen kann.

Interessant ist in diesem Zusammenhang eine Untersuchung aus Deutschland. Schlafforscher überwachten den Schlaf von 400 Probanden in der Nähe eines Sendemasten. Jeder Dritte entpuppte sich als elektrosensibel und schlief schlechter. Was die Probanden jedoch nicht wussten: Während der Hälfte der Versuchsnächte war die Sendeanlage ausgeschaltet. Die Angst vor den Strahlen war offensichtlich stärker.

Wie viele Mobiltelefone gibt es in der Schweiz?
Ohne Smartphone oder Handy wären heute viele verloren. In der Schweiz gab es bereits im 2007 erstmals mehr Mobilfunk-Abonnemente als Menschen. Und dieser Vorsprung ist seither deutlich gewachsen. Rund 10 Millionen Smartphones und Handys dürften aktuell in der Schweiz benutzt werden. Genau 9‘943‘000 Mobilfunkabonnemente liefen per Ende des dritten Quartals 2012 über die Schweizer Anbieter Swisscom, Sunrise und Orange – und es werden mit jedem Tag mehr. Zum Vergleich: Im Jahr 2000 hatten die Mobilfunkanbieter erst 4.4 Millionen Abonnemente verbucht.

Im europäischen Mobilfunk-Vergleich bewegt sich die Schweiz aktuell im Mittelfeld. Gemessen an der Einwohnerzahl liegt die Marktdurchdringung hierzulande bei rund 123,7 Prozent. Auf jeden Einwohner entfallen somit etwa 1,2 Mobiltelefone. Klarer Spitzenreiter in Europa ist hier Finnland mit 171,5 Prozent Marktdurchdringung, gefolgt von Portugal mit 151,2 Prozent. Das ergab 2012 die Studie Telecoms Market Matrix des Beratungsunternehmens Analysys Mason.

Bewilligung und Kontrollen von Mobilfunkanlagen
Der Ausbau des Handynetzes erfordert jedes Jahr Hunderte neuer Mobilfunkantennen. Ein gut funktionierendes Bewilligungs-, Abnahme- und Kontrollprozedere stellt sicher, dass die Grenzwerte für nichtionisierende Strahlung (NIS) eingehalten werden.

In der Schweiz werden aktuell vier Mobilfunkstandards (GSM, UMTS, LTE, TETRAPOL) eingesetzt, welche in sechs Frequenzbändern (400, 800, 900, 1800, 2100 und 2600 MHz) betrieben werden können. Für die Bewilligung und Kontrolle von neuen Mobilfunkanlagen und deren NIS-Beurteilung sind die Kantone und Gemeinden zuständig. Die Qualitätssicherungssysteme für Mobilfunkanlagen sollen sicherstellen, dass die Mobilfunkanbieter ihre Sendeanlagen bewilligungskonform betreiben und die Grenzwerte der NISV (Nicht ionisierende Strahlungsverordnung) einhalten.

Strahlung in der Umgebung einer Mobilfunkanlage
Strahlung in der Umgebung einer Mobilfunkantenne mit einer äquivalenten Sendeleistung von 1000 Watt ERP im Frequenzbereich um 900 MHz. Die Antenne befindet sich auf einem 20 Meter hohen Mast und ist leicht gegen den Boden gerichtet. (Siehe Grafik).

Die Intensität der Strahlung in der Umgebung einer Mobilfunkanlage hängt von mehreren Faktoren ab. Alle diese Parameter werden von den Bewilligungsbehörden bei der Berechnung der Immissionen einer geplanten Anlage berücksichtigt:

 Äquivalente Sendeleistung: Je grösser die Sendeleistung einer Anlage, desto grösser ist auch die Strahlungsintensität in der Umgebung.

 Räumliches Abstrahlungsmuster der Antenne: Die Antennen von Basisstationen strahlen nicht in alle Richtungen gleich stark. Vielmehr bündeln sie die Strahlung - ähnlich wie ein Autoscheinwerfer - und lenken diese in die gewünschte Hauptstrahlrichtung. Ausserhalb des Kegels ist die Strahlung zwar noch vorhanden, aber stark reduziert.

 Abstand zur Antenne: Bei doppeltem Abstand sinkt die elektrische Feldstärke auf die Hälfte. Dies gilt insbesondere entlang der Hauptstrahlrichtung. Am Boden ist der Verlauf dagegen komplizierter. So stammen die Immissionen im Nahbereich einer Antenne primär von den Nebenkeulen. Ausserhalb ihres Einflussbereichs steigt die Feldstärke mit zunehmendem Abstand allmählich an, weil hier die Strahlung des Hauptkegels dominiert.

 Dämpfung durch Mauerwerk und Dächer: Mauerwerk und Dächer schwächen die von aussen auf ein Gebäude treffende Strahlung ab. Dies gilt auch für das Gebäude, auf dem eine Anlage steht. Falls sich in einem Betondach keine Oberlichter befinden, wird die Strahlung zu einem grossen Teil abgeschwächt. Durch unbeschichtete Glasfenster, Ziegel- und Holzdächer kann die Strahlung hingegen leicht eindringen.

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Tipps zur Verminderung der Elektrosmog-Belastung
Ein grosser Teil der elektromagnetischen Felder, welchen wir im täglichen Leben ausgesetzt sind, stammt von Elektrogeräten und Hausinstallationen. Sie entstehen immer dann, wenn ein Gerät mit Strom betrieben wird. Durch einen bewussten Umgang mit elektrischen Geräten können die Felder im Haushalt deutlich reduziert werden. Grundsätzlich empfiehlt sich die AAA-Regel (Ausstecken, Abschalten, Abstand halten).

Die AAA-Regel
 Ausstecken. Lassen Sie mögliche Strahlungsquellen gar nicht erst entstehen: Stecken Sie unbenutzte Geräte und Verlängerungskabel aus.

 Ausschalten. Schalten Sie unbenutzte Elektrogeräte aus. Denn auch der Standby-Betrieb verursacht elektromagnetische Felder. Sie sparen zudem Energie, wenn Sie Geräte, die Sie gerade nicht benötigen, ausschalten.

 Abstand halten. Halten Sie Abstand von Elektrogeräten (Elektroverteilern, Elektroheizungen, Elektroboilern, Geräten mit Netzteilen oder Transformatoren). Da magnetische Felder nur schwer abzuschirmen sind, ist das besonders wichtig. Es empfiehlt sich als Faustregel, einen Abstand von einem Meter im Allgemeinen und einen Abstand von zwei Metern im Schlafbereich einzuhalten.

Mobiltelefon
 Verwenden Sie nur Mobiltelefone mit tiefen SAR-Werten. Der SAR-Wert gibt an, wie viel Energie beim Telefonieren tatsächlich auf den Körper übergeht (www.handywerte.de).

 Verzichten Sie im Auto auf Mobiltelefone oder verwenden Sie zumindest Freisprechvorrichtungen mit einer Aussenantenne.

 Benutzen Sie Ihr Handy wenn möglich ausserhalb von Räumen.

 Halten Sie Ihr Handy während des Anrufaufbaus nicht direkt ans Ohr.

 Halten Sie Ihre Gespräche möglichst kurz.

Festnetz-Telefon
 Verzichten Sie wenn möglich auf schnurlose Telefone oder verwenden Sie einen schnurlosen Apparat, der nicht permanent sendet, sondern nur während des effektiven Gesprächs (Label wie «Eco DECT» oder «Ecomode plus»).

Computer
 Schalten Sie kabellose Netzwerkverbindungen (WLAN) aus, wenn diese nicht benötigt werden.

Schlafzimmer
 Installieren Sie im Schlafzimmer keine netzbetriebenen Radiowecker, Niedervolt-Halogenlampen und Ladegeräte oder halten Sie zumindest eine Entfernung von zwei Metern vom Kopfbereich zum Gerät ein.

 Stellen Sie im Schlafzimmer keine Basisstationen von Schnurlostelefonen auf.

(Quellennachweis: BFU: Bundesamt für Umwelt; e-sogmessung.ch; informationszentrum-mobilfunk.de