Drei bewährte Lehrpersonen haben am 7. Juli 2017 ihren letzten Schultag an der Primarschule Oberuzwil mit einer ganz besonderen Abschiedszeremonie erlebt. Cécile Ottiger-Schönenberger, Jean-Marc Possa und Annelies Lehmann verlassen die Schule nach engagierter Tätigkeit. Jeannette Schaller wurde für dreissig Jahre Unterrichtstätigkeit in unterschiedlicher Funktion geehrt. Sie bleibt jedoch weiterhin an der Schule tätig.Wie an einem Popkonzert
Alle Schülerinnen und Schüler der Primarklassen an der Oberuzwiler Schule waren in äusserst geordnetem Einzug in die Halle geführt worden. Sie beklatschten während der Abschiedszeremonie schon bald alles und jedes, pfiffen und freuten sich, hier etwas geboten zu bekommen anstatt im Schulzimmer zu sitzen. Es herrschte eine friedliche, fröhliche Stimmung, wenn auch möglicherweise ganz im Geheimen in den Herzen der Geehrten doch auch leise Wehmut zu vernehmen war. Schliesslich ist so ein Abschied ein nicht unerheblicher Einschnitt ins Leben nach langjähriger Berufstätigkeit.

Bilderreigen
Die Schulleitung hatte sich von überall her Bilder der zu Ehrenden erbeten und daraus eine stimmige PowerPoint-Präsentation erstellt. Cécile Ottiger-Schönenberger, Jean-Marc Possa und Annelies Lehmann durften auf hübschen „Thronen“ – von Handarbeitslehrerin Lea Bernhardsgrütter liebevoll farbig gestaltet – Platz nehmen. Gespannt schauten sie auf ihre Karriere in Bildern zurück, hielten sich manchmal gar die Hände vors Gesicht vor Schreck, wenn ihnen ein Föteli doch gar zu weit vom heutigen Stand aus schien. Die Kinder auf den Bänken und Stühlen lachten jeweils laut auf, wenn wieder ein lustiger Schnappschuss gezeigt wurde.

Witzige Ansprache
Schulleiterin Regula Linder hatte ihre Ansprache an die Scheidenden an die nicht allzu lange Aufmerksamkeitsspanne der Kinder angepasst. Mit lustigen Comic-Figuren illustrierte sie das Pädagogenleben der drei Personen. Sie erklärte den Kindern, dass „Frau Ottiger“ weiterhin in die Schule gehen werde, allerdings weit, weit weg, nämlich in Beijing, der Hauptstadt des Riesenreichs China. „Herr Possa“ sei ab jetzt dann vermutlich öfters im Garten anzutreffen. Sicher habe es in der Halle viele Kinder, denen er zu einem Lernerfolg habe verhelfen können. Und „Frau Lehmann“ liebe das Wallis und den dortigen Weisswein. Die Kinder quittierten alle Aussagen mit riesigem Gejohle und Geklatsche.

Cécile Ottiger, an vielen Fronten tätig
Cécile Ottiger-Schönenberger hat 36 Jahre auf der Unterstufe mit viel Herzblut und Verständnis für die Kinder unterrichtet. Es waren „ihre“ Kinder. Sie hat auch unzählige Male ältere Menschen mit ihren Buben und Mädchen mit Gesang und Gedichten unterhalten, sei dies in den hiesigen Altersheimen oder im Wohnheim Bisacht, immer sehr zur Freude der Zuhörerschaft. Die Kinder lernten dabei, dass Freude machen auch einem selber Freude bringt. In unzähligen Stunden hat sie zudem zig Kindern das Gitarrespielen beigebracht. Nun zieht es sie in die Fremde. Sie wird in Beijing am Aufbau einer Schweizerschule tätig sein und freut sich auf diese neue, unbekannte Welt.

Annelies Lehmann
Die Unterstufenlehrerin hat während 31 Jahren an der Oberuzwiler Primarschule kleine Buben und Mädchen Lesen und Schreiben – und noch viel Anderes… - gelehrt, war dazwischen auch als Unterstützung in der Schulleitung tätig und hatte auch sonst noch manches Pöstchen an der Schule inne. Regula Linder rechnete vor, wie viele Hefte sie in diesen langen Jahren korrigiert und wie viele Kinder in ihrem Schulzimmer gesessen haben. Nun geht die Lehrerin in den verdienten Ruhestand. Regula Linder überreichte ihr einige Flaschen Walliserwein, denn nun werde Annelies Lehmann bestimmt öfters in diesem Kanton anzutreffen sein.

Jean-Marc Possa
Der Schulische Heilpädagoge Possa kann nicht so viele Jahre in Oberuzwil aufweisen, es sind nämlich nur gerade fünf. Er hat aber vorher viele, viele Jahre in Uzwil gewirkt und langjährige Erfahrung mit Kindern mit besonderen Bedürfnissen mitgebracht. Vorgestellt wurde er bildlich als „Possa, der Boss“. Er hat den Anteil männlicher Lehrpersonen markant erhöht, denn es sind nur noch – wie an den meisten Schulen - wenige Männer an der hiesigen Primarschule tätig. Dabei ist die männliche Sichtweise auf die Dinge doch vor allem für Knaben äusserst wichtig. Er scheint sich aber in dieser kurzen Zeit eine richtige „Fangemeinde“ unter der Schülerschar aufgebaut zu haben, war doch der Lärm ohrenbetäubend, als der Heilpädagoge eine wunderschöne Pflanze als Geschenk für sein Wirken überreicht bekam.

Dank der Kinder
Cécile Ottigers Schülerinnen und Schüler traten mit chinesischen Hütchen auf und sangen zur Gitarre von Monika Schmitz Isenegger „Bruder Jakob“ (besser als „Frère Jacques…“ bekannt) auf Chinesisch vor. Ob alles wirklich gestimmt hat, konnte vermutlich kaum jemand in der Halle beurteilen... Vielleicht kann das Cécile Ottiger nach ihrem Wirken in China dann tun. Sie lernt jedenfalls fleissig Mandarin, die chinesische Hochsprache. Der Liedvortrag berührte sie sichtlich.

Für Annelies Lehmann hatten - von Job-Sharing-Partnerin Sandy Ruben angeleitet – ihre Erstklasskinder ein lustiges Gedicht von Joachim Ringelnatz zum Thema SEEKUH eingeübt. Mit Erstaunen wurde vernommen, dass diese Tiere mit den Hufen melken können…

Jean-Marc Possa seinerseits bekam von einer Gruppe Buben und Mädchen - unterstützt von Kollege Thomas Nägeli am Flügel und Helena Castiglione als „Coach“ - ein tansanisches Lied geschenkt. „Malaika“ ist durch die bekannte Sängerin Miriam Makeba weltberühmt geworden und hat sogar Eingang ins Mittelstufengesangbuch gefunden. Zaghaft stimmten auch Kinder in der Halle ins Lied ein, denn der Text – auf Deutsch – war auf die Leinwand projiziert worden.

Ehrung für Jeannette Schaller
Die Schulische Heilpädagogin Jeannette Schaller hat vor dreissig Jahren an der Oberuzwiler Primarschule als Lehrerin für die dritte und vierte Klasse angefangen. Mit der Zeit stellte sie fest, dass sie die Arbeit mit Kindern mit besonderen Bedürfnissen sehr reizen würde. Sie hat deshalb die Hochschule für Heilpädagogik in Zürich absolviert und sich so das Rüstzeug für diese anspruchsvolle Tätigkeit geholt. Ihre Diplomarbeit schloss sie mit der Höchstnote ab. Schulleiterin Regula Linder sprach Jeannette Schaller für ihre Verdienste um die Oberuzwiler Primarschule den besten Dank aus und überreichte ihr ein Geschenk. Jeannette Schallers Knowhow bleibt der Oberuzwiler Schulgemeinde erhalten.

Weitere Abgänge
Drei Lehrpersonen haben eine neue Herausforderung gesucht und gefunden und verlassen deshalb die hiesige Schulgemeinde. Gaia Kollbrunner, Raphaela Keller und die Schulische Heilpädagogin Donatella Roja wurden mit einem Blumenstrauss verabschiedet.

Auch die Buben und Mädchen der sechsten Klassen haben zum letzten Mal in der Primarschule gesessen. Eine stattliche Anzahl stand auf Aufforderung von Regula Linder auf und wurde mit grossem Applaus verabschiedet. Sie werden nun im Oberstufenzentrum Schützengarten eine erweiterte Welt des Wissens entdecken und schon bald sich über die berufliche Zukunft Gedanken machen dürfen/müssen.

Überraschung
Dann war es endlich soweit: Annelies Lehmann, Cécile Ottiger und Jean-Marc Possa durften durch eine lange, lange Spalierschlange all der die Ferien sehnlichst erwartenden Schülerinnen und Schüler aus der Halle herausschreiten. Auf dem Vorplatz wartete ein Schimmelpaar – in strahlendstem Weiss und mit hübsch gezöpfelter Mähne herausgeputzt – mit dem stolzen Besitzer Kurt Erni, Kutschenfahrer aus Leidenschaft. Die Geehrten durften einsteigen, bekamen ein Glas Champagner als Wegzehrung und fuhren schon bald winkend aus dem Areal. Cécile Ottiger fuhr allerdings nicht mit, sie wollte erst nach Hause, um sich nach der langen Nacht mit ihren Schülerinnen und Schülern im Badezimmer noch etwas erfrischen zu können. Sie fuhr später mit ihrem eigenen Auto nach Wil.

Dort sollten dann die Kolleginnen und Kollegen ebenfalls eintreffen und mit den drei verabschiedeten Personen im Hof zu Wil gemeinsam essen und so auf kollegiale Weise „Adieu“ zu sagen.

Wie sagte Schulleiterin Linder noch? „Macht es gut!“ Das ganze Team wünscht den Pensionierten viel Freude für den neuen Lebensabschnitt und Cécile Ottiger viel Befriedigung und kreative Ideen für ihre neue Aufgabe in Beijing.


Primarschule Oberuzwil

Schweizerschule in Peking/Beijing

Schweizerschule in Beijing – Lehrpersonen und mehr

Gedicht von Joachim Ringelnatz – Die Hochseekuh

Malaika – gesungen von Miriam Makeba

Kutschenfahrten