Die Bräuche, den Winter zu vertreiben, sind alt und vielfältig. Ein auch in Teilen der Ostschweiz bekannter Brauch ist der Funkensonntag. Er ist auf den ersten Sonntag nach dem Aschermittwoch festgesetzt. Die Ortsbürger von Flawil pflegen ihn seit gut 20 Jahren wieder. Zum fünften Mal ist der Funken nun auf dem Landberg aufgeschichtet und abgebrannt worden. Die Hauptarbeit hat Landwirt Roman Stüdli geleistet. Er ist selber Ortsbürger und hat auch das Land zur Verfügung gestellt. Der Böögg auf der Spitze des Funkens stammt von Kindern der Heilpädagogischen Schule Flawil.

In diesem Jahr musste man sich fragen, was es zu vertreiben gibt. Der Winter ist auf unserer Höhenlage praktisch vollständig ausgeblieben. Weil aber der Frühling bestimmt kommt, konnte der lodernde Funken auch als Willkommgruss an den Frühling verstanden werden.

Im Video: Der Böögg ist angezählt

 
Video: Josef Bischof

Böögg überlebte den Sommer

Der erste Tag im März begann verheissungsvoll. Bis in den Nachmittag herrschte strahlendes Frühlingswetter. Gegen Abend zogen allerdings immer mehr Wolken auf. Aber um 19 Uhr konnte der Holzstoss noch bei milder Temperatur und Windstille angezündet werden. Auch wenn die Wetterprognose für den späteren Abend nichts Gutes verhiess, musste der Anlass im Gegensatz zum Vorjahr nicht abgesagt werden. Damals liess eine Sturmwarnung die Absage schon am Samstag ratsam erscheinen. Das hatte unter anderem zur Folge, dass für dieses Jahr kein neuer Böögg gefertigt werden musste.

Warten, bis es knallt

Auf dem Landberg war auch heuer fast der ganze Ortstbürgerrat anwesend. Seine Mitglieder engagierten sich im Getränkeverkauf. Monika und Guido Fürer von der Metzgerei Fürer grillierten Würste. So war für Verpflegung für die recht zahlreichen Schaulustigen gesorgt. Im Übrigen warteten sie gespannt darauf, wie lange es bis zur Explosion der Petarde im Kopf des Bööggs dauern würde. Beim Zürcher Sechseläuten wird aus der Dauer auf die Qualität des kommenden Sommers geschlossen. In Flawil dauerte es diesmal nur zehn Minuten – vor zwei Jahren waren es rund 30 Minuten – und das verhiesse einen schönen Sommer.


Am Funkensonntag, dieses Jahr genau am 1. März und damit am meteorologischen Frühlingsanfang, gab es kurz nach der Feier aber ein ordentliches Donnerwetter mit Regengüssen und Sturmböen.