Sven, wie lange voltigierst du schon und was fasziniert dich daran?
Ich voltigiere jetzt schon seit 15 Jahren, also eigentlich schon fast seit ich denken kann. Am Sport fasziniert mich am meisten, wie ich mich selber und mein Team an die Grenzen pushen kann. Ich persönlich merke, wie sich meine Grenze immer weiter nach oben verschiebt.

Du warst ja diesen Sommer an der WM in Budapest. Was ist das für ein Gefühl, als 20-Jähriger an einer WM zu sein?
Es ist ein mega cooles Gefühl, an der WM teilzunehmen dürfen . Ich merke, dass ich tatsächlich einer der Besten auf der Welt bin. Das löst einiges in mir aus. In Budapest war es super, endlich konnte ich wieder das Wettkampffeeling spüren, welches ich ein Jahr lang wegen Corona nicht konnte.

Als Zimmermann hast du diesen Sommer deine Lehre abgeschlossen, wie gross ist deiner Meinung nach der Kontrast zum Voltigieren? 
Der Kontrast von meinen Beruf als Zimmermann zu meinen Hobby ist von mir aus gesehen sehr gross. Das eine ist mein Beruf, bei dem ich 45 Stunden pro Woche arbeite, bei dem ich Geld verdiene. Beim Voltigieren gebe ich es wieder aus: Voltigieren ist mein Hobby, was viel Geld und auch sehr viel Zeit beansprucht.

Gibt es einen, vielleicht nur kleinen, Zusammenhang zwischen Zimmermann und Voltigieren?
Ja, bei beidem kommt man alleine nicht weiter und wird nicht besser. Erst wenn man sich helfen lässt und auch selbst eine grosse Selbstdisziplin mitbringt, wir man besser.

Musst du dein Hobby manchmal verteidigen? In den Köpfen vieler Menschen ist deine Sportart eher ein «Meitlisport» ...
Ich finde es ehrlich gesagt ein bisschen schade. Denn ich empfinde Voltigieren absolut nicht als «Mädchensporart». Aber ja, früher in der Schule gab es manchmal Kinder, die mir dumme Sprüche an den Kopf geworfen haben. Ich bin aber dankbar, dass fast alle Leute in meinem Umfeld mein Hobby akzeptierten. Ich denke, die Menschen um mich herum wissen ganz genau, dass Voltigieren ein anstrengendes Hobby ist. Und: «Dumme Sprüche» gehören ja auch ein bisschen dazu, wenn man ein etwas anders ist.

Würdest du alleine vom Voltigieren leben wollen? 
Ich glaube, wenn ich vom Voltigieren leben könnte, wäre das grösste Plus für mich die Zusammenarbeit mit jungen, sportbegeisterten Menschen, die dasselbe Ziel vor Augen haben. 

_____________________________________________________________________________________________________________

So hat hallowil.ch bisher berichtet (26.8.2021)

Voltige Lütisburg qualifiziert sich für die WM in Budapest

Voltige Lütisburg hat während den ganzen Sommerferien zahlreiche Lagertrage für alle Vereinsmitglieder durchgeführt. Das Junioren-Kaderteam um Martina Brander und das Elite-Team mit Trainerin Moni Winkler absolvierten ihre jeweiligen Intensivtrainings, welche anfangs Saison zur optimalen Vorbereitung für die Championate – Junioren-EM in Le Mans (F) und Senioren-WM Budapest (HUN) – angedacht waren. 

Sven Ris an der WM dabei

«Wir sind bereit», erklärt Moni Winkler mit fester Stimme. «Acardi, Sven, ich bin Bereit, am Sonntag nach Budapest zu reisen. Bereit, unsere Leistungen abzurufen, das im Training Erarbeitete umzusetzen, eine gute Zeit zu verbringen.» Moni Winkler ist überzeugt, dass Sven Ris reelle Chancen hat, sich unter den ersten sieben Plätzen zu platzieren.

Einschätzung ist dieses Mal extrem schwer

Fakt ist, dass seit Ende Juli 2019 kein Messen auf der internationalen Bühne stattgefunden hat. Die Konkurrenz ist eine grosse Unbekannte. «Ich finde es wahnsinnig, eine Einschätzung abzugeben. Es hat noch nicht mal Teilnehmerlisten gegeben. Zwischendurch konnten vage Nominierungen der Deutschen vernommen werden. Doch wer effektiv in Budapest am Start sein wird, weiss man nicht. Oder wie gearbeitet wurde in der Zwischenzeit. Mangels internationaler Qualifikationsturnieren (die WM-Teilnahme wurde nach internen Sichtungen definiert) wissen wir nichts über unsere Mitstreiter und ihre Pferde.» Ob Sven sein Potential in der für ihn unbekannten Senioren-Kategorie bereits voll ausschöpfen kann, wird sich weisen. «Auf jeden Fall werde ich Sven dahingehend unterstützen, dass er einen herausragenden Eindruck hinterlässt auf dem neuen Terrain. Sven ist ein ambitiöser talentierter Stern am Voltigehimmel, seine feine leichte Art zu turnen ist absolut zeitgemäss», schwärmt Moni Winkler.


Das Ziel ist unter die Top 10 zu kommen

Sven selber ist weniger optimistisch aufgestellt. «Der Start in der Seniorenkategorie fordert mich sehr», gibt der junge Mann offen zu. «Es hat zahlenmässig massiv mehr Kompetitoren. Im Hinblick auf deren Qualität ist der Unterschied enorm zu den Junioren, hat es doch Athleten am Start, welche bereits seit 12 Jahren als Senioren voltigieren. Und auch die anderen Newcomer haben Quantensprünge vollbracht in den letzten zwei Jahren.» Gewohnt selbstkritisch, beschränkt sich Sven’s Erwartungshaltung auf seine eigene Leistung. «Ich wäre sehr frustriert, wenn ich in der Kür runterfallen würde. Mein Ziel ist es, auf Acardi zu zeigen was ich kann, und in den Top 10 zu rangieren.» Mit einem Anflug von Wehmut deutet er auf den bedeutungsvollen Moment hin, welcher seinen Traum vom Junioren-Weltmeister platzen liess. Ermelo 2019. Das Bild von Acardi, als er im Zirkel stehen blieb, und Sven chancenlos runterfiel, hat jeder noch vor Augen. «Der WM-Titel war greifbar. Ich hatte ihn mir erarbeitet, Schritt für Schritt. Diese Möglichkeiten werde ich bei den Senioren nicht mehr ausschöpfen können. Ich glaube, dass andere nachkommen, die stärker sind als ich», meint Sven Ris mit einem Anflug von Melancholie in der Stimme. Ihm fehle der Biss, bei den Senioren durchzustarten; insbesondere angesichts der beindruckenden Franzosen-Reihe.