Wer schon einmal an einer Führung durch den Hof zu Wil teilgenommen hat, weiss wie verwinkelt der monumentale Gebäudekomplex ist. Schnell kann man im unübersichtlichen Gemäuer die Orientierung verlieren. In früheren Jahrhunderten war es zudem nur spärlich beleuchtet.

Mit etwas Fantasie kann man sich leicht vorstellen, welcher Schauer einem erfassen würde, wenn unerwartet aus dem Dunkeln ein unheimlicher Hund auftauchte. Eine Sage berichtet von einem grossen weissen Pudel, der einst nachts durch die Räume des Hofs strich. Er soll jeweils durch eine Türe ins sehr weitläufige Dachgeschoss verschwunden sein.

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Im verwinkelten und weitläufigen Dachstock des Hofs soll der Hund jeweils verschwunden sein. 

Skelett gefunden

Als man anfangs des 19.Jahhunderts eine Abortgrube beim Hof ausgebessert habe, sei dort ein menschliches Skelett mit einem Schlüsselbund zum Vorschein gekommen, erzählt die Legende. Die Bevölkerung habe sofort eine gedankliche Verbindung zum gespensterhaften Pudel hergestellt. Was es mit dem aufgefundenen Gerippe auf sich hatte, konnte nie geklärt werden.

Poltergeist in der Scheune

Ein weiteres gespenstisches Wesen soll einst im Lindenhofquartier sein Unwesen getrieben haben. Das heutige Wohnquartier lag damals noch weit ausserhalb der Stadt. Sn der Toggenburgerstrasse stand eine rot bemalte Scheune, die «Rotschür» genannt wurde. In ihr hauste gemäss der Sage ein Poltergeist. Erst als man an dieser Stelle ein Kreuz mit der Mutter Gottes im Schmerz angebracht habe, sei Ruhe eingekehrt.

Die alte Stadt

Nicht weit von jenem Ort, in der Gegend der heutigen Thuraustrasse, soll laut einer weiteren Legende der ursprüngliche Standort von Wil gewesen sein. 

Erst später wurde die Stadt auf dem Hügel, auf dem die Altstadt heute steht, errichtet worden sein. Im Volksmund soll diese Region noch lange als «in der alten Stadt» bezeichnet worden sein. Und ein dort befindlicher Weg wurde «Leichengasse» genannt.

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So sah die Kirche St. Peter in früheren Jahrhunderten aus. 

Gebrochenes Versprechen

Eine weitere mittelalterliche Sage erzählt vom Schicksal von Kunigunde, Schenkin von Landegg, einer Wiler Bürgerin aus niederem Adel. Sie war mit Ritter Ulrich von Mumprat die Verlobung eingegangen. Obwohl sie in Erwartung war, löste er sein Eheversprechen nicht ein.

1466 stiftete sie einen Altar, ein Messbuch, Messgewänder, ein Wohnhaus sowie die Unterhaltszahlung für einen Geistlichen, unter der Auflage, dass der erste Nutzniesser dieser Schenkung ihr Sohn sei.

Eltern von Sohn getraut

Als dieser als Priester seine erste Messe las, bat er Gott, dass mit diesem Tage der Mutter Schmerz in Freude verwandelt und ihrer Frauenehre Genüge getan werden möge.

Da erklang ein heftiges Dröhnen wie von einem schweren Erdbeben. An der Gruft, wo Ulrich Muntprat begraben lag, wurde der grosse Stein weggehoben, der Ritter trat heraus und reichte seiner ehemaligen Braut die versprochene Hand.

Beide traten vor den gemeinsamen Sohn und wünschten, dass er den Ehebund segne.

Nach der Messe bettete der Ritter seine Frau neben sich in der Gruft, anschliessend schloss sich der Stein wie von selbst.

Das Gotteshaus wurde mehrmals umgebaut, angeblich soll dabei der entsprechende Abdeckstein der Gruft beseitigt worden sein.