r selbst beschreibt sich als kreativ, mitdenkend und konsensorientiert. «Ich probiere zu vernetzen und Kompromisse zu finden. Als Mitte-Politiker neige ich eher nach links als nach rechts», sagt Roland Bosshart, designierter Wiler Parlamentspräsident im Gespräch mit hallowil.ch. Die Sache soll im kommenden Jahr im Vordergrund stehen, nicht die Person. Die «Allparteilichkeit» will er stets im Fokus haben und weder eine Partei noch eine Person bevorzugen. Von Vorgänger Marc Flückiger, der ihm am Donnerstagabend das Amt übergibt, möchte der Ur-Wiler die Effizienz übernehmen – und zusätzlich ein besonderes Augenmerk auf die gute Qualität legen.

Seit genau zehn Jahren politisiert der Vater von vier erwachsenen Kindern im Stadtparlament. 2008 hatte er auf der Liste der CSP (christlich-soziale Partei) kandidiert, die Wahl aber verpasst. Per 1. Januar 2010 rückte er nach. Er wird als jener Präsident mit der wohl kürzesten Anreisezeit zur Tonhalle in die Geschichte eingehen, wohnt er doch nur einige Meter entfernt direkt neben der Klosterweg-Turnhalle und arbeitet oftmals im Home-Office. Seit 35 Jahren ist der designierte Parlamentspräsident mit seiner Frau Andrea verheiratet. Sie ist ihm eine wichtige Gesprächspartnerin. Als Ortsbürgerrätin und Seelsorgerin der katholischen Pfarrei ist sie ebenso für das gemeinschaftliche Leben in Wil besorgt wie er. Zusammen organisieren sie zum Beispiel die Baronenhaus-Konzerte.

Fünf Jahre Rektor in Zug

Praktisch sein ganzes Leben verbrachte Roland Bosshart in der Schule – oder hatte mit dieser zu tun. Nach seiner Schulzeit in Wil wurde der heute 62-Jährige zuerst Primarlehrer, später Erwachsenenbildner und Schulleiter. Er arbeitete als Primar- und Reallehrer in Flawil sowie später in Wil in den Schulhäusern Lindenhof, Kirchplatz und Matt. In der Folge wurde er Lehrerberater des Kantons St. Gallen und zwischen 1999 und 2004 Rektor der Stadtschulen Zug. Danach kehrte er «aus Heimwehgründen» nach Wil zurück. Seit 2004 ist Bosshart als Thurgauer Schulinspektor tätig und kümmert sich vornehmlich um die Schulgemeinden des südlichen Thurgaus. Dabei wird unter anderem geprüft, ob das Qualitätsmanagement eingehalten wird.

Politisch hat sich Bosshart immer wieder mit dem Thema Schule befasst. Auch die immer diffuser werdenden Kathi-Frage beschäftigt ihn. «Die Stadt braucht ein vielfältiges Bildungsangebot. Ich würde es begrüssen, wenn es weiterhin eine Mädchenschule gäbe. Denn die Mädchen werden oftmals von den Knaben dominiert. Allerdings wird die Situation rund um das Kathi langsam schwierig und undurchsichtig. Es braucht nun einen Entscheid, der für alle Klarheit schafft», sagt Bosshart. Aus seiner Sicht braucht die Stadt Wil drei Oberstufen, also eine weniger als heute. Eine davon soll das Kathi sein. «Die drei Schulen sollen unterschiedliche Profile haben», sagt Bosshart. Wie er die Wiler Schulen ganz allgemein bewertet, sehen Sie im untenstehenden Video.

Im Video: Fünf Thesen für Roland Bosshart

 
Der designierte Parlamentspräsident äussert sich zum Thema «Wilder Haufen CVP».

«Es wird eine neue Mitte geben»

Roland Bosshart ist bereits der 14. CVP-Parlamentspräsident in der mittlerweile 35-jährigen Geschichte des Wiler Stadtparlaments – und der erste CVPler an der Spitze seit Christa Grämiger im Jahr 2016. Dass seine Partei im Stadtrat und im Parlament längst nicht mehr fast im Alleingang Entscheide durchbringen kann, sieht er nicht per se als Nachteil: «Wenn wir geschlossen abstimmen, können wir matchentscheidend sein. Man hat bei uns aber Meinungsfreiheit. Bei zentralen Fragen stimmen wir einheitlich. Es wird eine neue Mitte geben, wie immer diese auch heisst.»

Die derzeit heiss diskutierte Frage, ob es das «C» im Parteinamen der CVP noch braucht, bejaht Bosshart: «Das Christliche steht für die Solidarität und das Gemeinwohl. Nicht der Einzelne steht im Vordergrund. In unserer Gesellschaft ist es wichtig, füreinander da zu sein. Wenn man in einer Pfarrei etwas macht ist das wie in einem Verein. Zudem ist das Christliche in der Bundesverfassung festgehalten.»

Das warn/sind die Wiler Parlamentspräsidenten:
2021: Christof Kälin (SP, designiert)
2020: Roland Bosshart (CVP, designiert)
2019: Marc Flückiger (FDP)
2018: Luc Kauf (Grüne Prowil)
2017: Ursula Egli (SVP)
2016: Christa Grämiger (CVP)
2015: Adrian Bachmann (FDP)
2014: Silvia Ammann (SP)
2013: Michael Sarbach (Grüne Prowil)
2012: Erwin Schweizer (CVP
2011: Mario Schmitt (SVP)
2010: Christof Gämperle (FDP)
2009: Dario Sulzer (SP)
2008: Marcus Zunzer (CVP)
2007: Esther Spinas-Hensch (Grüne Prowil)
2006: Dorothee Zumstein (SVP)
2005: Norbert Hodel (FDP)
2004: Marianne Mettler Nick (SP)
2003: Susanne Hartmann (CVP)
2002: Alfred Rüegg (CVP)
2001: Roland Brütsch (FDP)
2000: Heiner Graf (CVP)
1999: Monika Paminger Müller (SP)
1998: Armin Eugster (CVP)
1997: Karin Keller-Sutter (FDP)
1996: Anton Spirig (CVP
1995: Fritz Locher (Autopartei)
1994: Albert Kohler (CVP)
1993: Walter Hadorn (FDP)
1992: Tarzis Meyerhans (CVP)
1991: Christian Schmid (SP)
1990: Karl Josuran (FDP)
1989: Josef Hartmann (CVP)
1988: Hans Schück (SP)
1987: Albin Böhi (CVP
1986: Elisabeth Roth (FDP)
1985: Peter Summermatter (CVP)