Sie haben ein regionales Kita-System lanciert, damit insbesondere die Wahlfreiheit verbessert wird. Wie sind Sie auf die Idee gekommen?

Die Idee entstand an der ersten WPO-Wirtschaftskonferenz. Das ist eine Veranstaltung, mit der wir die rund 20 lokal verankerten Gewerbe- und Arbeitgebervereine in der Region vernetzen. Bei dieser Veranstaltung arbeiten wir gemeinsam an Themen, mit denen wir die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in der Region verbessern können. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wurde damals von den Anwesenden als Top-Priorität genannt. Also nahm sich das WirtschaftsPortalOst dem Thema an. Hier können wir als regionale Wirtschafts- und Standortorganisation, die Gemeinden und Unternehmen zusammenbringt, unsere Stärken zugunsten der anderen Organisationen und der ganzen Region ausspielen.

Das Projekt ist ein Pionierprojekt. Weshalb tut man sich eher schwer damit? Ihre Zahlen lassen den Schluss zu, dass es ja eigentlich auf grosses Interesse stösst: Bereits jetzt haben sich acht Gemeinden angeschlossen.

Es stimmt: Überall, wo wir über das Projekt vorab informiert haben, stiess es auf grosses Interesse und Zustimmung. Aber eine Idee allein reicht nicht. Irgendjemand muss sich dem Thema annehmen und bereit sein, die vielen verschiedenen Interessen über die Gemeinde- und Kantonsgrenzen zu einem solchen Projekt zu bündeln. Hier kann und will WPO einen Beitrag leisten, um die vorhandenen Kräfte regional zu bündeln.

Wie gross sind die Hürden bei der Umsetzung – gerade, wenn es um ein interkantonales Projekt geht?

Der Prozess zum Resultat war mit einigem Aufwand, Hürden und vielen Gesprächen verbunden. Aber letztlich ist es relativ einfach: Die Gemeinden, unabhängig der Kantonszugehörigkeit, verpflichten sich gegenüber WPO, dass sie ihren Einwohnerinnen und Einwohnern auch dann Betreuungsgutschriften gewähren, wenn sie eine andere Kita in der Region nutzen. Gerade, weil das Thema von Gemeinde zu Gemeinde und von Kita zu Kita unterschiedlich behandelt wird, haben wir darauf geachtet, die Autonomie der Gemeinden und Kitas möglichst beizubehalten. So kann jede Gemeinde selbst bestimmen, wie und in welchem Ausmass sie Krippenplätze subventionieren möchte. Die Kitas können ihre Tagessätze gemäss ihren Vollkosten in Eigenregie festlegen.

Sie wollen künftig auch erreichen, dass sich Unternehmen freiwillig dem Kita-System anschliessen. Wie weit ist man in diesem Bereich?

Uns war es wichtig, mit dem Projekt schnellstmöglich zu starten und erste Erfahrungen zu sammeln. Klar ist es schwierig, ein noch ungelegtes Ei zu verkaufen. Deshalb haben wir den Einbezug der Unternehmen auf eine nächste Phase verschoben. Wir haben aber mit verschiedensten unserer Mitgliedunternehmen Interviews zum Kita-Projekt geführt und auch von Wirtschaftsseite viel Interesse erfahren.

Elf Kindertagesstätten und acht Gemeinden haben sich bereits angeschlossen. Gab es bereits weitere Interessenten?

Es ist ein rollender Prozess. Wir haben alle unsere 23 Mitgliedgemeinden sowie sämtliche in der Region tätigen Kitas angeschrieben und laufend über den Projektfortschritt informiert. Der enge Austausch stimmt mich zuversichtlich, dass sich in den nächsten Monaten noch weitere Gemeinden und Kitas dem Projekt anschliessen werden. Dass solche Entscheide aber manchmal etwas länger dauern, liegt in der Natur der Sache.

Hätten Sie mit dem grossen Zulauf gerechnet?

Da die Rückmeldungen auf unsere Idee von Anfang an sehr positiv waren, gingen wir davon aus, dass viele mitmachen werden. Denn es ist eine Win-Win-Situation für alle Beteiligte. Die Vorteile überwiegen die allfälligen Unsicherheiten über das Neue klar: Die Kitas können ihren Kundenkreis vergrössern, die Gemeinden sich als familienfreundliche und fortschrittliche Gemeinde positionieren und die Eltern erhalten mehr Wahlfreiheit in der Auswahl ihrer Kita.

Wie geht es nun weiter?

Wir starten per 1. Januar 2023 mit dem Projekt, wobei sich interessierte Eltern bereits jetzt bei den Gemeinden melden können, sofern diese sich dem Kitasystem angeschlossen haben. Danach gilt es, aus den ersten Erfahrungen und Rückmeldungen zu lernen, das Projekt weiterzuentwickeln und wo nötig anzupassen. Ein wichtiges Element ist der erwähnte freiwillige Einbezug der Unternehmen. Wir stellen uns dazu eine Art familienfreundliches Label vor, das Unternehmen in der Region erhalten, wenn sie beispielsweise ihren Mitarbeitenden analog zu den Gemeinden Betreuungsgutschriften gewähren. Mit einem solchen Label können sich die Firmen im Employer Branding positionieren. Schliesslich wird dies angesichts des sich zuspitzenden Fachkräftemangels immer wichtiger.