Für einmal haben wir gleich mehrere Spitzenplätze belegt – nur will das in diesem Fall eigentlich niemand. Unter den zehn teuersten Gemeinden der Schweiz finden sich gleich fünf aus der Ostschweiz: Ermatingen, Hefenhofen, Niederhelfenschwil, Waldkirch und Gaiserwald. 

Die Verantwortlichen in Niederhelfenschwil hätten im Verlauf des Jahres verschiedene Teilschritte durchlaufen, um einen massiven Preisaufschlag zu umgehen, erklärt der Gemeinderat im aktuellen Mitteilungsblatt. «So haben wir bereits im Frühjahr 2022 damit begonnen, die Energiemengen für 2023 verbindlich zu beschaffen.» Durch dieses Vorgehen sei nicht der gesamte Energie-Aufschlag durchgedrungen. Und weiter: «Dennoch müssen wir für 2023 deutlich höhere Strompreise weiter verrechnen.»

Wurden die Vorzeichen also schlicht verschlafen? Mitnichten, wie es dem Blatt weiter zu entnehmen ist. «Ein Präzedenzfall, an dem man sich aus der Vergangenheit hätte orientieren können, gab es bisher nicht», wird der Gemeinderat zitiert. Alle Elektrizitätswerke in der Schweiz seien davon betroffen – lediglich in Bezug auf die Tarife 2023 gäbe es Unterschiede. Diese seien aber auf die unterschiedlichen Beschaffungsstrategien zurückzuführen. «Die Frage ist nicht, «ob» die Versorger mit höheren Preisen konfrontiert werden, sondern «wann».»

Obenaus schwingt Gaiserwald. Hier bezahlen die Kunden des lokalen Stromversorgers im nächsten Jahr bis zu 200 Prozent mehr. Autsch! Man darf sich lebhaft vorstellen, welche Reaktionen bei Gemeindepräsident Boris Tschirky in den vergangenen Stunden eingegangen sind. «Die Leute sind teilweise schockiert und nicht gerade erfreut, was ich selbstverständlich verstehen kann», erklärt er. «Die Situation ist auch für den Gemeinderat äusserst unbefriedigend.»

Aber weshalb steigen die Strompreise in Gaiserwald derart an? Wurde die Arbeit andernorts vielleicht einfach besser gemacht? Man musste aufgrund eines auslaufenden Vertrags in diesem Jahr Strom beschaffen, so Tschirky. Im vergangenen Jahr habe man damit angefangen, den Markt zu sondieren. Mit dem Ausbruch des Ukraine-Krieges sei der bereits hohe Strompreis explodiert. «Zuletzt haben wir gehofft, dass sich die Lage und der Strompreis wieder stabilisieren würden. Das ist leider nicht passiert – und irgendwann mussten wir handeln, damit wir im Sinne der Versorgungssicherheit im nächsten Jahr überhaupt Strom haben.»

Die Gemeinden müssen nun auf die Situation reagieren. Der Gemeinderat Niederhelfenschwil hat sich entschieden, einen Informationsanlass durchzuführen (Donnerstag, 27. Oktober 2022, im Mehrzweckgebäude in Niederhelfenschwil). Auch in Gaiserwald wurde eine Taskforce gebildet, welche prüfen wird, ob und welche Massnahmen gegen die Erhöhung ergriffen werden können. Laut Tschirky seien diese jedoch noch nicht spruchreif – die Bevölkerung werde rechtzeitig informiert. «Für 2024 wird die Gemeinde ihre Stromeinkaufspolitik überdenken. Aufgrund der Situation, in die wir bedauerlicherweise wegen des überhitzten Strommarktes hineingeraten sind, müssen wir neue Wege gehen. Ziel ist es, für 2024 wieder günstigere Tarife anzubieten.»