Die Aschermittwochsveranstaltung der Arbeitgebervereinigung der Region Uzwil hat Tradition. Traditionell kommt eine prominente Persönlichkeit zu Wort. So waren schon ein deutscher Bundestagabgeordneter, der Bischof von St. Gallen oder der eidgenössische Preisüberwacher eingeladen. «Jetzt wird’s kriminell – Trust me» hiess das diesjährige Thema. Dazu waren spannende Ausführungen von Valentin Landmann zu erwarten. Der für die Verteidigung vieler spezieller Figuren bekannt gewordene Anwalt enttäuschte nicht.Im Vortragssaal im Kundenzentrum der Firma Bühler warteten rund 60 Personen gespannt auf die Ausführungen von Valentin Landmann. Ernst Dobler, Vizepräsident, und Christof Oswald, Präsident der Arbeitgebervereinigung der Region Uzwil, teilten sich in die Aufgabe der Begrüssung und Verabschiedung des Referenten.

Ein Wachstumsmarkt
«Millionen warten darauf, von mir betrogen zu werden». So habe es einst einer seiner Klienten formuliert, sagte Valentin Landmann. Gleich zu Beginn wies er darauf hin, dass die Wirtschaftskriminalität nach den gleichen Regeln funktioniere wie die Wirtschaft. Und Wirtschaftskriminalität sei ein florierender Wachstumsmarkt. Opfer könnten alle Bevölkerungsschichten werden. Akademiker und Verantwortungsträger seien besonders gefährdet.

«Verbrechen muss sich lohnen»
Valentin Landmann befasste sich auch mit der Kriminalität generell. Sie zu bekämpfen setze Kenntnisse von Funktion und Ablauf von Verbrechen voraus. «Ein Bankräuber schiesst schneller als ein Juwelenräuber, und bei einer Entführung nützt die Lösegeldzahlung in der Regel nichts, die Geisel kommt trotzdem ums Leben.» Zwei Feststellungen des Referenten, mit welchen er belegte, dass der Kriminelle den Erfolg seiner Tat anstrebt. Wenn der Täter den Juwelier erschiessen würde, würden alle geraubten Schmuckstücke publiziert und verlören für ihn den Marktwert. Bei der Freilassung der Geisel müsste der Entführer befürchten, dass diese die Polizei auf seine Spur bringe.

Unterwelt und Halbwelt seien ein Spiegel der Gesellschaft. Sie bildeten Märkte und diese reagierten nach rein wirtschaftlichen Prinzipien.

Kriminelle sind keine Aliens
Die Religionen – etwa das Christentum mit den zehn Geboten – hätten mit einigen wenigen Gesetzen eine gute Grundlage für die Verbrechensbekämpfung geschaffen. Im heutigen Alltag aber ängstige sich der Bürger vor Vielem. Die Presse greife die Probleme auf, und die Politiker fühlten sich gedrängt, gesetzliche Grundlagen zu schaffen. Verwaltung und Justiz bekämen zusätzliche Mittel und Kompetenzen.

Dieses Prozedere zeitige oft einen zweifelhaften oder gar keinen Erfolg. So habe beispielsweise das Drogengesetz die Menge der umgesetzten Stoffe nicht zu verringern vermocht. Auch bestehe die Gefahr, dass sich die Justiz, um Erfolge auszuweisen, um Nebenschauplätze kümmere. Landmann warnte auch vor der naiven Vorstellung, Kriminelle begingen vom Morgen bis zum Abend Straftaten und würden sich gelegentlich selber entlarven. Nur die wenigsten Täter seien pathologisch, bei den allermeisten stehe ein ökologisches Ziel im Vordergrund.

Vergleichbare Anforderungen
Wirtschaftskriminelle erfüllten die gleichen Anforderungen wie Manager oder Politiker. Sie seien meist intelligent, führungserfahren und verfügten über Knowhow. Mit Verbotsgesetzen sei ihnen deshalb schwer beizukommen. Solche Gesetze brächten als Risiko einen Kostenfaktor. Die Wirtschaft reagiere auf Kostenrisiko durch Überwälzung, durch Optimierung, durch Dumping oder durch Ausstieg aus dem Markt. Kriminelle täten es ihr absolut gleich, wobei der Ausstieg aus dem Markt die Ausnahme sei, aber das Ideale wäre.

Nutzlos seien einerseits jene Gesetze, die nicht angewendet würden. Andrerseits aber auch Verbotsgesetze, welche die Kriminalität förderten. In diesem Sinne sprach sich der Referent für die Zulassung des Rotlichtmilieus aus.

Zu geringe Ächtung
Als häufigste Wirtschaftsdelikte führte Valentin Landmann Betrug, Veruntreuung und ungetreue Geschäftsführung an. Kriminalität werde nur aktuell, wo ein Ertrag zu erwarten sei. Die Rahmenbedingungen seien oft verlockend und es gebe rechtlich eine Grauzone. Die Untersuchungsverfahren seien oft extrem lang und die Strafen auf diesem Gebiet relativ mild. Die Taten würden kaum geächtet, oft sogar fast bewundert.

Der Referent sprach sich trotzdem für eine Anzeige der Delikte in jedem Fall aus, auch dort, wo die Firma aus PR-Gründen darauf verzichten möchte. Zur Verhinderung von Wirtschaftsdelikten brauche es ausserdem sinnvolle Kontrollmechanismen.

Anwalt der Halbwelt
Valentin Landmann ist am St. Galler Rosenberg als Sohn des in Berlin lehrenden Philosophen Michael Landmann und der Schriftstellerin Salcia Landmann aufgewachsen. Sein Studium der Rechtswissenschaft schloss er 1973 in nur sechs Semestern mit der höchsten Auszeichnung ab. Auch seine Dissertation 1975 erhielt das Prädikat «summa cum laude». In Hamburg kam er nach eigenen Angaben in Kontakt mit dem Rotlicht-Milieu.

Seit 1984 arbeitet er als selbstständiger Anwalt in Zürich. Er ist besonders als Anwalt der Hells Angels, Prostituierter, Neonazis und anderer Randgruppen bekannt geworden. In mehreren Publikationen hat er sich insbesondere mit den ökonomischen Mechanismen der Halbwelt und den Hintergründen der Kriminalität befasst. (Quelle: Wikipedia).