Es ist der kurze Moment vor jedem Auftritt. Der Wrestler sitzt auf einer Bank im sogenannten «Locker Room», dem Umkleideraum. Durch die Tür sind die wenigen hundert Zuschauer zu hören. Die Stimmung schwillt immer weiter an. Er senkt den Kopf. Atmet ein und langsam wieder aus. Der nächste Atemzug ist besonders tief. Er knetet seine Hände durch. Faltet sie dan ineinander. Dann steht der Wrestler auf, dehnt seinen Hals einmal nach links, dann nach rechts. Er macht die Tür auf und geht in Richtung Ring. Er wird zu einer anderen Person: Er verwandelt sich in Sigi. Der Kampf kann beginnen.

Mit 18 Jahren feierte Pascal Signer sein Debüt als Wrestler. «Ganz ehrlich? Ich war damals kein bisschen nervös», sagt der heute 38-Jährige, der in Wil geboren wurde und aufgewachsen ist. Das habe vielleicht damit zu tun, dass er bei diesem ersten Kampf in der deutschen Stadt Hannover mit 19 weiteren Unterhaltungssportlern im Ring stand. «Es war eine Nachwuchsshow, in der wir uns gegenseitig aus dem Ring werfen mussten», erinnert sich Signer noch heute. Sieger war natürlich nicht der, der als Letzter noch im Kampfring stand. «Und diesen ersten Kampf habe ich verloren.»

Mit sieben Jahren vom Wrestling fasziniert

Elf Jahre vor dem ersten Kampf: Pascal Signer ist sieben Jahre alt. Er guckt Fernsehen. Er runzelt die Stirn. «Das ist doch kein Film», denkt sich der Junge. Da stehen zwei Männer in einem Kampfring und drücken sich gegenseitig auf den Boden. Nehmen sich in den Schwitzkasten. Schlagen sich gegenseitig mit der Faust. Trotz der Brutalität zapft der Junge nicht weiter. Er schaut interessiert weiter. Sein Vater nähert sich ihm und meint lachend: «Das ist nicht echt. Alles nur Show.» Der Junge schaut ihn verdutzt an und schüttelt eifrig den Kopf: «Nein, die kämpfen doch.»

«Ich war damals von diesem Kampf fasziniert», sagt Signer heute. Es war ein Kampf in dem Hulk Hogan, in den Achtzigerjahren der erfolgreichste Akteur im Wrestling-Geschäft, um den Sieg kämpfte. «Es klingt jetzt vielleicht komisch, aber diese Gewalt während des Kampfes hat mich begeistert», erklärt er. Ab diesem Tag habe er angefangen, sich mit diesem Unterhaltungssport auseinanderzusetzen. Wrestling sei seine grosse Leidenschaft. «Und für diese Leidenschaft brenne ich», sagt Signer, den man in der deutschsprachigen Wrestlingszene gut kennt. Als Wrestler. Als Trainer. Als Schiedsrichter. Vor allem in der deutschsprachigen Szene bezeichnet man ihn als Schweizer Wrestlinglegende. «Mir liegt es am Herzen, die Schweizer Wrestlingszene aufrecht zu erhalten», so Signer. Deshalb arbeite er – seit er seine Wrestling-Karriere an den Nagel gehängt hat – in den letzten drei Jahren vor allem als Trainer und Schiedsrichter. Und das nicht ohne Erfolg: Der bekannteste Schüler von Signer ist Claudio Castagnoli, der unter dem Namen Cesaro in der WWE (World Wrestling Entertainement) wrestlet. «Ja, das Wrestling hat mein ganzes Leben beeinflusst.»

Wrestling-Show in Wil

Signer sitzt in einem Wiler Café, das er früher als er noch in Wil lebte, oft besucht hatte. Vor ihm ist eine weisse Tasse, voll gefüllt mit Kaffee. Bisher hat der Wrestling-Liebhaber nur am Kaffee Cremé genippt. Zu sehr ist er damit beschäftigt, über seine grosse Leidenschaft und sein Leben zu erzählen. Der bestellte Kaffee ist bereits kalt. Er erzählt von dem Moment als öffentlich bekannt wurde, dass Wrestling nur eine Show ist. Das war in seiner Jugendzeit. Obwohl er das bereits gewusst beziehungsweise geahnt habe, sei dies ein Schock für ihn gewesen. 

Signer ist felsenfest überzeugt, «dass das Internet die Magie des Wrestlings zerstört hat». Früher seien die Leute gespalten gewesen. Während die einen wussten, dass es sich bei jedem Kampf um eine Show handelt, hätten die anderen fest an deren Realität geglaubt. «Heute kann jeder in der virtuellen Welt nachlesen, dass im Vorfeld der Wettkämpfe festgelegt wird, wer als Sieger den Ring verlässt», sagt der ehemalige Wrestler, der wegen seines Berufswunsches keine Lehre abgeschlossen und eine Wrestling-Ausbildung in Wien gemacht hat. Sportliche Ausdauer, – das alles muss laut Signer ein guter Wrestler haben. Schauspieltalent, Improvisation, Spontanität – kommen noch dazu. «Diese Eigenschaften haben nur besonders gute Wrestler», meint Signer. 

Gerade in seiner Heimatstadt Wil möchte Signer wieder einmal im Jahr eine Wrestling-Show organisieren. Ja, wieder. Hat er die letzte Show in Wil vor über sechs Jahren organisiert. So findet am 25. Mai um 18 Uhr in der Lokremise ein Wrestling-Event statt. «Wenn wir möchten, dass Wrestling in der Schweiz als richtige Sportart anerkannt wird, dann müssen wir präsent sein», sagt Signer. 

 
Im Video-Interview erklärt Pascal Signer, warum er am 25. Mai eine Wrestling-Show in Wil organisiert.