Im Hinblick auf seine Maurerlehre wollte Stephan Juen einen alten Ziehbrunnen wieder zum Leben erwecken. Die Jury belohnte die Arbeit mit dem 2. Platz.
Nur tiefgrüne Flecken auf einer Wiese des Nachbarhauses deuteten auf etwas Besonderes hin. Josef Krucker (83J. ehemaliger Landwirt) wusste, dass hier ein Brunnen existiert hat für die Wasserversorgung des Weilers. Er weist heute eine Tiefe von 8,5 Metern auf. In der Arbeit kann man auch Interessantes über die Wasserversorgung des Weilers Enkhüseren erfahren.

Dass er eine Maurerlehre absolvieren möchte, stand für Stephan Juen schon sehr früh fest, und so kam er auf die Idee, den aufgeschütteten Ziehbrunnen zwischen dem Elternhaus und den Nachbarn, von dem sein Grossvater Josef Krucker erzählte, wieder auszugraben. Davon war auch der Nachbar und Fachmann Fred Schaffner begeistert, auf dessen Grundstück der Brunnen jetzt steht.

Geeignete Hilfsmittel gesucht
Ein Stück weit war bereits vor einigen Jahren gebuddelt worden. Vorsichtig wurde anfangs März 2017 der Schacht begutachtet. Es zeigte sich, dass der Betonrand absolut intakt war und die Steine an der Wand noch fest an ihrem Platz. So konnte mit dem Abtragen und Ausgraben der Erde begonnen werden. Zunächst galt es, das entsprechende Werkzeug zu beschafften. Es musste relativ klein sein, betrug der Durchmesser des Erdlochs doch nur 1.14m. Es war schwierig, einen sehr kurzen Pickel zu finden, doch die Baufirma Zwick konnte helfen. Für Aushub und Abtransport des Materials wurden Hacke, Kübel, Flaschenzug, sowie Traktor und Heckschaufel bereitgestellt. Weil der Flaschenzug nur 100 kg Tragkraft hatte, wurden die Kessel jeweils mit ca 28 kg lehmiger Erde gefüllt, das Gewicht stieg von Meter zu Meter Tiefe an, bei 5m Tiefe waren es bereits 35 kg.

Alle halfen mit
Alles ging recht zügig voran. Die Nachbarskinder zogen die Kübel mit viel Plausch hinauf, Erwachsene halfen beim Leeren. Bald wurde bemerkt, dass das Seil beim Flaschenzug eventuell zu schwach war. Mit Hilfe seiner Mutter häkelte Stephan aus Schnüren ein starkes 20m langes Seil – und weiter ging’s. «Allein hatte ich keine Chance, ich war darauf angewiesen, dass jemand half. Zeitweise hatte sich die ganz nähere Nachbarschaft am Brunnen versammelt», schreibt der junge Mann in seiner schriftlichen Arbeit. Wichtig war auch, den abgedeckten Schacht keine Sekunde unbeaufsichtigt zu lassen, weil viele kleine Kinder in der Nähe wohnen. Sicherheit war überhaupt ein wichtiges Thema.

Halten die Steine
Nach sechs Meter kam langsam die Angst auf, die Wand könnte einbrechen und den Arbeitenden darunter begraben. Bereits mussten zwei lange Metallleitern zusammengebunden und das Seil auf 30m verlängert werden. Schliesslich einigten sich die Beteiligten, solange weiter zu graben wie die Steinwand intakt war, maximal auf 8m. Zum Arbeiten blieben nur noch 90 cm Durchmesser, und eine Stablampe war notwendig. Am 22. April waren die 8m erreicht, der Kübel 38kg schwer und der Platz noch 83cm. Von Hand wurden total 6,16 Kubikmeter schwerer Lehmboden ausgebuddelt. Bis anhin war man nicht auf Wasser gestossen, es hatte sich vermutlich nach dem Zuschütten einen anderen Weg gesucht.

Mauern des Brunnenrandes
Die Vorfahren hatten für den Brunnenrand Steine aus der Thur geholt. Heutzutage ist das verboten, und so entschloss man sich, zwei verschiedene Steinarten zu kaufen, sowie zehn trapezförmige für die Rundung. Mit dem Lieferwagen der Firma Johann Jung konnte diese transportiert werden. Als Dank hat Stephan Juen einen Kuchen gebacken und zum Znüni gebracht. Den Mörtel zum Befestigen konnte er bei der Firma Schlauri beschaffen. Zum Glück hatte Fred Schaffner alles daheim, was sonst noch gebraucht wurde: Maurerhammer, Schwamm, Pinsel, Fugeneisen, Mörtelmixer und Wasserwaage. Nach einer Regenpause, machten sie sich an die Arbeit. Mörtel mischen, Steine Schicht für Schicht setzen, Fugen ausfüllen, immer sehr exakt arbeiten und siehe da, es hatte Wasser auf dem Schachtgrund – grosse Freude bei allen. Am Schluss hat Andreas Meyenberger noch ein sehr schönes Gitter mit der Jahreszahl 2017 geschweisst und befestigt. Es war beeindruckend, wie alle Nachbarn, inklusiv den Kindern, überall helfend zur Seite standen, so wurde der Ziehbrunnen zum eigentlichen Weiler-Projekt.

Beeindruckt von den Vorfahren
Stephan Juen schreibt: «Seit ich die Brunnenstube von Hand ausgegraben habe, habe ich grosse Achtung vor der Arbeit meiner Vorfahren. Mich beeindruckt, wie sie alles von Hand erarbeitet haben und solid gebaut haben. Wenn man bedenkt des der Brunnen wahrschein vor 1813 gebaut, um 1902 mit Erde aufgefüllt und jetzt, im Jahre 2017 wieder ausgehoben wurde und immer noch perfekt hält, ist das schon erstaunlich. Die Arbeit am Brunnen hat mich in der Berufswahl bestärkt. Ich finde es schön, wenn man zusehen kann, wie etwas Bleibendes entsteht».