Mit dem Ende des Septembers fanden auch die jüngsten Aktionswochen der Künstlergruppe Ohm 41 ihren Abschluss. Mit dem sperrigen Titel «Ausstellung und Interventionen Zentralbüro mit Lagermuseum für vergangene und zukünftige Vermächtnisse» animierte das Ohm-Kollektiv das Publikum in den vergangenen Tagen zur kreativen Auseinandersetzung mit der Vergangenheit.

Ort der Reflexion

Der Hof zu Wil, ein Gebäude mit achthundertjähriger Geschichte, lädt zur Reflexion über die Vergangenheit geradezu ein. Ist er ein Hort der Errungenschaften unserer Vorfahren? Ist er das einstige Zentrum fürstäbtischer Diktatur? Wurde in ihm Beschlüsse zum Wohl der Bevölkerung gefasst oder eher geschickt Machtpolitik betrieben? 

Zu derartigen Fragen und Assoziationen verleiteten die echten und die pseudohistorischen Artefakte innerhalb der Ohm-Inszenierung im dritten Stock des Hofs.

Die Kunstschau wurde durch zwei Objekte des Wiler Künstlers Cello Schumacher ergänzt.

Kistenlandschaft

Prägender Teil der Ohm-Ausstellung waren Holzkisten in jeglicher Grösse, die an das Depot eines historischen Museum erinnern. Kommen hier materielle Zeugnisse der Vergangenheit an oder gehen sie auf Reisen?

Am Donnerstag waren diese Behältnisse zu einer Art Kistenlandschaft gruppiert worden. Dazwischen hatte das generationendurchmischte Publikum auf angejahrten Wiener Stühlen genommen. Infolge coronabedingten Personenbeschränkungen war es auf 50 Personen limitiert.

Konzert auf Konserve

Am Schlagzeug, E-Piano, am E-Bass und am Saxofon hatten sich die vier junge Musiker der sogenannten Hausband aufgestellt. Sie spielten an der letzten Jazz Jam Session des Ostschweizer Jazzkollektivs (OJK) im Hof zu Wil. Bald sollen in diesen Räumlichkeiten die Bauarbeiter und Renovationsspezialisten ein und ausgehen.

Um die besondere Atmosphäre und die von Jahrhunderten geprägte Patina im baufälligen Raum der Nachwelt zu erhalten, hatte Lukas Häne Fachleute mit ihrer 360 Grad-Kamera engagiert. Die fussballgrosse Kamera mit dem schwarzen Gehäuse zeichnete das gesamte Geschehen im Raum auf.

Häne ist der Organisator der Jam Sessions in Wil. Über ein Dutzend Mal hat er in den letzten Jahren OJK-Jazzanlässe in Wil veranstaltet. 

Nächstes Mal im Gare de Lion 

Nach dem Konzept der OJK-Jam Sessions spielte anfänglich die Hausband einige Stücke, danach waren Instrumentalisten und Singende aus dem Publikum zur musikalischen Mitwirkung eingeladen.

Die kreative Zwischennutzung im Hof zu Wil neigt sich infolge baldigem Renovationsbeginn ihrem Ende zu. Lukas Häne hofft, dass die OJK-Jam Sessions im Rahmen der geplanten Zwischennutzung in der Liegenschaft «zum Turm» eine neue temporäre Heimat finden.

Bereits fix programmiert ist am Freitag, dem 29. Oktober 2021 die nächste Jazz Jam Session im Gare de Lion, Dannzumal wird die Hausband mit Claude Diallo, Piano, Urs Streckeisen, E-Bass, sowie Massimo Buonanno, Drums, besetzt sein.