Mit 348 Frauen und 668 Männern auf den Listen ist der Frauenanteil mit 34,3 Prozent leicht höher als vor vier Jahren (29,1 Prozent). Das ist ja super. Da haben wir eine breite und hoffentlich fachlich kompetente sowie differenzierte Auswahl. Wenn man aber weiss, dass Parteien kämpfen müssen, um die Listen zu füllen, um möglichst bekannte Personen zu präsentieren, welche für ihre Partei Stimmen fangen, fragt man sich mit Recht, ob bei allen Kandidierenden die Voraussetzungen gegeben sind, die Wähler in der Pfalz zu vertreten, resp. vertreten zu wollen. Sind sich wirklich alle bewusst, auf welche Herausforderungen sie sich einlassen und was von sie erwartet wird? Oder sind sie ganz einfach nur Stimmenfänger bei den Unwissenden?

Wer ist und war nun zuerst? Der Wähler oder der Gewählte, also das berühmte Huhn oder das Ei? Weiss der Wähler wirklich, wen er wählt, warum und was diese Personen auch vertritt? Gibt es darunter auch faule Eier, hartgesottene Eier oder etwa Weicheier und gar verlorene Eier?

Wenn man zudem bedenkt, dass die Stimmbeteiligung wohl kaum die 50-Prozent-Marke erreichen wird, haben scheinbar die Hälfte der St. Galler gar kein Interesse zu wissen, wer über ihre Zukunft entscheidet. Dass sie aber ein Teil des demokratischen Prozesses sind und mitbestimmen können, scheint ihnen am Allerwehrtesten vorbei zu gehen.

Der uralte und abgedroschene Slogan, dass ein Volk jene Politiker, respektiv Regierung verdient, welche es gewählt hat, ist zwar etwas fragwürdig, aber auch nicht unwahr. Wählt man einfach, um seine Bürgerpflichten zu erfüllen oder möchte man Personen Mandate erteilen, um seine Meinung vertreten zu haben? Wählt man parteihörig einfach die Liste, die vorliegt und wägt kaum ab, ob es eben auf dieser Liste auch faule, verlorene, hartgekochte oder Weicheier hat? 1016 Personen stehen zur Verfügung, aus welchen 120 auserkoren werden. Da werden 816 enttäuscht sein. Oder sind sie gar froh, nicht die erwartete Verantwortung übernehmen zu müssen? Bei nicht wenigen wird dies der Fall sein. Hauptsache, sie haben für ihre Partei Stimmen gesammelt. Dieses kleine Einmaleins von Wahlen ist zwar rechtens. Doch bleibt die Frage, ob bei den 120 Gewählten keine faulen, zu hart gesottene oder Weicheier sind.

In diesem Sinne wäre es toll, wenn die voraussichtlich nicht mal 50 Prozent, welche am 8. März ihre Vertreter wählen, ganz genau hinschauen.

Mäni Rüegg*

* Mäni Rüegg ist aktiver Lokaljournalist in Pension. Seit weit über 40 Jahren in der Äbtestadt wohnhaft, beobachtet er das Geschehen in Wil und Umgebung. In der hallowil.ch-Kolumne «Mänis Perspektivenwechsel» nimmt er eine andere Sichtweise ein und berichtet ungeschminkt über Dinge, die einfach mal niedergeschrieben werden müssen.