Es lief einfach schon zu gut für L.A. Als Roger und Maja Edelmann 1999 in die Hollywood-Stadt an Amerikas Westküste reisten, um herauszufinden, wie sie dort als Architekten Fuss fassen könnten, war ihnen eigentlich schon klar, dass das nicht gehen wird. Zu dieser Zeit hatten die beiden schon ein Architekturbüro in der Schweiz, und es lief gut. Zu gut, dass Auswandern und alles aufgeben wirklich noch eine Option hätte sein können.

Die Aufträge kamen, das Team war motiviert, sie arbeiteten von früh bis spät im Büro in Wil, das in der damaligen Wohnung der Edelmanns in der ehemaligen Filzfabrik untergebracht war. Manchmal waren sie im Bett, wenn ihre Mitarbeiter kamen oder gingen. 

Und doch begann ihnen irgendwann etwas zu fehlen. An einem Abend besprachen sie im Team einen Entwurf; eine einwandfreie Arbeit, aber so uninspiriert, dass Roger und Maja Edelmann sich fragten: «Ist das wirklich, was wir machen wollen?» Sie kamen zum Schluss, dass sich etwas ändern musste.

Architektur, die etwas mit den Menschen macht

Das war vor über zehn Jahren. Heute wohnen und arbeiten Edelmanns in Häusern, das sie selber gezeichnet und gebaut haben. Ihr Architekturbüro Arson befindet sich jetzt im markanten «Kraftwerk» hinter dem Wiler Bahnhof. Ihr Wohnhaus gegenüber der Rutishauser-Gärtnerei, stadtläufig bekannt als das «Schiffhaus», dürfte vielen in Wil beim Vorbeigehen schon einmal aufgefallen sein. Das Thema Meer ist an verschiedenen Stellen im und um das Haus aufgenommen, Elemente wie Bug, Ausguck, oder Kommandobrücke sind verspielt in die Architektur integriert.

Zum Beispiel beim Aufgang, der vom Tor auf dem Niveau der Fürstenlandstrasse über eine Steintreppe zwischen meterhohen Wänden mit Wellenmuster zum Hauseingang führt. «Mykonos», sagt Maja Edelmann. In die Gestaltung ihres Wohnhauses seien auch die Gässchen der Griechischen Insel eingeflossen. Das blau-beige Muster auf dem ellipsenförmigen zentralen Baukörper war die Idee der befreundeten Bühnenbildnerin Kim Toman aus Los Angeles, die von Arson immer wieder in die Gestaltung ihrer Gebäude eingebunden wird. Eigenltich wollten sie etwas mit Naturstein machen. Roger und Maja Edelmann sind sich einig: «Zum Glück haben wir Kim noch gefragt.»

Sichtkontakt zwischen den Etagen

Roger Edelmann steht barfuss in der offenen Küche und mixt Mojitos. Auf dem grossen Rasen weiter unten spielen die Töchter Fiona und Olivia Fussball, Sohn Laurin liest ein Buch. «Leben wie in den Ferien» sei der Leitgedanke gewesen, als sie vor über zehn Jahren ihr Haus mit Meerthema planten. Ein Rundgang illustriert die Vorstellung der Edelmanns von einer Architektur, die etwas mit den Menschen macht, die in einem Gebäude leben oder arbeiten. 

Vom Eingang geht es in einer Kurve den ansteigenden Gang hinauf, von dem Türen in Badezimmer oder ins Musikzimmer führen. Alles ist offen, nichts ist nur auf einer Ebene; zwischen den Etagen besteht Sichtkontakt, vom Eingang sieht man die Decke des zweiten Stocks, das runde, fast fensterlose Wohnzimmer ist neben dem Küchen- und Essbereich leicht tiefergelegt. 

Das Treppenhaus verbindet die Etagen in einem runden Schacht, an der Wand hängen ein Sprungbrett und Sprossen. Im oberen Stock befindet sich der Familien-Computer in einer freigestellten Nische, die einem Mastkorb nachempfunden ist. Durch die Glasfront davor ist der Säntis zu sehen. 

Im zweiten Teil des Porträts von Arson Architektur lesen Sie, warum Roger Edelmann an Gebäuden die Illusion der Wahrheit vorzieht. Und welches Haus er in Wil besonders schätzt.