Das Projekt Regionale Entwicklung Tannzapfenland (PRE) wurde vom kantonalen Landwirtschaftsamt und vom Bundesamt für Landwirtschaft genehmigt. Ob die gesprochenen Gelder den Teilprojekten zum Erfolg verhelfen, hängt weitgehend davon ab, mit welchem Elan sich die Mitwirkenden daran beteiligen. Am Anfang war es die Wertschöpfungskette Milch, die Landwirte und Milchverarbeiter gemeinsam verbessern wollten. Später kam der Tourismus dazu und schliesslich einigte man sich auf das Ziel, die Wertschöpfung für möglichst viele Branchen in der gesamten Region zu steigern und mit einer eigenen Marke die emotionale Bindung zur Region zu schaffen. Dafür gründete man im Januar 2013 den Verein PRE Tannzapfenland und anlässlich der verschiedenen Veranstaltungen zeichneten sich drei Teilprojekt besonders ab. Es waren dies speziell die Vermarktung regionaler Produkte, die Käserei Au und das Schulhaus Au-Fischingen, das als Restaurant mit Kulturangebot betrieben werden soll, die besonders interessierten. Weitere Teilprojekt wie eine Austauschplattform für Landwirte, Tourismus, Gewerbe, Gastronomie, eine gemeinschaftliche Schlachtanlage und die Entwicklung und Bewirtschaftung von Angeboten im Bereich Tourismus, Gastronomie und Hotellerie sind angedacht. Vor drei Jahren musste der Verein PRE Tannzapfenland akzeptieren, dass für Bund und Kanton das Entwicklungspotential noch zu wenig ausgereift war, um das Projekt zu genehmigen und Gelder dafür zu sprechen.

205 000 Franken zugesichert
Die von Bund und Kanton damals verordnete Denkpause wurde vom Vorstand des Vereins PRE Tannzapfenland nicht als Pause vom Denken, sondern als Pause zum Denken genutzt, erklärt der Präsident Werner Ibig. Vorstandsmitglieder und Arbeitsgruppen haben mit der Unterstützung von Silke Fieseler-Hein als Projektcoach, wichtige Grundlagenarbeit geleistet und die entsprechenden Papiere dem Landwirtschaftsamt des Kantons Thurgau eingereicht. Die Teilprojekte mit den Budgets wurden im Frühjahr den Verantwortlichen des Landwirtschaftsamtes vorgestellt. Im vergangenen Juni wurde das Gesamtbudget für die bevorstehende Grundlagenetappe, das sich auf rund 332 000 Franken beläuft, von Bund und Kanton genehmigt. Für diese Aufwendungen haben Bund und Kanton rund 205 000 Franken zugesichert, sagt Ibig weiter. Mit dieser Zustimmung können nun einzelne Projekte unter dem Dach des Gesamtprojektes unabhängig voneinander weiterentwickelt und umgesetzt werden. «Den Verantwortlichen steht nun ein Jahr zur Verfügung, die Beträge auszulösen», erklärt Ibig. Eine neu zu bildende Trägerschaft soll die Verantwortung über die Grundlagenetappe übernehmen.

Jetzt heisst es anpacken
Für Ibig ist das persönliche und das finanzielle Engagement, das nun auf die Verantwortlichen zukommt, von ganz besonderer Bedeutung. «Wenn wir in unserer Region einen Entwicklungsschub in Gang bringen wollen, dann heisst es jetzt anpacken», sagt Ibig deutlich. «Was wir aus der bisher geleisteten Arbeit und mit den verfügbaren staatlichen Mitteln erreichen können, hängt ganz entscheidend an der Aktivität und der Bereitschaft zum Engagement der Bevölkerung. » Deshalb wünscht sich der Vereinspräsident, dass sich möglichst die ganze Bevölkerung der beiden Gemeinden an der Entwicklung ihrer Region beteiligen und eine Mitgliedschaft eingehen. Heute hat der Verein 25 Mitglieder, mit einem neuen Mitgliederbestand von 200 Mitgliedern hätte man schon eine sehr schöne Basis erreicht. Die beiden involvierten Gemeinden Bichelsee-Balterswil und Fischingen, welche beide im Pro Zürcher Berggebiet liegen und deshalb im PRE integriert wurden, haben Veranstaltungen verschiedentlich unterstützt, an Anlässen teilgenommen und seit einigen Monaten auch an Vorstandsitzungen. Für Ibig ist die Rolle der beiden Gemeinden noch nicht ganz geklärt. Am 10. Januar 2018 ist eine öffentliche Veranstaltung geplant, wo der bestehende Verein PRE Tannzapfenland in den neuen Verein, der für die Grundlagenetappe verantwortlich ist, überführt werden soll. Weiter stehen Statutenanpassungen und die Wahl des Vorstandes an.


Drei konkrete Teilprojekt
- Vermarktung regionaler Produkte, Marke und Logo, Verkaufsstellen: Auftritt mit regionalen Produkten am Weihnachtsmarkt.
- Käserei Au: Fortsetzung der Planungsarbeiten durch die Käsereigenossenschaft Au und den Käser.
- Restaurant mit Kulturangebot «Zum alten Schulhaus Au-Fischingen». Fortsetzung der Planungsarbeiten bis zur Umsetzung.
Bei den übrigen Teilprojekten braucht es teilweise noch weitere Grundlagenarbeit und die Formierung geeigneter Trägerschaften.


Mitglieder werben am Weihnachtsmarkt
Am kommenden Samstag, 25. November findet der traditionelle Weihnachtsmarkt Tannzapfenland in der Hörnlihalle in Dussnang statt. Der Vorstand und die Arbeitsgruppen PRE Tannzapfenland sind erstmals mit einem Stand dabei und präsentieren das neu kreierte Logo. Sie möchten mit den Besucherinnen und Besuchern des Marktes ins Gespräch kommen, ihnen die Möglichkeiten aufzeigen und sie motivieren, mit einer Mitgliedschaft ihren Anteil an der regionalen Entwicklung zu leisten.

Interview

Mit Josef Gemperle, Landwirt, CVP Kantonsrat Thurgau, wohnhaft in der Gemeinde Fischingen, Schwerpunkt Energie-, Landwirtschaftspolitik und Raumplanung. Betreibt eine Betriebszweiggemeinschaft, Milchwirtschaft, Aufzucht und Mast. Produziert auf dem Hof mindestens dreimal den Eigenbedarf an Strom mit Solarstromanlagen und Biogasanlage.


-Seit Jahren arbeitet der Verein PRE Tannzapfenland daran, die Wertschöpfung in der Region zu steigern. Nach gewissen Hindernissen haben Bund und Kanton eingelenkt und das Gesamtbudget genehmigt und wollen sich mit 205 000 Franken an den Teilprojekten beteiligen. Sind Sie überrascht?
Josef Gemperle:
Ja, das überrascht wirklich. Ein nicht breit abgestützter Verein mit 25 Mitgliedern löst bei Bund und Kanton ein Budget von 205 000 Franken aus, währendem gleichzeitig dem Grossen Rat ein Sparpaket mit 52 Massnahmen vorgelegt wird. Offenbar gibt es zusätzlich Bestrebungen in der Regierung, im grossen Stil Kantonsstrassen an die Gemeinden abzutreten. Unschwer zu erkennen, dass die flächengrösste Gemeinde Fischingen von all diesen Massnahmen besonders betroffen ist.

-Glauben Sie, dass man mit dieser Geldspritze den prioritär ausgewiesenen Projekten zum Erfolg verhelfen kann?
Das kann ich nicht beurteilen, weil ich keine genauen Angaben habe. Ich bin aber skeptisch, ob die Zahlungen an diese Projekte wirklich gesetzeskonform sind, denn bei zwei von drei Projekten werden genau gleich gelagerte Gewerbebetriebe in der Gemeinde direkt konkurrenziert.

-Skeptiker sprechen von falschen, finanziellen Anreizen, wie sehen Sie das?
Die Skeptiker haben wohl recht. Einerseits gilt es das grosse Engagement der ehrenamtlich tätigen Personen vor Ort zu schätzen. Auf der anderen Seite sollte man einmal aufzeigen, wieviel Geld direkt in die Kassen der Beratungsbüros fliesst. Ich fürchte, das sind sehr grosse Summen, deshalb besteht seitens dieser Beratungsbüros auch ein enormes Interesse an solchen Projekten. Wenn man den Bewohnern der Berggebiete helfen will, dann sollte man ihnen bei den gewaltigen Infrastrukturaufgaben helfen.


-Was gibt es in Ihren Augen besonders zu beachten bei der Umsetzung?
Der Verein sollte sich vielleicht auch einmal kritisch die Frage stellen, warum nur gerade einmal ein Prozent der Bevölkerung mitmachen, es sind doch hehre Ziele vorhanden. Stimmen Strategie und Ausrichtung wirklich? Ausserdem bin ich froh, dass der Naturpark nun offenbar kein Thema mehr ist. Unser Tannzapfenland ist eine wunderschöne und intakte Kulturlandschaft, gehegt und gepflegt durch die einheimische Bevölkerung. Das ist gut so und das soll so bleiben.