Tanzfreudige Närrinnen und Narren hatten in der Vergangenheit zwischen Gümpelimittwoch und Aschermittwoch eine breite Palette an Veranstaltungen im Angebot. Die Liste der Gastlokalen mit ehemals fastnächtlichen Tanzveranstaltungen war lang, beispielweise waren das «Hotel Freihof», das «Hotel Derby» sowie die Tonhalle unverzichtbare Stationen für närrische Nachtschwärmer.

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Bis 1978 waren die Maskenbälle im Schwanen ein wichtiges Element in der Wiler Fastnachtskultur. 


Tanz und Theater

Zur Fastnachtszeit wirkte ehemals auch der erste Stock des «Hof» als ein Magnet. Der Katholische Gesellenverein, der Katholische Turnverein sowie die Stadtmusik organisierten dort ihre Maskenbälle.

Auch Theateraufführungen konnte man dort geniessen, etwa das Lustspiel «Frau Zirbelnuss – oder: Die Befreiung Rosamundis aus dem Hexenrevier» sowie das Drama «Die Nonne von Wyl» von Carl Georg Jakob Sailer.

An der Kirchgasse war das Gasthaus «Zum Engel» ein beliebtes Tanzlokal zur Fastnachtszeit. Allerdings sind diese Zeiten längst vorbei, 1877 ist das Wirtepatent erloschen, die Liegenschaft wird mittlerweile als Wohnhaus genutzt.

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Der "Adler" war ein wichtiger Treffpunkt an der Fastnacht. 


Hochburg der Fastnacht

In absehbarer Zeit wird das ehemalige «Hotel Landhaus» an der Unteren Bahnhofstrasse einer Überbauung Platz machen. Diese Gaststätte machte sich einst als Ostschweizer Fastnachtshochburg einen Namen. In üppigen Dekorationen hatten spärlich bekleidete Frauen ihre Showauftritte.

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Längst sind die Zeiten der Fastnachtsveranstaltungen im "Engel" vergangen.

Auch ausserhalb der Fastnachtszeit gab es immer wieder Gründe für einen Besuch im Landhaus-Saal. 1901 konzertierten etwa die Männerchöre Concordia und Harmonie sowie der protestantische Kirchengesangsverein in Begleitung der Stadtharmonie. Auch Chöre und Theatergruppen lockten das Publikum an. «Lehoma und Schernikau waren zwei Musikclowns die 1893 im Landhaus auftraten. Sie boten ein «urkomisches und sensationelles» Programm auf 12 Instrumenten. Dazu zählten Violinen, Mandolinen, Gitarre, Xylophon, Handschellen, Zither und Waldhorn.

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Kuriositäten und Attraktionen wirkten als  Publikumsmagnete. 


Kreative Kostüme

Zu den fastnächtlichen Zentren zählte bis 1978 auch der Schwanensaal, in dem regelmässig fantasievolle Kostüme aus eigener Fertigung prämiert wurden.

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In Zeiten von Corona bekommt dieses historische Foto aus dem Schwanensaal eine besondere Note. 

In jenem Saal gab es immer wieder Bestaunenswertes zu erleben, beispielweise eine Truppe von Veloakrobaten «auf ihre Durchreise nach Indien» zu bestaunen. Sie nannte sich «Maurice Prado`s World Bicycle Wonders, Meister aller gymnastischen Ein- und Zweiradfahrer von Europa und Amerika».

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Die Tonhalle war ein beliebter Fastnachtstreff. 


Starke Dame 

In den Riegen der ehemaligen fastnächtlichen Lokalen gehört auch das Gasthaus «Adler». Auch ausserhalb der närrischen Zeit, gab es in dessen Saal einiges zu erleben. Um 1855 war ein «mechanischer Schiesssalon» sowie ein «Münchner Kasperltheater» zu Gast. Eine weitere Attraktion war das «Gedankenlesen nach Prof. Cumberland». Zwei Jahre später wurde erneut Verblüffendes geboten: «Die Herkules-Dame Frl. Hortense in ihrer unübetroffenen Kraftleistung mit eisernen Achsen, Ambosen, und Zentnergewichten».   

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Restaurantsäle waren für das örtliche Kulturleben wichtig.