Der Begriff Biodiversität steht für die Vielfalt von Lebewesen und Lebensräumen. Über 30 000 Pflanzen- und Tierarten haben in den Wäldern des Kanton St.Gallen ihr Zuhause. Eine lange Tradition des naturnahen Waldbaus sorgt für eine Vielfalt an Lebensräumen und ökologischen Strukturen. «Der Zustand der Biodiversität in der Schweiz insgesamt ist aber unbefriedigend – auch im Wald bestehen Defizite», teilt die St. Galler Staatskanzlei in einer Medienmitteilung mit. Mit gezielten forstlichen Massnahmen gelte es, die Waldbiodiversität zu erhalten und zu fördern, denn der Wald solle ein Hotspot der Biodiversität bleiben.

Im Kanton St.Gallen bedeckt der Wald knapp ein Drittel der Kantonsfläche. Das Erhalten und Erhöhen der Waldbiodiversität erfordert fachgerechte und nachhaltige Lebensraumaufwertungen. «Deshalb wird die Förderung der Biodiversität im Rahmen der Waldbewirtschaftung bei jedem Eingriff berücksichtigt», so die Staatskanzlei. Ortnithologische Erhebungen der Vogelwarte Sempach zeigen, dass sich die Artenvielfalt im Waldlebensraum mehrheitlich halten konnte. «Trotzdem müssen verschiedene Lebensräume von beispielsweise Brutvögeln forstlich mit lichten und strukturreichen Wäldern aufgewertet werden, um die Artenvielfalt zu fördern», heisst es in der Mitteilung weiter. In anderen Lebensräumen, wie Feuchtgebiete oder Landwirtschaftsgebieten habe die Biodiversität stark abgenommen.

Waldreservat vertraglich sichern

«Struktur- und Artenreiche Waldränder bilden einen äusserst wichtigen Lebensraum für viele Pflanzen- und Tierarten», weiss die Staatskanzlei. Dank dem Lichtangebot sei der Waldrand für viele Pflanzen der Kraut- und Strauchschicht ein günstiger Lebensraum. Vom Blütenreichtum und den Beeren profitieren Insekten, Vögel und diverse Kleinsäuger. Zudem biete der Waldrand Deckung für etliche Tiere. «Im Rahmen von Projekten werden ökologische Waldrandaufwertungen vom Kanton unterstützt», sagt die Staatskanzlei. Im Kanton St.Gallen beträgt die gesamte Waldrandlänge rund 14 000 km. Das Potenzial ist für ökologische Aufwertungen gross.

Mit der vertraglichen Sicherung von Waldreservaten werden einerseits natürliche Prozesse zugelassen (Naturwaldreservate) und andererseits der Lebensraum für seltene Arten aufgewertet (Sonderwaldreservate). Je nach Waldreservat verpflichtet sich der Waldeigentümer für eine Zeitdauer von 50 Jahren keine Eingriffe im Wald vorzunehmen oder speziell definierte Fördermassnahmen auszuführen. Bund und Kanton leisten fachliche und finanzielle Unterstützung. «Das Ziel, zehn Prozent der gesamten Waldfläche als Waldreservat vertraglich zu sichern, hat der Kanton zu rund 63 Prozent erreicht», informiert die Staatskanzlei. Der Abschluss weiterer Waldreservatsverträge in allen Waldregionen des Kantons St.Gallen stehe an. Das zehn-Prozent-Ziel solle bis zum Zielhorizont 2030 erreicht werden können.

Auenwälder müssen geschützt werden

Auenwälder sind ökologische Perlen, vor allem Weichholzauen, welche der Flussdynamik unterworfen sind. Hier gedeihen Pionierbaumarten, wie Weide, Erle oder Pappel, die im restlichen Wald kaum Überlebenschancen haben. Zudem beherbergt der Auenwald eine sehr artenreiche Strauchschicht. Die Pflanzenvielfalt führt zu einer ebenso reichhaltigen Fauna. «Mit den grossen Flusskorrekturen im vorletzten Jahrhundert und der Intensivierung der Landwirtschaft sind Auenwälder allerdings selten geworden», betont die Staatskanzlei. Die verbleibenden Restbestände gelte es zu hegen und zu schützen. Der Auenboden sei daher von der Bodenkundlichen Gesellschaft der Schweiz (BGS) zum Boden des Jahres 2020 ernannt worden. (pd)