Die Flawilerstrasse 2 geniesst den Schutz der Schutzverordnung der Gemeinde. Weil es ein hochwertiges, historisches Gebäude ist. Und wegen seiner Bedeutung für Uzwils Industriegeschichte. Das Haus wurde 1885 von Gottlieb Naef-Kraut erbaut. Er war Leiter der kaufmännischen Abteilung und der Spinnerei des Textilunternehmens Mathias Naef. Die Gemeinde erwarb das Haus 1912 und nutzte es fortan als Gemeindehaus. Bis die Verwaltung Ende 2017 an den Stickereiplatz zügelte.

«Gemeindehaus» prangt noch immer von der Fassade der stattlichen Fabrikantenvilla im Park. Und diese Beschriftung wird bleiben, auch wenn das Haus nicht mehr das Gemeindehaus ist. Ein äusserliches Zeichen für den Einfluss der Denkmalpflege auf die laufenden Umbauarbeiten. Es ist ihr ausdrücklicher Wunsch, dass diese Beschriftung bleibt. Um als Zeitzeuge davon zu erzählen, wie dieses Haus lange Zeit genutzt wurde.

Neu ein kantonales Schutzobjekt

Im Rahmen der Planung für die Umbauarbeiten erfolgte die Klärung, ob das Haus «nur» kommunales oder gar kantonales Schutzobjekt ist. Eine Bereinigung nahm Zeit und Anspruch und brachte ein klares Ergebnis: Das Haus ist ein kantonales Schutzobjekt. Damit manifestiert sich die Bedeutung des Objektes als wichtiger Zeitzeuge der St. Galler Industriegeschichte. Und gleichzeitig bewirkt das einen grossen Einfluss der kantonalen Denkmalpflege auf die Frage, wie die Umbauarbeiten erfolgen.

Die intensivere Mitwirkung der Denkmalpflege mündet darin, dass im Haus an verschiedenen Orten wieder auflebt, was über Jahrzehnte an historischer Substanz zerstört wurde, was den funktionalen Anforderungen an eine Arbeitsumgebung für eine Gemeindeverwaltung geopfert wurde. Verschiedene Räume erhalten mehr von ihrem ursprünglichen Charakter zurück. So weichen beispielsweise verschiedene heruntergehängte Decken dem früheren Aufbau, entstehen wieder Gipsdecken mit Hohlkehlen – einer Ausrundung zwischen Wand und Decke. Dazu müssen elektrische Leitungen verlegt werden, welche von der heruntergehängten Decke «versteckt» waren. Brüstungsverkleidungen leben auf, Kabelkanäle werden anders ausgeführt, damit sie das Bild nicht stören. Klar: Das löst zusätzliche Arbeiten und damit zusätzliche Kosten aus. An diese denkmal- pflegerischen Mehrkosten gegenüber dem Kostenvoranschlag beteiligt sich die Denkmalpflege mit einem massgeblichen Beitrag.

Der Kreis schliesst sich

Ende April werden die Sozialen Dienste von der Henauerstrasse 20 in die Flawilerstrasse 2 zügeln. Damit wird ein neues Kapitel in der Geschichte des Hauses aufgeschlagen. Die Industriellendynastie Naef zeichnete sich auch durch ein hohes soziales und gesellschaftliches Engagement aus. So gesehen passt die neue Nutzung zum Haus.

Und apropos Gemiendehaus: Die Errichtung des neuen Gebäudes kommt dem Uzwiler Steuerzahler günstiger als erwartet. Gesprochen war ein Kredit in der Höhe von 19,3 Millionen Franken. Die Baurechnung ergibt Kosten von gut 18,4 Millionen Franken. Verantwortlich dafür waren verschiedene Aspekte, wie die Gemeinde Uzwil schreibt. Noch in der Projektphase wurden Einsparungen aktiv gesucht und umgesetzt. Das Projekt- und Kostenmanagement sei straff gewesen. Die sorgfältige Planung habe wenig Raum für Überraschungen gelassen. Und schliesslich hätten auch bei Arbeitsvergaben Minderkosten gegenüber dem Kostenvoranschlag resultiert. (sk/red)

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Die Errichtung des neuen Gemeindehauses kostete 18,4 statt wie geplant 19,3 Millionen Franken.